Tankstelle am Bahnhof öffnet im Oktober

Neuer Pächter mit bewährtem Produkt

+

Frankenberg - Mehr als ein Jahr stand die Tankstelle am Bahnhof leer. Doch Besitzer Holger Behlen hat einen neuen Pächter gefunden - seit gestern prangt das rote Avia-Logo über dem Areal, im Oktober öffnet das umgebaute Geschäft.

Es tut sich etwas auf dem Gelände der ehemaligen Esso-Tankstelle in der Röddenauer Straße. Seit Wochen sind Handwerker im Gebäude, an den bisherigen Pächter erinnert nach mehr als einem Jahr Leerstand nichts mehr. „Wir wollten so weit wie möglich Rechtssicherheit schaffen“, begründet Eigentümer Holger Behlen die lange Zeit, in der die Geschäftsräume der Tankstelle nicht genutzt wurden.

Es ging laut Behlen um das Erdreich unter dem Gebäude. Das sei verunreinigt: „Das ist nichts Gravierendes und da muss auch nichts gemacht werden“, erklärt der Unternehmer - wohl aber stehe eine Reinigung des Erdreiches an, wenn irgendwann einmal eine Umnutzung des Grundstücks in Betracht komme. Dann solle klar sein, dass die Verunreinigung nicht von dem neuen Pächter stammt - denn auch weiterhin sollen die Frankenberger direkt am Bahnhof tanken können.

Neuer Pächter des Geländes ist die Firma Albert Kuehmichel aus Merenberg-Allendorf im Landkreis Limburg-Weilburg. „Mir war wichtig, ein mittelständisches Unternehmen als Partner zu gewinnen und keinen Konzern“, begründet Behlen den Entschluss, auf eine Mineralöl-Firma aus Hessen zu setzen und fügt an: „Da sind auch die Entscheidungswege kürzer“. Mit Esso - Firmensitz: Budapest - habe die Kommunikation sehr lange gedauert, mit dem Mittelständler Kuehmichel jedoch sei er sich schnell einig gewesen.

„Wenn sich einer zurückzieht, dann ist es richtig, in diese Lücke zu stoßen“, begründet Neu-Pächter Manfred Kuehmichel den Entschluss, nach Frankenberg zu expandieren. Er ist von dem Standort überzeugt: „Wir haben unsere eigenen Verkehrsmessungen gemacht und festgestellt: da ist nachhaltiger Verkehr“, sagt er. „Wenn das Einkaufszentrum kommt, dann gibt das einen richtig schönen Marktplatz“, ergänzt er mit Blick auf das Frankenberger Tor. Etwa eine halbe Million Euro investiert Kuehmichel nach eigenen Angaben in die Sanierung des Areals - und sieht „eine Aufwertung für Frankenberg“.

Mehr Benzin, mehr Service

Laut Behlen soll an der neuen Tankstelle, anders als früher, nicht mehr nur eine Treibstoffart pro Tanksäule verkauft werden: „Es werden sogenannte Multi-Point-Säulen installiert“, sagt der Geschäftsführer zweier Autohäuser in Frankenberg und Korbach. Diese Säulen sind heute an den meisten Tankstellen Standard - jeder Kunden kann an jeder Säule fast jeden Treibstoff tanken. „Deshalb mussten aber auch einige neue Leitungen verlegt werden“, sagt Behlen.

Das jedoch ist nicht das Einzige, was die Bauarbeiter im Sommer auf der ehemaligen Esso-Tankstelle erledigt haben. „Eigentlich ist das eine Grundsanierung“, erläutert Kuehmichel. Geplant ist, nicht nur Benzin, Diesel und LPG-Erdgas anzubieten, sondern auch eine Möglichkeit zum Ausruhen, zum Genießen eines Snacks zwischendurch. Daher wird noch immer fleißig gebaut. Die Eingangstür ist verlegt worden, damit auf Höhe der ehemaligen Tür ein Bistro entstehen kann. „Die Kunden wollen heute tanken und rasten“, sagt Kuehmichel. „Der Kunde erwartet Brötchen und Baguettes, hochwertigen Kaffee, Snacks und kühle Getränke“. Auch Waschkarten für die Behlen-Waschstraße soll es zu erstehen geben. Kuemichel nennt die neue Tankstelle einen „Benzin-Bahnhof“, der pfiffig und kreativ wirken soll: „Modernität zählt für uns“.

Altbewährt soll es hingegen hinter der Verkaufstheke zugehen. Zwar liegt die Personal-Auswahl in den Händen eines Unterpächters, doch Kuehmichel sagt, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit das gleiche Personal für den Kunden bereit steht, wie auch schon an der Esso-Tankstelle. Die Öffnungszeiten jedoch sollen ausgeweitet werden: „Wir planen, von 5 Uhr bis 22 oder 23 Uhr zu öffnen“, kündigt Manfred Kuemichel an - ganz, wie es auch einige Supermärkte handhaben.

Für den Südwesthessen könnte die Investition in den Standort Frankenberg nicht die letzte im Landkreis gewesen sein. Die Esso will sich aus Deutschland zurückziehen: „Wir prüfen weitere Esso-Projekte, auch im Kreis“, verrät der Unternehmer - „Das ist wie im Sport. Man muss immer trainieren.“

Kommentare