Haina / Jesberg

Naturschutzgroßprojekt zeigt sichtbare Ergebnisse im Hohen Keller

- Haina / Jesberg. Seit der Bewilligung der Fördermittel für das Millionenprojekt im Kellerwald ist ein Jahr vergangen. Im „Hohen Keller“ an der Grenze des Landkreises standen die Forstwirte vor teils sehr gefährlichen Aufgaben.

Auf dem Grat des Hohen Kellers, der vom Wüstegarten-Turm gekrönt wird, verläuft die Grenze zwischen Waldeck-Frankenberg und Schwalm-Eder. Diese Grenzen interessieren den Wald aber nicht – die schützenswerten Bestände, die zum Naturschutzgroßprojekt (NGP) zählen, breiten sich auf beiden Seiten des Hohen Kellers aus. Auf der Jesberger Seite haben im vergangenen Winter die Arbeiten begonnen. Bei einem Ortstermin informierten sich Naturpark-Leiter Rainer Paulus, der wissenschaftliche Leiter des Nationalparks Achim Frede, NGP-Projektleiter Carsten Müller sowie der Jesberger Bürgermeister Günter Schlemmer und der Erste Kreisbeigeordnete Winfried Becker über den Verlauf der Arbeiten. Die Revierleiterin Katrin Bartsch und der Jesberger Forstamtsleiter Karl-Gerhard Nassauer berichteten am so genannten Totengraben von einigen heiklen Arbeitseinsätzen. Der Bachlauf ist tief zwischen Hängen und Gestein eingebettet, ähnlich einem Canyon. An den steilen Hängen mussten Fichten gefällt werden – „da war ich jedes Mal froh, wenn meine Mitarbeiter wieder gesund vor mir standen“, erinnert sich Katrin Bartsch an die Arbeiten. Die Fallrichtung der Bäume war durch die steile Lage kaum vorherzusehen. Mal schlugen die Stämme nach oben, mal rutschen sie bergab. Die Forstwirte musste extrem behände und schnell sein – und das auf Steigeisen. Nun kann sich der Bach zu einem neuen Ökosystem entwickeln. Die Fichtennadeln übersäuerten bisher den Boden, außerdem sorgten die Zweige für Schatten. Vom Sonnenlicht, das wieder auf den Bach fällt, profitieren Flora und Fauna, erläuterte Projektleiter Carsten Müller. Geblieben sind einige Stämme im Bachbett – sie sollen als Totholz Lebensraum für verschiedene Tierarten bieten. Über die Arbeiten, die Ziele und Ergebnisse informieren bereits Schautafeln, die an verschiedenen Stellen im Kerngebiet Hoher Keller angebracht sind. Diese Tafeln sind zugleich der Beginn eines Lenkungskonzeptes zum nahen Wüstegarten-Turm. Auch dort sind die Forstwirte im Auftrag des Naturschutzgroßprojektes bereits aktiv gewesen. Auf dem Grat wurden einst mühsam Fichten gepflanzt – sie sollen nach und nach herausgenommen werden, damit dort wieder Ebereschen, Birken und der ein oder andere Ahorn wachsen können. Die Fällung der Fichten ist nicht nur wegen der steilen Hänge, sondern vor allem wegen der Blockhalden und Felsbrocken eine Herausforderung. Mit diesen Arbeiten werden die Forstwirte im Hohen Keller noch einige Zeit beschäftigt sein – bis der Wald wieder so aussieht, wie er eigentlich von der Natur geschaffen war.

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