Aus dem Gericht

Nach Schlägerei: Freiheit für drei Angeklagte

Frankenberg - Eine Schlägerei mit rund einem Dutzend Beteiligten hat nach dem Pfingstmarkt 2011 für Aufsehen gesorgt. Drei Angeklagten konnte gestern keine Schuld nachgewiesen werden.

„Normalerweise sage ich zu Beginn meiner Urteilsverkündung immer ‚Der Sachverhalt war nach der Beweisaufnahme klar‘ - das ist hier nicht der Fall“, sagte Richterin Andrea Hülshorst am Montag nach einer knappen Verhandlungsstunde in die erleichterten Gesichter von drei Angeklagten. Diese hatten soeben erfahren, dass sie vom Vorwurf der gemeinschaftlichen, gefährlichen Körperverletzung freigesprochen sind.

In der Anklageschrift der Marburger Staatsanwaltschaft wurde einem Geschwisterpaar und einem Freund vorgeworfen, während des Pfingstmarktes im Jahre 2011 einem Geschädigten ein Bierglas über den Kopf gezogen zu haben. Als der Mann zu Boden ging, sollen die Angeklagten auf ihn eingetreten haben. Bei der anschließenden Prügelei sollen zwei weitere Personen zu Schaden gekommen sein. Diese Version leugneten die Angeltagen am Montagmorgen. Gelassen, überlegt und weitgehend übereinstimmend schilderten sie vor Gericht ihre Sicht auf den Discoabend des Pfingstmarktes 2011.

Nach dem Feuerwerk, dass die angeklagte 25-Jährige mit einigen Freunden, darunter dem 26-jährigen Mitangeklagten, auf dem Burgberg angeschaut hatten, ging die Gruppe auf den Pfingstmarkt. Im Festzelt traf sie auf die Zeugen. Nach Aussage der Angeklagten begannen diese, die Gruppe von Freunden zu beleidigen. Aus diesem Grund habe die junge Frau ihren Bruder telefonisch herbeigerufen, da sie ein ungutes Ende des Abends befürchtete. Der 28-Jährige sollte mit dem Aggressor reden. Das tat er nach eigener Aussage auch - vor dem Festzelt, da es im Zelt zu laut gewesen sei.

„Plötzlich hatte ich einen Arm um den Hals“, schilderte der Mann den weiteren Verlauf - ein weiterer Mann, ebenfalls einer der Zeugen, hätte ihn in den Schwitzkasten genommen. Die Situation habe sich gelöst, nachdem er dem Angreifer an empfindliche Stellen gegriffen habe. Er habe dann den ursprünglichen Provokateur im Gerangel mit einem Sicherheits-Mitarbeiter gesehen, blutend. Schließlich habe er sich mit seiner Schwester auf den Heimweg gemacht.

Lediglich der ebenfalls angeklagte 26-Jährige, der bereits das Feuerwerk auf dem Burgberg betrachtet hatte, sei auf dem Pfingstmarkt verblieben. Er schilderte, dass es seitens der Sicherheit Platzverweise für alle an der Schlägerei Beteiligten gegeben hätte. „Eine gute Viertelstunde war dann auch Ruhe“, sagte er. Die Gruppe der Zeugen habe sich jedoch vor dem Bierzelt aufgebaut, ihn beobachtet und sogar bespuckt. Er habe deshalb einen Freund zu Hilfe gerufen. Als beide das Gelände verlassen wollten, sei es schließlich zu einer großen Schlägerei gekommen - etwa ein Dutzend Beteiligte habe es gegeben, von denen er die meisten nicht habe identifizieren können. Erst das Eingreifen der Sicherheit unter Zuhilfenahme von Pfefferspray nach knapp zehn Minuten habe die Situation beruhigt.

In den Aussagen stellten die Angeklagten sich selbst als Opfer von Aggressionen dar - von ihnen sei kein erster Schlag gefallen. Da die Hauptbelastungszeugen ihre Aussage allesamt verweigerten, blieb auch dem Staatsanwalt nicht anderes übrig, als den Freispruch zu fordern. Dem schloss sich der Verteidiger des 28-Jährigen an. Richterin Hülshorst sagte: „Ihnen ist nichts nachzuweisen. Die Konsequenz ist der Freispruch“. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

Kommentare