Naturschutzverbände lehnen Neubaugebiet in den Bachwiesen ab

Die Bachwiesen in Röddenau: Ein geplantes Neubaugebiet steht dort massiv in der Kritik. Die Naturschutzverbände im Kreis lehnen das Baugebiet aus naturschutzfachlicher Sicht ab. Archivfoto: privat

Die Naturschutzverbände im Kreis sprechen eine gemeinsame Sprache: Sie sind gegen die Ausweisung des Areals Bachwiesen in Röddenau zu einem Neubaugebiet.

Bei den Naturschutzverbänden im Kreis läuteten in diesen Tagen häufiger als sonst die Telefone. Grund: Mehrere Bürger wollten wissen, wie die Verbände zu den Planungen stehen, dass im Frankenberger Stadtteil Röddenau ein Neubaugebiet in den Bachwiesen entstehen soll.

Zur Erinnerung: Gegen das von der Stadt geplante Neubaugebiet gibt es Widerstand. Eine Bürgerinitiative und auch einige Röddenauer Bürger wollen, dass das Neubaugebiet zumindest verkleinert wird (HNA berichtete). Einige hoffen auch auf ein Scheitern des Projektes.

Die Gegner weisen auf die Nässe der Bachwiesen wegen mangelnder Versickerung hin und befürchten Zerstörungen der Natur sowie eine Überflutung des Gebiets durch den Goldbach.

Jetzt melden sich auch die Naturschutzverbände zu Wort. Sie lehnen das geplante Baugebiet aus naturschutzfachlicher Sicht ab. „Bei dem Gebiet handelt es sich um ein wechselfeuchtes extensiv bewirtschaftetes Grünland, das in mehrerer Hinsicht schützenswert ist“, schreiben der NABU Waldeck-Frankenberg, der BUND Waldeck-Frankenberg und die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

Der dort vorkommende Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling gehöre zu den gefährdeten Schmetterlingsarten der Europäischen FFH-Richtlinie. Die Zerstörung der Lebensräume widerspreche EU-Recht. Eingriffe wären nur genehmigungsfähig, wenn zuvor eine Neuansiedelung dieser Art belegt werden könne.

„Ein geeignetes Gelände für eine solche Neuansiedelung müsste aber die gleiche Größe haben wie das jetzige Vorkommensgebiet und es müsste in unmittelbarer Nähe des derzeitigen Lebensraumes liegen“, schreiben die Verbände. Selbst wenn es gelingen sollte, an anderer Stelle eine Fläche zu finden und den Ameisenbläuling in gleichem Umfang anzusiedeln, würde dies fünf bis zehn Jahre dauern, bis eine dauerhafte Funktion nachgewiesen werden könne. Erst dann dürfte mit Arbeiten im Baugebiet begonnen werden.

Ähnlich verhalte es sich mit der Wasserproblematik. „Die Tatsache, dass es im Areal Bachwiesen regelmäßig zu Überschwemmungen kommt, mal durch Starkregen der nicht versickern kann, mal durch hohen Wasserstand in Goldbach oder Eder, macht die Bachwiesen zum Überschwemmungsgebiet, heißt es in der Pressemitteilung. Hausbauer könnten sich zwar mit Wannen als Keller oder durch Aufschüttungen und den Verzicht auf Keller helfen, damit wäre aber das Problem des Wasserrückhalts nicht gelöst.

Von Philipp Daum

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Quelle: HNA

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