Diskussion um Schulstandort

Nachmittagsbetreuung als Kriterium

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Haina-Löhlbach - Wieder wollen Eltern aus Löhlbach ihre Kinder außerhalb der Großgemeinde unterrichten lassen. Die Familie Jakobi fordert, nicht nur ihre Tochter, sondern gleich alle Kinder aus dem Ortsteil in Frankenau einzuschulen. Weder Bürgermeister noch Schulleitung wollen davon etwas wissen.

Stefan und Sandra Jakobi haben eine Tochter, die im Sommer 2013 eingeschult wird. Für die Eltern ist klar: Sie möchten, dass ihr Kind in die Kellerwaldschule in Frankenau geht. In erster Linie liegt das daran, dass die Eltern berufstätig sind und es an der Kellerwaldschule eine Nachmittagsbetreuung gibt - in Haina noch nicht. Aber auch sonst gefällt ihnen das Angebot in Frankenau besser. Sollte dem Antrag zugestimmt werden, darf Katrin anstatt die Grundschule in Frankenau besuchen. Allerdings müssen ihre Eltern dann die Kosten für die Fahrt dorthin selbst bezahlen. Bis zu diesem Punkt ist daran nichts Ungewöhnliches.

Stefan Jakobi belässt es allerdings nicht dabei, einen Gestattungsantrag zu stellen. Er fordert stattdessen, dass gleich alle Löhlbacher Schüler grundsätzlich in Frankenau eingeschult werden. Jakobi hat kein Verständnis für die politische Entscheidung, dass Löhlbacher Kinder in Haina unterrichtet werden sollen.

Der Löhlbacher argumentiert unter anderem damit, dass Kinder aus dem selben Kindergartenjahr dann auf zwei verschiedene Schulen gehen würden. Er verweist auch auf die Kosten, die für den geplanten Pavillon in Haina anfallen. Er habe "akute Kopfschmerzen" mit den Planungen, "krampfhaft" am Schulstandort Haina festzuhalten. "Mir als steuerzahlendem Waldeck-Frankenberger Bürger scheint es weit leichter zu fallen, über Orts- und Gemeindegrenzen hinweg zu sehen, als so manchem extremistischen Kommunalpolitiker."

Bürgermeister Rudolf Backhaus verteidigte die nach langen Diskussionen im Jahr 2010 gefällte Entscheidung: "Hier geht es darum, dass in der Großgemeinde Haina eine Schule erhalten werden soll, und dazu dienen auch die Schüler aus Löhlbach", betonte er. "Die Fakten sind geschaffen." Diese Entscheidung werde nicht rückgängig gemacht.

Die Gestattung für einen Schulwechsel sei ein Instrument für Notfälle: "Wenn zum Beispiel wegen Schichtarbeit eine Existenz da dran hängt, ist das was anderes. Aber wenn wieder System dahinter ist, raucht es hier". Gestattungen seien für Ausnahmen da: "Das kann nicht wieder in großem Maß passieren", betonte der Rathauschef.

Es sei jedoch richtig, dass in Haina eine Nachmittagsbetreuung für Schulkinder geschaffen werden müsse. "Da sind die Schulleitung und der Landkreis gefordert", sagte Backhaus. In Absprache mit der Gesamtleiterin der Kindergärten der Gemeinde, Sabine Ritter, sagte er zu, dass die Gemeinde im Hainaer Kindergarten die notwendigen Räume für eine Nachmittagsbetreuung anbieten kann. "Die Mittagsverpflegung läuft sowieso, da könnten wir auch noch Schüler mit verpflegen", fügte er hinzu. Baulicher Aufwand sei also nicht notwendig. Nachdem dies in Gemeindevorstand und Gemeindevertretung besprochen sei, werde die Gemeinde das Angebot auch dem Landkreis vorlegen. "Denn der muss die Betreuung organisieren und finanzieren".

Eine fehlende Nachmittagsbetreuung könne im Einzelfall ein Gestattungsgrund sein, sagte Uta Opper-Fiedler vom Staatlichen Schulamt in Fritzlar auf Nachfrage der FZ. Auch sie betonte, dass Gestattungen Ausnahmeregelungen seien, für die Für eine Gestattung müssten stichhaltige Gründe vorliegen. Sollte die Begründung bei mehreren Eltern die fehlende Nachmittagsbetreuung sein, "muss vor Ort von Schulleitung und Schulträger geguckt werden, wie dem nachgegangen werden kann", sagt Uta Opper-Fiedler.

Für das im Sommer beginnende Schuljahr 2012/2013 liegen laut Uta Opper-Fiedler vom Staatlichen Schulamt in Fritzlar keine Gestattungsanträge aus Löhlbach vor.

Im Sommer 2013 werden außer Katrin Jakobi laut Schulentwicklungsplan elf weitere Kinder aus Löhlbach eingeschult. Jakobi hatte mitgeteilt, er wisse von drei weiteren Familien, die auch Gestattungsanträge stellen wollten. Die FZ fragte bei diesen drei Familien nach: Eine bestätigte, einen Gestattungsantrag in Erwägung zu ziehen - aber nur, falls es in Haina keine Nachmittagsbetreuung gebe. Ein weiteres Elternpaar berichtete, die Schule in Frankenau besichtigt zu haben. Es sei aber nicht ihr Ziel, ihr Kind nach Frankenau zu schicken. Auch die dritte Familie erklärte, sich nur informiert zu haben. Es bestehe zwar Interesse, aber noch keine Sicherheit, ob ein Antrag gestellt werde.

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