In „Zigeunerfamilienlager“ eingesperrt

Von Nazis ermordet: Das Schicksal der Battenberger Roma-Familie Klein

Früher Neu-Jägersdorf: Blick auf die Kröge, einen Battenberger Ortsteil zwischen Battenfeld und Dodenau. Foto: Archiv

Battenberg. Der frühere Geschichtslehrer Arndt Böttcher hat Nachforschungen zu einer Roma-Familie angestellt, die seit 1868 auf der Kröge bei Battenberg lebte.

In der Zeit des Dritten Reiches wohnte nur eine Roma-Familie, die Familie Klein (seit 1868 für Lagrein) in Battenberg, und zwar auf der Kröge. Die Vorfahren der Kleins hatten sich im 18. Jahrhundert dort angesiedelt, vermutlich aus dem Berleburger Raum stammend. Das Wortpaar Roma/Sinti löste seit etwa 1980 bei uns die Fremdbezeichnung „Zigeuner“ ab.

Aus der Battenberger Chronik von 1984 erfährt man einiges zur Geschichte der Siedlung Kröge, die 1721/22 vom damaligen hessisch-darmstädtischen Landgrafen als Jagdhof angelegt worden war. Eine Zigeuner-Familie hatte auf der Kröge erbliches Wohnrecht. wenn man einer Sage folgen will. Der frühere Battenberger Pfarrer Bechthold erinnert sich, im Jahre 1938 auf der Kröge einen Zigeunerwagen (ausrangierten Eisenbahnwaggon) vorgefunden zu haben, den die dort ansässige Familie Klein in den Wintermonaten bewohnt habe. Er spricht von der „Zigeuner-Anna“, die damals verwitwet mit ihren elf Jungen dort lebte.

Auschwitz-Erlass 

Die Familie Klein blieb in der Nazizeit zunächst weitgehend unbehelligt, wobei man wissen muss, dass die deutschen Sinti/Roma vom NS-Regime schrittweise entrechtet worden sind. „Reichsführer SS“ Heinrich Himmler ordnete Ende 1938 die totale Erfassung der deutschen „Zigeuner“ an. Aufgrund seines so genannten Auschwitz-Erlasses vom 16. Dezember 1942 wurden schließlich alle Sinti/Roma aus dem Deutschen Reich und den besetzten europäischen Ländern nach Auschwitz deportiert und in das „Zigeunerfamilienlager“ eingesperrt. Innerhalb weniger Monate starben dort mehr als 10.000 Insassen an Hunger, Seuchen, Misshandlung oder medizinischen Experimenten. Von den ungefähr 30.000 Roma/Sinti, die ins KZ Auschwitz verschleppt worden sind, überlebten nur 4000 bis 5000.

Auch die Kleins ereilte dieses Schicksal: Anna Klein wurde am 2. April 1943 in der Kröge verhaftet und ins KZ Auschwitz deportiert. Zuletzt soll sie sich im KZ Buchenwald befunden haben, dann verliert sich ihre Spur. Opfer des rassistischen NS-Terrors sind wohl ebenfalls die meisten Söhne von Anna Klein geworden. Nur von einem (Heinrich) wissen wir, dass er in Auschwitz umgekommen ist.

Vier Söhne kamen zurück

Die Battenbergerin Christel Kahler weiß, dass mindestens vier Söhne der „Zigeuner-Anna“ nach 1945 zurückgekommen seien, wobei nur einer (Julius) in Battenberg geblieben ist. Ein anderer (Kaspar Klein) sei von US-Truppen aus dem KZ Dachau befreit worden.

Der Verfasser dieses Artikels „fahndet“ unter anderem in Bad Arolsen beim Internationalen Suchdienst nach den restlichen Mitgliedern der Roma-Familie Klein.

Von Arndt Böttcher

Quelle: HNA

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