Hallenberg

Naturbad öffnet nach einjähriger Bauzeit

- Anfangs waren die Stimmen mehr als kritisch: Ein unbeheiztes Bad mit Wasser aus der Nuhne? Doch so mancher Kritiker ist mittlerweile etwas kleinlaut geworden.

Aus den Unkenrufen hat sich Michael Kronauge nichts gemacht: „Das ist bei allen Gemeinden mit einem Naturbad so gewesen“, weiß der Hallenberger Bürgermeister. „Und als sie fertig waren und funktionierten, hat sich niemand mehr beschwert.“ Genau das erhofft sich Kronauge auch von dem Hallenberger Naturbad, das morgen eröffnet wird. Bei einem Tag der offenen Baustelle haben sich viele positiv geäußert. „Wer ein gebaggertes Loch erwartet hat, in dem man zwischen Algen und Fröschen paddeln muss, hatte falsche Vorstellungen“, frohlockt Kronauge. Im vergangenen Jahr hat sich am Schwimmbad einiges verändert: Das alte Gebäude mit Kiosk, Kasse, Toiletten und Umkleidekabinen ist abgerissen, ein neues aus Holz ist entstanden. Wo früher ein großes, rechteckiges Becken mit Schwimmer- und Nichtschwimmerzone und Drei-Meter-Brett das Bild prägte, sind drei Becken entstanden, die von Holzstegen getrennt werden. Das größte Becken ist das Schwimmerbecken, das zwischen 1,80 und 3,50 Meter tief ist. Hier sind ein Ein-Meter-Brett und ein Felsen mit Zwei-Meter-Sprungplattform angebracht. Das Nichtschwimmerbecken ist von einem kleinen, aber feinen, weißen Sandstrand umgeben. Flache Stufen führen ins Wasser, das zur Mitte hin etwas tiefer wird. Das dritte Becken ist nicht zum Schwimmen und Planschen gedacht: Hier wachsen Schilf und andere Wasserpflanzen, die zur Belebung und Reinigung des Wassers beitragen. „Nächstes Jahr ist das Becken schon komplett zugewachsen“, sagt Michael Kronauge mit Blick auf die ersten Schilfpflanzen, die aus dem Wasser ragen. Für Kleinkinder wurde ein Planschbecken mit Sonnensegel, einigen kleinen Fontänen und einer Holzfläche gebaut: „Das ist ein Matschtisch“, erläutert Kronauge. Darauf können die kleinsten Schwimmbadbesucher nach Herzenslust mit Sand und Wasser spielen. Eine Besonderheit ist der „Nuhnestrand“. Der Zugang zum Wasser ist direkt vom Schwimmbadgelände möglich. Weil das Ufer im Winter von der Nuhne überspült wird, ist der von zwei großen Steintreppen umgebene Strand mit groben Steinen aufgefüllt. Sie sollen nach dem Winter mit Sediment und Pflanzenresten bedeckt sein und einen richtigen Naturstrand ergeben. Dank großer Trittflächen kann man schon jetzt barfuß zur Nuhne gelangen. Die Nuhne liefert das Wasser, in dem ab morgen geschwommen und geplanscht werden kann. Unterirdisch gelangt es über Leitungen in Düsen, die es auf eine 2,5 Meter dicke Ansammlung aus verschiedenen Kies- und Steinschichten sprühen. Dort wird es gefiltert und gereinigt, bevor es in die Becken geleitet wird. Die sind nicht beheizt. Und das bedeutet besonders für das tiefe Schwimmerbecken, dass es einige Grad Unterschied zu beheizten Schwimmbädern geben wird. Das ist für Kronauge aber kein Problem: „Wer gerne beheiztes Wasser will, hat in Rengershausen eine Alternative.“ Laut Schwimmmeister Michael Eikelmann beträgt die Wassertemperatur je nach Wetter 18 bis 23 Grad – kälter ist es in den heimischen Seen oder im Meer auch nicht. Das neue Schwimmbad spricht eine ganz neue Zielgruppe an: Es bietet eine Alternative für Allergiker und Menschen mit extrem empfindlicher Haut. Chlortabletten sind Vergangenheit. Doch nicht nur das alte Schwimmbecken ist passé. Auch das Gebäude am Eingang ist neu. Der alte Bungalow mit Kiosk, Kasse und Sanitäranlagen sollte eigentlich bestehen bleiben. Doch nachdem die Sanierungsarbeiten an dem Häuschen in Angriff genommen wurden, „stellte sich heraus, dass eigentlich nichts weiterhin verwendet werden konnte – abgesehen von den Wänden, und die waren feucht“, berichtet Bürgermeister Kronauge. Unter dem Dach fand sich Asbest, die sanitären Anlagen hatten ihre besten Zeiten längst hinter sich, und die Elektroleitungen mussten ausgetauscht werden. Doch ein Neubau war nicht vorgesehen. Eine Förderzusage über 90 000 Euro durch das Leader-Programm machte den Bau dann doch noch möglich. Die Außenwände sind aus Holz gefertigt, so dass das neue Gebäude gut zum Naturbad passt. Morgen um 14 Uhr wird das Bad offiziell eröffnet. Einige kleinere Arbeiten am Außengelände des Schwimmbads müssen danach noch erledigt werden. Doch das Wichtigste ist fertig: die Becken, in denen sich Kinder und Erwachsene künftig wieder abkühlen können. Das Naturbad liegt hinter dem Ortsausgang direkt an der Bundesstraße. Der Eintritt kostet für Kinder bis 18 Jahre 2,50, für Erwachsene 3 Euro. Für Kinder bis sechs Jahre ist der Eintritt frei. (apa)

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