Marion und Dirk Halm renovieren Gebäude an der Bahnstrecke bei Birkenbringhausen

Nächster Halt: Birkenbringhausen

+
Marion Halm mit den noch kleinen Katzen Makita, Black und Decker, die ihre Namen während der Renovierungsphase bekamen.

Burgwald-Birkenbringhausen - Als Marion Halm vor Jahren zum ersten Mal auf den Reiterhof "Burgwaldlilie" kam, dachte sie beim Durchfahren der umrankten Einfahrt: "So eine Zufahrt möchte ich auch mal haben". Damals hätte sie sich nicht träumen lassen, dass sie eines Tages exakt diese Einfahrt - samt Bahnhof - ihr Eigen nennen würde.

Den Reitbetrieb gibt es nicht mehr: Im Februar wurde der alte Bahnhof versteigert. Marion und Dirk Halm gaben ein Angebot ab und erhielten den Zuschlag. 382.000 Euro haben sie bezahlt. „Dafür müssen wir aber auch nichts mehr neu bauen“, freut sich die Tierärztin für Kleintiere und Pferde.

Denn zum Bahnhof gehören auch eine Reithalle, ein Pferdestall mit zehn Boxen, eine Führanlage und ein Round Pen. Eigentlich hatten die Halms lediglich einen Hof gesucht, der groß genug ist für die eigenen beiden Pferde und für Patienten, die zum therapeutischen Beritt aufgenommen werden. Doch durch die vorhandene Infrastruktur hat sich ihr Mann entschieden, als weiteres Standbein im Nebenberuf auch einen kleinen Pensionsstall zu betreiben.

Die aus Wismar stammende Tierärztin hat den Großteil ihres Lebens in und bei Berlin verbracht. Seit 2002 lebten sie und ihr Mann in Rosenthal – dort hatten sie sowohl eine Praxis als auch ihre Wohnung gemietet. In den vergangenen drei Jahren hatte das Paar nach einem geeigneten Ort zum Wohnen und Arbeiten gesucht. Den richtigen Hof, der nicht zu weit vom etablierten Kundenkreis entfernt war und genügend Fläche bot, fanden sie in dieser Zeit nicht. Der Bahnhof, der ein gutes Stück außerhalb von Birkenbringhausen liegt, kam ab und zu ins Gespräch – allerdings schloss ihn Marion Halm aus, weil sie damals dachte, dass dort Bahnstrom verläuft. Erst als sie erfuhr, dass die Burgwaldbahn ohne Oberleitungen betrieben wird und dann zufällig das Exposé in die Hände bekam, kamen die Dinge ins Rollen.

Seit Ende Mai leben Marion und Dirk Halm samt Sohn im ehemaligen Bahnhofsgebäude; noch immer renovieren sie das Wohnhaus nebenbei. Auch auf dem Gelände rund um den Bahnhof ist schon viel passiert, aber auch noch viel Arbeit nötig. Denn das Gelände rund um den Bahnhof war zugewuchert: Hecken, Bäume und Büsche mussten geschnitten, Zäune zum Teil erneuert, alte Hasenställe entfernt werden. „Wir sind hier erst mal mit der Machete durchgegangen“, schmunzelt die 47-Jährige. Schließlich soll auch das Umfeld des alten Bahnhofs nutzbar sein. Einige Reparaturen stehen noch an – so funktioniert etwa die Beregnungsanlage derzeit nicht, und auch der Stromkasten muss erneuert werden.

Neben der Einfahrt möchte Marion Halm Bürocontainer für ihre Arbeitsräume aufstellen – eine große Praxis benötigt die Tierärztin nicht, denn sie hat sich auf Hausbesuche spezialisiert. Sie fährt zu den Patienten und behandelt sie im gewohnten Umfeld. Wenn größere Operationen oder Untersuchungen mit speziellen Geräten notwendig sind, überweist sie die Patienten an Kollegen weiter. Trotz der noch ausstehenden Arbeiten fühlt sich Marion Halm jetzt schon wohl im alten Bahnhof. Auch die Nachbarn und die Menschen im Dorf haben sie offen und freundlich aufgenommen. Die Bahn, die einmal in der Stunde am Haus vorbei- fährt, stört sie nicht: „Eine Straße würde mich mehr nerven“.

Von Andrea Pauly

Kommentare