Vier Aufführungen vom 30. April bis 5. Mai · Karten sind ab sofort erhältlich

Neues Stück der Theater-AG der Edertalschule

Frankenberg - Mit Faschismus und Gewaltherrschaft beschäftigen sich die Darsteller der Theater-AG des Gymnasiums Edertalschule. Ende April/Anfang Mai führen sie das Stück „Die Pest“ nach Albert Camus auf.

Zuerst erscheint ein Komet über der spanischen Stadt Cádiz. Die Einwohner reagieren in panischer Angst. Aber sie lassen sich von ihren Machthabern beruhigen, hören nicht auf mahnende Worte. Da fallen plötzlich Menschen tot um. Das Entsetzen ist groß. Es wird noch größer, als die Diagnose feststeht: Die Pest ist ausgebrochen.

Die Theater-AG der Edertalschule hat sich in diesem Jahr an einen schwierigen Stoff herangewagt. Der französische Autor Albert Camus setzt sich mit dem Faschismus und mit Gewaltherrschaft auseinander und wählt dabei als Metapher „Die Pest“. Einen Roman mit diesem Titel schrieb Camus noch während des Zweiten Weltkrieges, kurz nach Ende des Krieges folgte das Stück „Der Belagerungszustand“, in dem es um den Ausbruch der Pest in der spanischen Stadt Cádiz geht. Die Theater-AG bearbeitete dieses Stück, wählte aber den Titel „Die Pest“, weil er bekannter sei und den Kern der Handlung besser treffe.

Pest als allegorische Gestalt

„Nach dem Klamaukstück des letzten Jahres wollten wir wieder ,etwas Ernstes‘ auf die Bühne bringen. Das heißt zwar nicht, dass es gar nichts zu lachen gibt, aber das Stück von Camus ist doch eine sehr ernsthafte Auseinandersetzung um Machtmissbrauch und Widerstand“, erklärt Paul Möllers, der Leiter der Theater-AG.

Mit einem Trick personifiziert der Autor Camus die ansteckende Plage: Er lässt die „Pest“ und ihre Sekretärin als allegorische Gestalten auftreten. Sie bestimmen, wer von der Pest befallen wird und mit einem Bleistiftstrich zum Tode verurteilt ist. Doch diese beiden Gestalten bringen nicht nur die Pest, sie errichten auch eine zynische Gewaltherrschaft, nachdem die bisherigen Herrscher ohne großen Widerstand die Macht an sie übertragen haben. Zu allem Überfluss lassen sie die Stadttore schließen, sodass die Bewohner ohne Fluchtmöglichkeit der absurden Bürokratie des Schreckens ausgeliefert sind. Entsprechend reagieren die Bewohner mutlos und ohnmächtig gegenüber der scheinbaren Naturgewalt.

Nur der hilfsbereite Arzt Diego stellt sich der Pest entgegen: Er ist nicht bereit, sich bedingungslos unterzuordnen, wodurch die Herrschaft der Pest ins Wanken gerät.

Klassische Konfliktsituation

Zum Ende des Stücks schafft Camus dann eine typische klassische, an die antike Tragödie erinnernde Konfliktsituation: Die Pest stellt Diego vor die Wahl, für sich und seine Geliebte die Freiheit zu erhalten oder selbst sterben zu müssen, dadurch aber die Stadt vor der Pest zu erretten.

An die antike Tragödie erinnern auch die umfangreichen Chorpassagen, die von der Theater-AG stark gekürzt, aber doch als tragendes Element der Inszenierung beibehalten wurden. Sie bilden das Gegengewicht zu den individuellen Szenen mit Diego und seiner Geliebten Victoria und betonen die kollektive Betroffenheit der Einwohner von Cádiz. „Das Einstudieren der Chor-Szenen verlangt sehr hohe Konzentration von den Schülern und ist oft sehr anstrengend“, so Möllers.

Runde Bühne als Marktplatz

„Auf das von uns entwickelte Raumkonzept freue ich mich besonders“, sagt Paul Möllers. „Ich erhoffe mir für die Zuschauer ein sehr unmittelbares Theatererlebnis.“ Die Techniker der Theater-AG wollen das Dampfmaschinenmuseum so gestalten, dass in der Mitte eine runde Bühne als Marktplatz der Stadt Cádiz entsteht, von der aus vier Stege zu den vier Stadttoren führen. In dem Moment, wenn diese Stadttore dann auf Anordnung der Pest geschlossen werden, sind alle Anwesenden gefangen. „Niemand kann vor der Pest fliehen, die Zuschauer sind unmittelbar am Geschehen, sie werden Teil der Handlung“, erklärt Möllers.

Der Autor Albert Camus wurde 1913 in Algerien geboren und starb 1960 in Frankreich. Er erhielt 1957 den Nobelpreis für Literatur für sein Gesamtwerk. Neben Jean-Paul Sartre gehört er zu den bekanntesten französischen Existenzialisten.

Aufführungen: am Dienstag, 30. April, Freitag, 3. Mai, Samstag, 4. Mai, Sonntag, 5. Mai, jeweils ab 20 Uhr im Dampfmaschinenmuseum im Unternehmenspark Nord. Eintrittskarten kosten neun Euro, ermäßigt fünf Euro. Im Vorverkauf sind Karten in der Buchhandlung Jakobi und im Lädchen gegenüber der Edertalschule erhältlich. (r)

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