Frankenberger Abiturientin berichtet aus einem der ärmsten Länder der Welt

Neue Kleidung zum Fest

Während eines Ausflugs: Sarah van Bentum auf der Isla Ometepe. Im Hintergrund ist der Vulkan Concepcion zu sehen.

Frankenberg. Ein Weihnachten ohne Schnee, ohne Kartoffelsalat und ohne Tannenbaum. Dafür aber 30 Grad im Schatten, gegrilltes Hühnchen mit frittierten Bananen und Feuerwerk ab Mitternacht: In Nicaragua beginnt die Weihnachtszeit erst spürbar und sichtbar Anfang Dezember, um genau zu sein am 7. Dezember. Das ist der Tag vor Mariä Empfängnis. Er wird hier in Nicaragua Purisima genannt.

An diesem Tag bauen viele Familien einen weihnachtlich geschmückten Altar mit einer Jungfrau Maria in ihren Haupteingängen auf. Ab 18 Uhr beginnt die Purisima. Das heißt: Fast die ganze Stadt zieht in Gruppen durch die Straßen von Altar zu Altar und singt bzw. schreit vor der Maria. Deswegen heißt es auch „La Griteria“ (Das Schreien). Dafür, dass vor der Maria gesungen wird, bekommt jeder Süßigkeiten, Kekse, Zuckerrohr, Orangen und andere leckere Dinge.

Es war bisher der einzige Abend, an dem so viele Menschen noch unterwegs waren in den Straßen, dass man sich auch um 21.30 Uhr allein noch sicher fühlen konnte. Begleitet werden die „Griteria“ und die restliche Weihnachtszeit von Feuerwerken.

Die Purisima ist neben der „Semana Santa“ (Osterwoche) das wichtigste religiöse Fest in Nicaragua – wichtiger auch als Weihnachten.

Die Altare für die Jungfrau Maria werden nur für diesen einen Abend aufgebaut. Danach trifft man plötzlich überall auf bunt geschmückte, mit blinkenden Lichterketten verzierte oder sogar singende Weihnachtsbäume – natürlich aus Plastik. Ab und an sieht man sogar einen weiß glitzernden Weihnachtsbaum.

In meiner Familie gab es keinen Weihnachtsbaum, was sicherlich mit der finanziellen Situation zu tun hat, zum anderen auch auch mit ihrem Glauben. Meine Familie ist vom Katholizismus zu den Evangelios übergetreten – so wie immer mehr Menschen hier. Evangelicos feiern kaum Weihnachten.

Nachdem wir am Heiligabend zusammen gekocht hatten, gab es in meiner Familie lediglich ein Abendessen, das wie jede andere Mahlzeit eingenommen wurde. Es bestand aus gegrilltem Hühnchen, Reis, frittierten Bananen und Tomatensalat.

Geschenke gibt es in den meisten Familien nicht. Dafür gibt es einen anderen Brauch, der die Geschenke so zu sagen ersetzt: An Weihnachten werden vor allem Kinder und Jugendliche von Kopf bis Fuß neu eingekleidet. Wenn man sich abends auf den Weg zum Stadtpark macht, sieht man überall Menschen mit neuen, schönen und sauberen Kleidungsstücken.

Von Sarah van Bentum

Quelle: HNA

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