Gemünden

Der neue Mann für die Kulturarbeit

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- Gemünden (gl). Stadtchronik, Weihnachtsmarkt, Regionalportale im Internet, eine Broschüre über den Kunst- und Erlebnispfad, die 750-Jahr-Feier in Schiffelbach – Boris Dippel hat einiges zu tun. Ganz nebenbei muss er sich auch noch in die Politik, die Befindlichkeiten und die vielfältigen Arbeitskreise in Gemünden einarbeiten.

Boris Dippel hat sicherlich das größte Büro im Gemündener Rathaus, größer noch, als Bürgermeister Frank Gleim: Dippels Schreibtisch steht im Rathaussitzungssaal. Noch, denn lange soll diese provisorische Arbeitsplatz nicht mehr genutzt werden, der Umzug in ein richtiges Büro steht demnächst an. Von wo auch immer Dippel arbeitet, er hat viel zu tun. Der 39-Jährige ist seit Mai in der Stadtverwaltung für die Kulturarbeit zuständig. Dazu gehört auch die Mitarbeit in Arbeitskreisen wie dem für Stadtentwicklung oder den Weihnachtsmarkt. Außerdem kümmert sich Dippel um das Stadtmarketing. Seine erste größere Aufgabe war es, sich um die Pflege des Auftritts der Stadt im Internet zu kümmern. Damit ist nicht die Webseite Gemündens gemeint, sondern das Erscheinungsbild der Wohrastadt auf Regionalportalen, etwa der Seite der „Grimmheimat Nordhessen“ oder den Seiten, die Burgwald und Kellerwald als Tourismusregion verwalten.

„Gemünden über die Grenzen des Burgwalds hinaus bekannt machen, um es auch für den Tourismus interessant zu machen“, das ist eines der erklärten Ziele des gebürtigen Kasselers, der in Frankenberg aufgewachsen ist. Dippel sieht durchaus Potential für seine neue Wirkungsstätte. Die Altstadt rund um die Kirche und das Rathaus etwa sieht er als großes Pfund für Gemünden. Ähnlich denkt er über den Kultur- und Erlebnispfad. Für den erarbeitet Dippel gerade eine Broschüre. „Den Anstoß dazu hat eigentlich der lästige Vandalismus gegeben“, sagt Dippel. Weil immer wieder Schilder mit Beschreibungen entfernt oder beschmiert wurden, wollte Dippel deren Inhalt handlich zusammentragen, um sie interessierten Bürgern und Touristen mitgeben zu können. Daraus aber soll nun mehr werden, denn die Beschreibungen auf den Schildern seien aus Platzgründen „doch sehr beschränkt“, in seine Broschüre passe deutlich mehr. Zudem habe er für den Pfad als solchen noch einige kleinere Vorschläge zur Verbesserung – aus der neutralen Perspektive eines Außenstehenden.

Ein weiteres Projekt, mit dem Boris Dippel beteiligt ist, ist die Aufarbeitung der Stadtchronik. Bislang können die Gemündener die Geschichte ihrer Stadt vor allem in Else Wissebachs Chronik aus dem Jahr 1953 ergründen. Norbert Otto aber hat von Klaus Mattheis ein Stadtbuch bekommen, das in den 1980er Jahren eigentlich mit anderem Altpapier im Müll landen sollte. Es umfasst den Zeitraum von 1690 bis zwischen den Weltkriegen, reicht teilweise bis 1933. Das Buch befindet sich derzeit bei einem Restaurator in Schlitz. Der wird das Buch wohl komplett auseinander nehmen, vom Schimmel befreien und die Seiten so behandeln, dass sie lange haltbar sind. Danach werden die Seiten wieder zusammengesetzt und das Buch erhält einen Platz im Stadtmuseum – möglich wird all dies durch die Spende eines großen Energieversorgers. Dippel sagt, sobald das Buch wieder in Gemünden ist, soll mit Hilfe des Werkes Wissebachs Chronik erweitert werden, wo sich Lücken ergeben.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Donnerstag, 14. September

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