Gemünden

Navi gefolgt: Tanklaster bleibt auf Feldweg stecken

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- Gemünden (mba). Weil er den zweifelhaften Anweisungen seines Navigationsgerätes folgte, landete ein Lastwagenfahrer in der Gemündener Feldgemarkung und bleibt stecken. Landwirt Harald Hiepe hilft mit zwei Schleppern, das Fahrzeug sieben Stunden später zu befreien.

So etwas hat Landwirt Harald Hiepe nicht zum ersten Mal gesehen: Ein schwerer Lastwagen steckt mit vier seiner acht Räder im Erdboden neben einem Feldweg fest. Er habe im Wald schon öfter Laster aus dem Dreck gezogen, sagt Hiepe. Diesmal ist es einer mit Siegener Kennzeichen. Der Laster hat eine bedrohlich wirkende Schieflage. Der Fahrer hatte noch versucht, sich aus dem Malheur zu befreien, in das ihn sein Navigationsgerät da manövriert hatte: Eigentlich sollte er Holzpellets in den Buchenweg liefern, stattdessen lotste ihn die Computerstimme auf den Feldweg „in der Schlinke“. Dass der weder geteert noch geschottert ist, hielt den Fahrer nicht davon ab, weiter Richtung Waldrand zu fahren. Als ihm klar wurde, dass er auf dem „Holzweg“ war, war es bereits zu spät. Wenden war an der Stelle nicht mehr möglich. Und beim Zurücksetzen auf dem schmalen Feldweg passierte es: Der Lastwagen kam vom Weg ab, rutschte halb aufs Feld. Damit ging es weder vorwärts noch zurück. Die Räder gruben sich ein und drehten durch. Aus eigenen Antrieb bewegte sich das schwerer Fahrzeug keinen Meter mehr. Das war gegen sieben Uhr morgens. Jetzt ist es mittlerweile 14 Uhr. Ein erster Bergungsversuch am Vormittag war gescheitert. Der unglücklich Lastwagenfahrer hatte Landwirt Wilfried Sack zur Hilfe gerufen. Doch dessen Traktor schaffte es nicht, den mit 22 Tonnen Holzpellets beladenen Tanker zu befreien. Die Ladung müsse raus, vorher habe ein weiterer Versuch keinen Zweck, erklärte der mittlerweile ebenfalls herbeigerufenen Harald Hiepe. Also wurde ein zweiter Lastwagen angefordert, der die Ladung an Ort und Stelle übernahm – aber ohne ebenfalls stecken zu bleiben. Das Umladen dauerte gute zwei Stunden, dann machte sich Hiepe ans Werk. Dass er einige Routine bei solchen Einsätzen hat, ist seinem Handeln anzumerken: Zielstrebig bringt er mit dem Fahrer einige Stahlseile an dem Lastwagen an und verbindet sie mit den Seilwinden seiner beiden Schlepper, die für die Bergung bereitstehen. Während ein Traktor seitlich des Lasters steht und ihm über das gespannte Seil Halt gibt, fährt Hiepe den zweiten Schlepper ein Stück davor. Als auch das zweite Stahlseil straff gespannt ist, gibt er dem Lastwagenfahrer Zeichen, einen Versuch zu unternehmen. Der gibt vorsichtig Gas – und mit einem Ruck und unterstützt von der Seilwinde des Schleppers gelingt es dem Fahrer, seinen Laster auf dem Feldweg zurückzubringen. Doch nach wie vor ist es unmöglich, das sperrige Fahrzeug zu wenden. Er muss also rückwärts wegfahren – und kommt prompt wieder von Weg ab, diesmal auf der anderen Seite. Doch diesmal kann ihn Hiepe recht schnell befreien: Seilwinden dran und mit dem Traktor auf den Weg zurück ziehen. Hiepe dirigiert den Fahrer mit Handzeichen, damit er auf dem Weg bleibt. Ein Stück weiter unten auf einer Wiese kann der Fahrer den Lastwagen schließlich wenden und wieder zurück auf die Straße fahren. Es ist kurz nach halb drei – Ende einer Irrfahrt.

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