Rechtsradikale nutzen zu Pfingsten Fallrohre und Straßenlaternen als Werbefläche

Nazis werben in Frankenberg

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Abreißen statt kleben lassen: Sticker mit extremistischen Parolen – oben mit einem fälschlicherweise dem Dalai Lama zugeschriebenen Zitat zur Zuwanderung – sollten der Polizei gemeldet und entfernt werden. Die ehemals kommunistische Parole „Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!“ (l.) gehört noch zu den harmloseren.

Frankenberg - Ein Wochenende, Hunderttausende Besucher - und Dutzende Sticker mit fragwürdigem Inhalt: Unbekannte haben Frankenberg mit Nazi-Parolen beklebt.

Frankenberg. Scharenweise feierfreudige Gäste hatte Frankenberg am vergangenen Wochenende. Die meisten tummelten sich in unmittelbarer Nähe der Wehrweide, und miteinander feierten alle ein im Großen und Ganzen friedliches Fest. Viele aber schoben sich auch durch die Fußgängerzone und die Altstadt, bewunderten die historische Kulisse - und viele sind dabei wohl auch über eine große Zahl fragwürdiger Sticker erschrocken. Die meisten waren frisch geklebt.

„Das sind eindeutig zwei Cluster“, sagt der Kasseler Rechtsextremismus-Experte Helge von Horn, dem die Frankenberger Zeitung Bilder der Sticker hat zukommen lassen. Die eine Gruppe von Stickern wirkt optisch wie Todesanzeigen. Sie richten sich gegen die SPD, gegen die große Koalition und die USA. „Das wirkt selbst gemacht“, sagt von Horn. Er tippe auf eine gesetztere, unzufriedene, eventuell national-konservative, nicht aber zwingend rechtsextreme Klientel. Deutlich interessanter für den Forscher ist die zweite Gruppe von Aufklebern. Darauf wird etwa gefordert: „Gebt Nazis eine Chance.“ Die Sticker rufen zur Revolution auf, zum Verbreiten rechtsextremer Musik und sie jubeln dem Dalai Lama ein Zitat zu Masseneinwanderung unter, das der religiöse Führer der Buddhisten wohl nie gesagt hat.

Diese Sticker verweisen auf Internet-Angebote, die dem Oberpfälzer Neonazi Patrick Schröder nahestehen. Der betreibt unter anderem ein Webradio mit rechter Musik, hat eine „Sendung“ auf dem Videoportal YouTube und betreibt einen Online-Shop für Nazi-Bekleidung. „88 druckfrische Seiten“, heißt es dort volltönend über den Bekleidungskatalog mit Bezug auf die Erkennungszahl 88, den „getarnten Hitlergruß“.

Zudem wird mit einigen Aufklebern auf das „Freie Netz Hessen“ verwiesen: eine Ansammlung internetaffiner Faschisten, unter denen sich auch die „Freien Kräfte Frankenberg“ befinden.

Die Stadt Frankenberg reagierte - durch die Heimatzeitung aufmerksam gemacht - rasch: Laut Pressesprecher Wolfgang Danzeglocke wurden Ordnungsamt und Betriebshof sofort aktiv, um die Sticker zu dokumentieren und zu entfernen. „Eine konkrete inhaltliche Bewertung wollen wir der Polizei nicht vorwegnehmen“, sagt Danzeglocke.

Die Kriminalpolizei in Korbach hat sich des Themas angenommen: „Die Aufkleber werden derzeit von der Staatsanwaltschaft geprüft“, sagt Polizeisprecherin Michaela Urban. Sie appelliert an die Bürger: Wer noch Sticker entdeckt, solle sie erst der Polizei melden, bevor sie entfernt werden. „Es handelt sich möglicherweise um Beweismaterial“, erklärt sie. Von Horn hingegen bittet - im Sinne Frankenbergs - um Eile: „Das Zeug muss weg“, sagt der Rechtsextremismus-Experte.

Hinweise auf weitere Aufkleber nimmt die Polizei in Frankenberg unter Telefon 06451/7203-0 oder das städtische Ordnungsamt unter Telefon 06451/505-140 entgegen. (gl)

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