Teddy-Klinik in Frankenberg

Mit Nadel und Faden gegen Teddys Aua

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Armer Oscar: Der Teddy der vierjährigen Lea hat eine Schnittverletzung. Die Medizin-Studentinnen Julia Arhelger (links) und Eva Becker müssen zu Nadel und Faden greifen. Schmerzen spürt das Kuscheltier keine, weiß Lea. Die „Ärztinnen“ sind nämlich sehr vorsichtig – und außerdem ist Oscar schließlich ein starker Bär.Fotos: Malte Glotz

Frankenberg - Dass ein Arztbesuch nichts Schlimmes ist, sondern im Gegenteil Heilung bringt, lernen Kindergartenkinder in der Teddy-Klinik.

Lea weiß genau, was Oscar zugestoßen ist. Ihr kleiner, wuscheliger Bär hat eine Schnittverletzung. Und die muss natürlich behandelt werden, damit es Oscar wieder besser geht. Gut, dass es Menschen wie Julia Arhelger und Eva Becker gibt. Die beiden Marburger Medizinstudentinnen verarzten das Bärchen. Julia führt Bärenmama Lea von Station zu Station: Röntgen, Ultraschall, Diagnose - und schließlich die Behandlung unter Narkose im improvisierten Behandlungszimmer von Eva. Die geht behände mit der Nadel zu Werke. Ein kleiner Abstecher in die Teddy-Apotheke, wo Pharmaziestudenten im Kittel auf junge Kunden warten, schon geht es Oscar spürbar besser.

Bereits zum fünften Mal macht die Teddy-Klinik Station in Frankenberg. Kräftig unterstützt vom heimischen Lions-Club, kümmern sich einen Tag lang rund 50 Studenten um die Wehwehchen der Kuscheltiere - mit positiven Effekten sowohl für die Nachwuchsmediziner wie für die Kinder. „Natürlich können auch die Studenten noch mal die Handgriffe erlernen, den Umgang mit jungen Patienten“, sagt Organisatorin Lena-Marie Niehoff. Doch das eigentliche Ziel sei es, den Kindern die Angst zu nehmen vor Themen wie Krankheit, Arztbesuch, Krankenhaus - und Rettungswagen. Denn auch das heimische Rote Kreuz beteiligt sich. Die Kindergartenkinder - gut 300 waren es im vergangenen Jahr - bekommen die Technik erklärt, den Puls gemessen, ein EKG erläutert. Und zur allgemeinen Begeisterung dürfen sie auch mal das Blaulicht anschalten.

„Spielerischer Umgang“

„Wir wollen hier einen spielerischen Umgang mit dem Thema Krankheit vermitteln“, sagt Adam-Willi Finger, derzeitiger Präsident der Frankenberger Lions. So schlimm das Thema ist: Angst vor Ärzten sollten die Kinder gar nicht erst entwickeln. „Wir lassen die Kinder ihren Kuscheltieren etwa selbst die Spritze geben“, erklärt Niehoff, „und sie müssen ihre Schützlinge auch beruhigen und ihnen sagen, dass die Behandlung gar nicht schlimm ist, aber nötig.“ Eben genau das, was den Kindern im Falle eines Arztbesuches selbst auch gesagt wird. Beeindruckend findet es Bürgermeister Rüdiger Heß, mit welcher Freude die Kinder das Angebot wahrnehmen - und mit welcher Ernsthaftigkeit sie die Leiden ihrer Teddys vortragen. „Es ist schon interessant, was die Tiere so für Krankheiten haben“, sagt er.

Mehr als 220 Patienten

Und tatsächlich sind viele Tiere multipel erkrankt - damit sie sowohl zum Röntgen als auch zum Ultraschall und möglichst auch noch auf den Zahnarztstuhl müssen. Schnell fällt bei so viel Fürsorge für die Kuscheltiere auch bei den „Eltern“ jede Scheu ab. Viele wollen genau wissen, was der Liebling hat, wie man ihm helfen kann und was denn da eigentlich gerade genau gemacht wird. Gut 220 Kinder haben ihre Tierchen an diesem Mittwoch angemeldet für eine Behandlung - es werden wieder mehr. Gerade am Nachmittag wird die „freie Sprechstunde“ gut genutzt. Die Studenten sind das gewohnt: In Marburg ist der Andrang noch größer. „Aber da müssen wir alles selber machen“, klagt Lena-Marie Niehoff. In Frankenberg würde der Lions-Club viele Arbeiten übernehmen. Deshalb sei klar: „Auch 2015 wollen wir in der Ederberglandhalle wieder Teddys behandeln.“

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