Gourmet-Restaurant Philipp Soldan

Neues Konzept, neuer Koch

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Leicht, europäisch, modern: Erik Arnecke, neuer Küchenchef des Philipp Soldan, setzt auf regionale und saisonale Produkte für das Spitzenrestaurant der Sonne.

Frankenberg - Viel Neues bringt das Jahr 2015 im Hotel Sonne: Seit einigen Wochen wurde das Gourmet-Restaurant Philipp Soldan umgebaut. Und auch einen neuen Küchenchef hat das Haus. Erik Arnecke soll den Stern des Hauses halten.

Ein Sternekoch zieht seiner Wege: Küchenchef Florian Hartmann aus dem Gourmet-Restaurant Philipp Soldan hat das Restaurant zum Jahreswechsel verlassen und trampt derzeit durch Asien. Andere Wege geht daher auch das Restaurant: Geschäftsführer Gerhard Pohl und Direktorin Susann Lorenz haben an einem neuen Konzept gefeilt - und dafür Erik Arnecke gewonnen. Der neue Küchenchef, 31 Jahre alt, hat sich in seinem alten Haus, dem Hotel und Restaurant Residence in Essen, bereits zwei Michelin-Sterne erkocht. Und dieses Niveau möchte er auch in Frankenberg halten - geht das Vorhaben aber entspannt an: Erzwingen möchte er eine Auszeichnung nicht. „Man kann nicht mehr geben als jeden Tag 100 Prozent und so den Kunden zufriedenstellen“, sagt der Koch.

Um dieses Ziel zu erreichen, hat das Hotel einiges in sein Vorzeige-Restaurant investiert - wie viel genau, dazu gibt es keinen Kommentar. Doch dass nicht nur der Koch neu ist, fällt sofort ins Auge. War das Gourmet-Restaurant im Bauch des Hotels bislang eher versteckt, holt die Geschäftsführung es jetzt mutig hervor: Das Alt-Frankenberg, der ehemalige Stadtweinkeller, ist gewichen. „Nach dem Kauf der Walkemühle war die Positionierung einfach zu ähnlich“, sagt Gerhard Pohl, Geschäftsführer der Hotel-Betriebsgesellschaft. Seit dem 5. Januar war das rustikale Restaurant geschlossen, ebenso das Philipp Soldan. Für zehn Tage im Januar hatte das ganze Haus Urlaub. „Wir haben die lärmintensivsten Arbeiten dort konzentriert“, sagt Direktorin Susann Lorenz. Wände wurden aufgebrochen, um trotz Lage im Untergeschoss für eine helle Räume im Philipp Soldan zu sorgen.

Entspannte Musik klingt jetzt unaufdringlich aus den Lautsprechern, Flammen züngeln aus Schmucksteinen. Und der Blick fällt in die Küche: Besucher können Arnecke und seinem fünfköpfigen Team - darunter ein Auszubildender - bei der Arbeit zuschauen. „Wir wollen der gehobenen Küche das Elitäre nehmen“, sagt der Koch. Und Lorenz ergänzt: „Wir möchten Kontaktängste abbauen“. Viele Menschen hätten zu großen Respekt vor einem Sternerestaurant, dabei gehe es doch um Genuss.

„Der Service soll den Kunden mit Aktionen mitnehmen“

Der Kontakt zum Kunden spielt laut Direktorin daher künftig eine besondere Rolle: „Man kann seinen Aperitif zum Beispiel gerne am Pass in der Küche zu sich nehmen“, sagt sie - locker an einen der dortigen Stehtische gelehnt. „Der Sommelier geht mit den Gästen auf Wunsch auch in die Weinklimaschränke, um den Wein zu verkosten“, sagt sie. Und an einer „Aktiv-Theke“ gibt es nach dem Menü Käsevariationen und Petit-Fours. „Der Service soll den Gast mit Aktionen mitnehmen“, fasst Lorenz zusammen.

Erik Arnecke möchte auch junge Gäste für die Spitzengastronomie begeistern. Daher soll keines seiner stetig wechselnden drei Menüs - eines davon vegetarisch - mehr als 100 Euro kosten. Er gibt die Küchenphilosophie „Natürlicher Genuss“ aus. „Ich komme selbst vom Land und kenne daher viele Zutaten, die gar nicht mehr so bekannt sind“, sagt er. Arnecke wuchs in einem 450-Seelen-Dorf bei Magdeburg auf. Dort wohnt bis heute seine Lebensgefährtin, seine Familie. „Frankenberg ist näher an der Heimat als Essen“, freut sich der Zugezogene.

Stationen seiner Karriere waren vor dem Residence in Essen etwa „The Grill“ im Wolfsburger Ritz Carlton, das Fährhaus auf Sylt, wo er vor zehn Jahren auch Gerhard Pohl kennenlernte, und mit dem Aqua in Wolfsburg ein Haus, das seit Jahren zu den zehn besten Restaurants der Republik gehört.

An der neuen Wirkungsstätte serviert der Küchenchef, der seine Ausbildung an einem Rasthof an der A2 absolvierte, künftig naturnahe, saisonale Produkte, bevorzugt aus heimischer Produktion - leicht, europäisch, modern. „Ich möchte hier meine eigene Handschrift vertiefen“, formuliert Erik Arnecke ein Ziel. Er kann dies ab dem 10. März für bis zu 60 Gästen tun: 40 Besucher fasst der alte Stadtweinkeller, maximal 20 das ehemalige Philipp Soldan, das jetzt als „Chef‘s Table“ einen eigenständigen Teil des Restaurants bildet. Und schon jetzt steckt er in den Planungen für seinen ganz eigenen Akzent bei drei kulinarischen Veranstaltungen: Am Gründonnerstag wird der „Tag der deutschen Spitzengastronomie“ gefeiert, am 12. Juli begeht die Sonne ihr Sommerfest. Und zwischendrin liegt der Literarische Frühling.

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