Frankenau

Naturschutzgroßprojekt geht in die zweite Phase

+

- Auf den grünen Wiesen grasen Rotes Höhenvieh, Rhönschafe, Charolais-Rinder und Rheinisch-Deutsche Kaltblutpferde. Seltene Orchideen blühen, wuchernde Hecken gehören der Vergangenheit an. Zwischen den Wiesen und Feldern erkunden Feriengäste die Natur, schnuppern an wildem Thymian und lassen sich über die Besonderheiten von Flora und Fauna informieren: Eine Natur-Erlebnis-Region – ungefähr so sieht die Vision von Achim Frede aus, wenn er derzeit in den Weidengrund bei Frankenau blickt. Mithilfe des Naturschutzgroßprojektes (NGP) soll diese Vision in den nächsten Jahren Realität werden.

Es wird konkret: Nach dreijähriger Planungsphase fließt ab August 2009 Geld. Rund 400.000 Euro sind es im ersten Jahr, knapp 6,5 Millionen Euro sollen insgesamt in den nächsten sechs Jahren in das NGP investiert werden. Für den 26. August wird Professor Beate Jessel, Präsidentin des Deutschen Bundesamts für Naturschutz, mit dem Bewilligungsbescheid in Frankenau erwartet. „Das ist auf jeden Fall der richtige Ort dafür. In Frankenau hat alles seinen Anfang genommen. Hier wurden die Tore für den Nationalpark und das Naturschutzgroßprojekt aufgestoßen“, sagte Projektleiter Achim Frede am Freitagabend bei einem Informationsrundgang im Weidengrund, zu dem sich Mitglieder des Frankenauer Parlaments, des Magistrats, der Stadtverwaltung und vom Naturpark zusammengefunden hatten. Auch der neue Projektbetreuer Carsten Müller und Rainer Paulus, Geschäftsführer des Naturparks Kellerwald-Edersee, waren dabei. Nach Angaben von Achim Frede werden von der Gesamtsumme mehr als 2 Millionen Euro in die Region um Frankenau fließen. Für dieses Geld sollen unter anderem Zaunsysteme und Flächen gekauft werden. Gerüchte, nach denen 3 bis 4 Euro pro Quadratmeter gezahlt werden, entbehren jedoch jeder Grundlage: Es werden nur ortsübliche Preise gezahlt, informierte Achim Frede auf Nachfrage von Parlamentschef Thomas Scheerer. Aus dem 700 Seiten starken Gesamtkatalog der möglichen Maßnahmen wurden vor allem diejenigen ausgewählt, „die die Region voranbringen und allen, die mitmachen, einen Nutzen bringen“, erläuterte Frede. „Wir können die Kulturlandschaft nur erhalten, wenn die Menschen davon einen wirtschaftlichen Nutzen haben.“

Es gibt bereits konkrete Ideen für die Kombination aus Naturschutz und wirtschaftlicher Nutzung: Bei der Entnahme von Rohren aus Bachläufen oder beim Entbuschen von Flächen könnten sich beispielsweise gestresste Manager erholen – Trends zeigen, dass diese tatsächlich eine Zielgruppe für naturnahen, aktiven Urlaub sind. Dass scheinbar banale Ideen durchaus Erfolg im Tourismus haben können, zeige sich an den Beispielen Heuhotel und Maislabyrinth, erläuterte Frede.

In den nächsten Monaten wird aus den Plänen, die bisher nur auf dem Papier bestehen, Ernst. „Es kommt jetzt auf uns an“, betonte Achim Frede, „und was wir daraus machen“.

Mehr lesen Sie in der Montagsausgabe der Frankenberger Zeitung.

Kommentare