Allendorfer Schützenverein

Name "Wintervergnügen" ist Programm

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Gemeiner Sehtest: Hubertus (Elvira Heinrichs) und die falsche Gräfin Alberta von Strassdorf-Ehrenweg (Steffi Garthe).

Frankenau-Allendorf - Eine geschmackvolle Dekoration des Dorfgemeinschaftshauses, ein Theaterstück mit deftigem Humor und ganz viel Spaß - das ist die Kombination, mit der die Allendorfer Schützen wieder einmal für ein buchstäbliches Wintervergnügen gesorgt haben.

Die Kerzen, die in großen Gläsern im Schnee entlang des Pfades zum Eingang des Dorfgemeinschafthauses heimeliges, ja schon romantisches Licht verbreiten, wecken falsche Vorstellungen - denn drinnen geht es alles andere als anheimelnd zu, stattdessen höchst vergnüglich und ausgelassen.

Der Schützenverein hatte am Samstag zum alljährlichen Wintervergnügen eingeladen - und wie immer legten die Organisatoren großen Wert darauf, dass das Programm dieser Bezeichnung auch gerecht wird. Und ein Vergnügen war es tatsächlich, der Theatergruppe auf der Bühne zuzuschauen; vor allem, weil auch den Akteuren der Spaß an der Sache anzusehen war.

Die Theatergruppe um Elvira Heinrichs hatte sich eine Fortsetzung des Stücks aus dem vergangenen Jahr ausgesucht: „Gleiche Familie, neue Probleme. Wie im wahren Leben“, sagte Elvira Heinrichs mit einem Grinsen. Auf „Hubertus und die Salatmafia“ folgte nun „Waidmannsheil Hubertus“.

Darin wollen der Titelheld (Elvira Heinrichs) und sein Kumpel Fridolin (Ralf Heinrichs) den Jagdschein machen. Die passende Sprache haben sie sich bereits angeeignet: Sie bezeichnen beispielsweise ihre Ehefrauen als „Bachen“. Dass das der Jägerbegriff für eine Wildsau ist, weiß Möchtegern-Waidmann Fridolin gerade noch - dann hört‘s aber auch schon auf mit seinem Fachwissen, wie sein Versuch, einen Bock anzusprechen eindrucksvoll beweist.

Auch bei Hubertus sind die Aussichten auf den Jagdschein schlecht, und zwar im Wortsinne: Seine Sehfähigkeit ist gelinde gesagt katastrophal. Da hilft auch das (wunderbar ausgesuchte) Brillenmodell nicht.

Dennoch - die beiden wollen die Prüfung ablegen. Schließlich dürfen sie nur dann „im Wald herumballern“. Zudem „ist das Schöne an der Jägerei ja, dass sie weitgehend frauenfrei ist“.

Die Rechnung haben sie aber ohne ihre Ehefrauen Maria (Katja Wilke) und Roswitha (Angela Rückermann) gemacht. Die bestellen kurzerhand die neue Chorleiterin Frau Müller als falsche Gräfin (Steffi Garthe, die auch noch als Polizist und Geist zu sehen war) zur Abnahme der Prüfung ins Wohnzimmer. Und obwohl die beiden Männer sich alle erdenkliche Mühe geben, fallen sie durch.

Das hält sie aber nicht davon ab, in der Nacht im heimischen Vorgarten auf Eisbärenjagd zu gehen. Der Jagdausflug erreicht seinen Höhepunkt, als sie statt eines Eisbären den Pudel der Nachbarin (herrlich: Holger Bauchs Entsetzensschrei angesichts der toten „Schakkeliiiiene“) zur Strecke bringen... Während die Zuschauer im voll besetzten Dorfgemeinschaftshaus begeistert den Ideen der vermeintlichen Waidmänner folgten, hatten sie jede Menge zu lachen: unter anderem über von im Bett ausgelegten Tellereisen verursachte Wunden und eine nicht jugendfreie und wunderbar schief gesungene Version des „Jägers aus Kurpfalz“.

Nicht nur der deftige Humor und die zweideutigen Scherze der beiden Hauptcharaktere sorgten für Erheiterung. Auch Elvira Heinrichs konsequentes Platt und die geschickt eingearbeiteten Verweise auf hiesige Gegebenheiten hatten entsprechende Reaktionen zur Folge: Nicht umsonst heißt der Polizist „Keßler“, nicht umsonst wollten sich die Männer mal die neue Bedienung „beim Ortwin“ ansehen.

Nach dem Theaterstück ging es fröhlich weiter: Bei einer Tombola „vom Dorf fürs Dorf“ gab es kreative Preise aus Allendorf und den Nachbardörfern zu gewinnen - darunter zum Beispiel ein Haarschnitt, eine Massage, ein Meter Holz oder 50 Mal Milchholen bei Wilkes. Einer der „Hauptpreise“ war eine Autowäsche von den Schützenvorstandsdamen „in kreativem Outfit“ - den hat Ortsvorsteher Dirk Michel gewonnen. Welche Kleidung die Vorstandsdamen zu diesem Anlass tragen werden, steht allerdings noch nicht fest.

Nach dem offiziellen Teil war das Vergnügen noch lange nicht vorbei: Die Schützen und viele ihrer Gäste feierten noch bis in die Morgenstunden weiter.

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