Frankenberg

Neue Ausstellung in alter Thonet-Villa

- Frankenberg (jos). Die Fertigstellung der Wohnmöbel-Ausstellung bildet den Abschluss mehrerer Umbauten und Sanierungen bei dem Frankenberger Traditionsunternehmen Thonet.

Bevor mit der Sanierung der alten Thonet-Villa begonnen werden konnte, stand innerhalb der Firma ein Umzug an: Die Buchhaltung hatte bis dato ihre Büros in dem Fachwerkhaus, die Mitarbeiter sind im Zuge der Umbauten nun auch räumlich an die Verwaltung angegliedert worden. Dort sind wie vor einigen Wochen berichtet außerdem neue Konferenzräume entstanden, die Firmen auch für kleine Kongresse mieten können. Darüber hinaus hat die Firma Thonet in ihrem Verwaltungstrakt eine Präsentationsfläche für Designer geschaffen. Die größte Investition war allerdings die Sanierung der alten Thonet-Villa und der Umbau zu einer Ausstellung. Knapp 200 000 Euro hat sich die Firma nach Angaben des Geschäftsführers Roland Ohnacker den neuen „Showroom“ kosten lassen. Neben Architekt Ulf Möller war an der Einrichtung auch Star-Designer James Irvine beteiligt, der für Thonet zuletzt einen neuen Barhocker entworfen hatte. Bei der symbolischen Schlüsselübergabe betonte Architekt Möller: „Jetzt hat die Firma Thonet 365 Tage im Jahr einen wunderbaren Messestand.“ Bislang waren am Hauptsitz des Unternehmens Objekt- und Wohnmöbel in einem Raum ausgestellt. „Die Entzerrung der beiden Bereiche war wichtig“, erklärte Möller. Das Besondere an der neuen Ausstellung sei: „Man erkennt nicht, dass man in einem alten Fachwerkhaus ist.“ Die Räume würden als „stumme Diener der Möbel“ in den Hintergrund treten. Neben Klassikern wie den Stahlrohrmöbeln im Bauhaus-Stil und den weltbekannten Bugholzstühlen finden sich in der Ausstellung auch die neuen Thonet-Produkte wieder. So hat das Unternehmen beispielsweise die Bauhaus-Reihe erweitert um ein Medien-Möbel, außerdem neu ist ein Esstisch des japanischen Star-Designers Naoto Fukasawa. In einem Wintergarten sind die „Outdoor-Möbel“ von Thonet zu sehen, außerdem beinhaltet die Ausstellung ein Arbeitszimmer mit einem neu aufgelegten Regal aus Stahlrohr und dem Bauhaus-Schreibtisch. Die hellen und luftigen Räume mit der großen Deckenhöhe in Kombination mit den reduzierten Formen der Thonet-Möbel geben der Ausstellung ein besonderes Ambiente. „Thonet kann Gäste in die Stadt bringen“, lobte Bürgermeister Christian Engelhardt, der als erster Frankenberger die Ausstellung besuchen durfte. Ab sofort sind die Räume täglich, auch am Wochenende, geöffnet. „Die Marke Thonet strahlt in die ganze Welt hinaus“, betonte Engelhardt. Wenn durch die neue Ausstellung und durch das Thonet-Museum Besucher nach Frankenberg kommen, dann profitiere die ganze Stadt davon. Der Bürgermeister zollte dem Unternehmen großen Respekt und lobte den Mut, zu investieren. Geschäftsführer Ohnacker deutete an, dass Ideen für den weiteren Ausbau des Fachwerkhauses bereits vorhanden seien. Die Anfang des 20. Jahrhunderts erbaute Villa habe ja noch weitere Stockwerke – die neue Ausstellung ist bislang nur im Erdgeschoss. Zunächst einmal seien die Umbauten allerdings abgeschlossen, sagte Ohnacker. Die Wohnmöbel-Ausstellung biete sich auch für Galerien an, hieß es bei der Eröffnung. „Möglicherweise können wir damit Künstlern eine Chance bieten“, erklärte Ohnacker. Eventuelle Ausstellungen müssten allerdings ins Ambiente passen. – Mit Wohnmöbeln generiert Thonet rund 25 Prozent seines Umsatzes, etwa 75 Prozent machen die sogenannten Objektmöbel wie Stühle für Säle oder Konferenztische aus. In der Krise gewinnen jedoch die Wohnmöbel offenbar an Bedeutung. Denn die private Nachfrage sei weitgehend stabil, erklärte Ohnacker. Banken und Versicherungen beispielsweise würden allerdings in diesen Zeiten kaum in neue Konferenz-Möbel investieren. Sozusagen „reihum“ machen die rund 180 Mitarbeiter bei Thonet derzeit Kurzarbeit. Lediglich die Entwicklung sei nicht betroffen – denn das Unternehmen plant einige neue Produkte. „Ich hoffe, dass die Kurzarbeit nach den Werksferien vorbei ist“, sagte Ohnacker.

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