Maik Garthe legt erstes Album vor

Nach Trio und Duo jetzt ein echtes Solo

Frankenau-Ellershausen - Seinen eigenen Gedanken lässt Maik Garthe auf "Tight Corner" freien Lauf - und verpackt sie gefällig in Blues mit je einem Schuss Country und Rock.

Ein enorm produktives Jahr hat Maik Garthe hinter sich: Vor wenigen Wochen erst veröffentliche er mit seinem Partner Jan Hampicke das neue „Wuthe & Faust“-Album „muggy nights dizzy days“, da folgt schon der nächste Streich des Ellershäusers: Mit „Tight Corner“ legt Garthe sein erstes richtiges Solo-Album vor. Die Erinnerung sagt: Da war doch noch was? Und ja: Erst im Jahr 2011 veröffentlichte Garthe die Solo-EP „uncut“.

Ohnehin hat sich der 36-Jährige in der Region eine spürbare Omnipräsenz erarbeitet. Mag das bei anderen Künstlern mit einer gewissen Übersättigung einhergehen, bei dem Vollzeitmusiker ist es eher erfrischend. Die Wurzeln seiner Werke - gleich ob früher in der Coverband „Tabacs“, mit „Wuthe & Faust“ oder solo - sind erkennbar dieselben. Was sich daraus aber entwickelt, unterscheidet sich überraschend stark.

Geschichten aus dem Leben

„Die Songs sind Geschichten, die mich umgeben und aus dem Alltag stammen“, sagt Garthe über seine Lieder - Dinge, die ihn ganz unmittelbar inspirieren. Während der Ellershäuser mit Jan Hampicke bei „Wuthe & Faust“ über diese Dinge zu brüten, nachzudenken scheint, erzählt er sie auf seinem Solowerk frei heraus. Vom „Singer/Songwriter“ wandelt er sich zum Blues-Musiker allererster Güte. „Tight Corners“ ist sauber produziert. Es funktioniert laut wie leise - Ersteres jedoch deutlich besser. Und es transportiert den nötigen atmosphärischen Charme. „Wir haben es digital aufgenommen, dann auf Band gespielt und vom Band wieder aufgenommen“, erklärt er den nicht ganz einfachen Produktionsprozess im Karbener Studio „analoghaus“. Akustische Effekte lassen sich auch am Computer einfügen - doch darauf hat Garthe bewusst verzichtet. Er benutzte alte Mikrofone, alte Instrumente.

Wie bei Garthe üblich sind es derer drei: die Gitarre, die Mundharmonika und die Stimme. Sein warmes Organ nutzt der Musiker angenehm ausbalanciert. Manchmal, etwa beim großartigen „Here she comes“ erinnert er tatsächlich ein wenig an den legendären Doors-Frontmann Jim Morrison - um Sekunden später in einen springsteenesken Refrain einzuschwenken. Das ist nicht immer neu, aber es macht immer Spaß: „Tight Corner“ ist ein Album zum Mitwippen und - nach einigen Durchgängen - auch ein Album zum Mitsingen. Es ist ein leichtfüßiges Werk mit einigen schweren Momenten.

Solo-Album mit Kollegen

Dass von den ein Dutzend Stücken der größte Teil nicht nur der Muße zu verdanken ist, sondern auch einem gewissen Termindruck - Garthe hatte neun Monate Zeit - ist nicht herauszuhören. Stattdessen spürbar: Der Musiker hatte Spaß am Aufnehmen. Das mag auch an seinen beiden Bandkollegen liegen: Solo-Album heißt nicht zwangsläufig, dass nur Garthe zu hören ist. „Wuthe & Faust“-Partner Hampicke ist auch auf „Tight Corner“ mehrfach zu hören - meist, aber nicht immer nur instrumentell. Auch der Schlagzeuger James Schmidt unterstützt Garthe, ebenso wie Tom Ripphahn, der mit Harfe, Harmonium und Orgel Pfiff auf die Scheibe bringt.

Hampicke und Schmidt sind es auch, die mit Maik Garthe das Album vorstellen: Diese Woche beginnt eine kleine Tour. Darauf freut sich der Ellershäuser. Nach einem Jahr voller Studioaufnahmen sagt er: „Aus diesem Geschäft bin ich vorerst raus.“

„Tight Corner“-Minitour mit Maik Garthe: Donnerstag, 20. März: Molly Malone‘s, Marburg; Freitag, 21. März: Unten, Kassel; Samstag, 22. März: Klimperkasten, Frankenberg. Das Album ist erhältlich unter www.maikgarthe.de oder während der Konzerte.

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