Lindenhof

Nachtjäger verfängt sich im Stacheldraht

- Hatzfeld-Lindenhof (mba). Das Ehepaar Rade aus Lindenhof pflegt in seiner Wildvogelstation einen schwer verletzten Uhu: Ein Stacheldraht, in der Einflugschneise ihres Jagdreviers gespannt, wurde der großen Eule beinahe zum Verhängnis. In der Wildvogelstation landen häufig Greifvögel nach solchen Unfällen.

Ein Stacheldrahtzaun kann zu einer schrecklichen Falle werden – jedenfalls, wenn man im nächtlichen Gleitflug knapp über dem Boden nach Nagetieren jagt. Einem jungen Uhu wurde ein stacheliger Weidezaun bei Vöhl in dieser Woche beinahe zum Verhängnis: Der große Greifvogel verfing sich im Draht und verletzte sich schwer. Selbst wenn der Uhu den Draht im Jagdflug noch bemerkt hat, wird er ihn kaum als massives Hindernis erkannt haben, erklärt Falkner Ernst Peter Rade, der mit seiner Frau Hella, die Tierärztin ist, eine Wildvogelstation in Lindenhof bei Hatzfeld betreibt und den verletzten Nachtgreif in seine Obhut genommen hat. „Für den Uhu sieht der Draht vermutlich wie eine Brombeerranke aus. Und er rechnet damit, dass sie nachgibt.“ Rade kennt „das Elend Stacheldraht“ gut. „Alles, was im Feld jagt, holt sich daran üble Verletzungen.“ Jedes Jahr pflegt er Greifvögel, die mit Stacheldraht in schmerzhafte Berührung kommen – für viele enden die Verletzungen tödlich. Der Draht reißt oft große Fleischwunden, die nicht oder nur sehr schwer verheilen. Besonders eine Wunde an den Schwingen kann für einen Greifvogel das „Aus“ als Jagdflieger bedeuten. Auch der Uhu hat eine große, offenen Wunde an seinem Flügel. „Der Uhu hat schlimme Verletzungen. Er hat sich im Stacheldraht verfangen und ist hängen geblieben“, schildert Rade den vermutlichen Unfallhergang. Bei seinen verzweifelten Befreiungsversuchen habe der Vogel wild getobt und sich dabei die Haut und Teile des Gefieders ausgerissen. Bei Verletzungen an den Schwingen sei das Problem, dass die Wunden nicht genäht werden können, weil dort einfach zu wenig Gewebe vorhanden ist. Auch einen Verband anzubringen ist kaum möglich. So müsse die Wunde offen bleiben, erklärt Rade. In der Natur wäre der Uhu dem Tod geweiht und selbst in menschlicher Pflege seien Vögel mit solchen Verletzungen meist verloren. Der Besitzer der Weide, der den Uhu fand und in die Wildvogelstation gebracht hat, sei selbst entsetzt gewesen, sagt der Falkner. „Er hatte den Zaun gerade erst aufgestellt.“ Das ist eine weitere Erklärung für den Unfall: Die Weide war vermutlich ein angestammtes Jagdrevier des Vogels – er kannte das Gelände, aber nicht das neue Hindernis in seiner Einflugschneise, das in der Nacht wohl auch kaum auszumachen war.Doch auch für tagaktive Greifvögel stellen Stacheldrahtzäune eine Bedrohung dar, weiß Rade aus Erfahrung: „Auch bei Bussarden sehe ich immer wieder diese schrecklichen Verletzungen.“ Rade plädiert dafür, wo möglich, ganz auf den Draht zu verzichten. Zumindest wenn die Weidezeit vorbei ist, sollten die Landwirte den Stacheldraht abbauen.

Mehr lesen Sie in der Frankenberger Zeitung vom Donnerstag, 28. Oktober.

Kommentare