Franz Zimmer hilft Kühen

Neues Leben im alten Raiffeisenlager

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In dem Teil des Raiffeisengebäudes, in dem bisher der Weihnachtsmarkt stattfand, befindet sich nun der Seminarraum der Tierarztpraxis „Kuhkraftwerk“. Über das gelungene Projekt freuten sich (von links) der Ideengeber Karl-Heinz Metz, Architekt Walter Hirs

Frankenau-Ellershausen - Eine neue Nutzung für ein leerstehendes Gebäude mitten im Dorfkern: Dieses Ziel ist dank Franz Zimmer in Ellershausen erreicht. Im ehemaligen Raiffeisenlager hat er eine Tierarztpraxis eingerichtet. Und wo einst die Bank war, wohnt er nun mit seiner Familie.

Das Gebäude ist nicht wiederzuerkennen: Aus dem einstigen Raiffeisenlager sind moderne, helle Räume geworden. Drei Büros, ein Labor, ein Waschraum, ein Sitzungszimmer, eine Teeküche, Toiletten sowie ein großer Seminarraum mit Blick ins Grüne sind in den vergangenen Monaten dort entstanden. Dabei legte Bauherr Franz Zimmer Wert auf ökologische Materialien. Im nach oben erweiterten Anbau auf der linken Seite befindet sich die Apotheke.

Im April hatten die Bauarbeiten am Raiffeisengebäude begonnen, bereits im Juni nahm „Kuhkraft“ den Betrieb auf. Das war nur möglich, weil es sich dabei nicht um eine Praxis handelt, in die Besitzer mit ihren Tieren kommen. Es gibt gar keinen Behandlungsraum in Ellershausen. Wer einen Tierarzt für Kleintiere brauche, sei bei ihm an der falschen Adresse, sagt Franz Zimmer.

Tiere mit mehreren Mägen

Denn die Tierärzte von „Kuhkraft“ behandeln ihre Patienten ausschließlich in den Ställen. Wie der Name schon verrät, ist die Tierarztpraxis auf Rinder spezialisiert. Zimmer und seine beiden Kollegen behandeln außerdem Schafe und Ziegen; „alles mit mehr als einem Magen“, fügt er halb im Scherz hinzu. Neben den normalen Behandlungen im Krankheitsfall bietet die Praxis als Schwerpunkt so genanntes Herdenmanagement an; dabei wird jedes einzelne Tier regelmäßig kontrolliert. So sollen schwere Erkrankungen von vorneherein vermieden werden. Im Fokus stehe die Verantwortung der Landwirte für ihre Tiere und die Produkte, die erwirtschaftet werden.

Der Aufbau der Tierarztpraxis erhielt finanzielle Unterstützung über das Leader-Programm. Gefördert wurden die Sanierung und der Umbau des ehemaligen Lagers zu Praxisräumen sowie die Ausstattung mit Möbeln und Technik.

Für die Nettokosten in Höhe von 150500 Euro erhielt Franz Zimmer einen Zuschuss in Höhe von 45000 Euro aus dem europäischen Förderprogramm. Der aufgestockte Anbau links und der Umbau des ehemaligen Bankgebäudes sind von der Förderung ausgenommen. Ganz abgeschlossen ist die Baustelle noch nicht: Die Außendämmung und die Umgestaltung des Hofes sollen im nächsten Jahr folgen.

Lisa Küpper, Geschäftsführerin des Kellerwald-Vereins, berichtete von großer Einigkeit im Vorstand bei der Vorstellung des Projekts. „Das ist eine tolle Nutzung“, sagte sie. Sie freute sich über die Nachhaltigkeit und die positive Resonanz im Dorf sowie die Arbeitsplätze: drei Tierärzte und zwei Praxismanagerinnen haben dort ihre Arbeit aufgenommen. Auch für die Landwirte in der Region sei das neue Angebot, zu dem auch Beratung und Fortbildungen gehören, eine Bereicherung, ergänzte Küpper. Auch Irmhild Weber vom Landkreis und Bürgermeister Björn Brede lobten den Mut des Tierarztes.

Bei einem Hoffest will Franz Zimmer die Praxis im nächsten Sommer für die Öffentlichkeit öffnen. Geplant ist dann auch eine kleine Tierschau mit Wertung. Bei einem Infoabend am Mittwoch, 28. November, ab 20 Uhr will er sein Konzept interessierten Landwirten vorstellen. Um Anmeldung wird gebeten.

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