Entweichungsstatistiken der Vitos-Forensiken in Hessen

Neun Patienten nutzten die Gelegenheit zur Flucht

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Aus der Forensik in Haina gab es im vergangenen Jahr zwei Entweichungen: Ein Patient kehrte erst nach 40 Tagen von einem unbegleiteten Ausgang zurück, ein anderer verlängerte seinen Entlassungsurlaub unerlaubterweise um acht Tage. Archivfoto: Pauly

Haina (Kloster)/Kassel - Die Entweichungen aus Vitos Kliniken für forensische Psychiatrie blieben in Hessen auch 2014 auf niedrigem Niveau. Von den durchschnittlich 710 Patienten in den verschiedenen hessischen Kliniken für psychisch kranke Straftäter sind neun entwichen, davon drei während unbegleiteter Ausgänge im Rahmen von Vollzugslockerungen.

Ein Patient der Klinik in Bad Emstal war erst nach 38 Tagen und ein Patient aus Haina nach 40 Tagen von unbegleiteten Ausgängen in die jeweilige Klinik zurückgekehrt. Ein Patient aus Hadamar kehrte von einem unbegleiteten Ausgang nicht zurückgekehrt. Bei keinem der drei Patienten gibt es nach Angaben von Vitos Hinweise auf Delikte während der Entweichungen.

Sechs Patienten entwichen während des Entlassungsurlaubs, der die Vorbereitung auf die Entlassung darstellt: Zwei Bad Emstaler Patienten waren aus der Dauerbeurlaubung heraus entwichen - einer für sechs, der andere für zwanzig Tage. Ein Patient der Klinik in Hadamar und eine Patientin der jugendforensischen Klinik in Marburg konnten während einer Dauerbeurlaubung nicht vereinbarungsgemäß erreicht werden, so dass nach einer Toleranzzeit die Fahndung eingeleitet wurde. Zu beiden gab es im Laufe des Tages wieder Kontakt und die Fahndungen wurden zurückgenommen.

Ein anderer Patient des Hadamarer Maßregelvollzugs war für einen Tag aus der Dauerbeurlaubung entwichen. Ein Patient der Vitos Klinik in Haina kehrte nach achttägiger Abwesenheit aus der Dauerbeurlaubung freiwillig in die Klinik zurück. Bei keinem dieser Patienten gibt es Hinweise auf Delikte während der Entweichungen, teilte Vitos in Kassel mit.

Im vergangenen Jahr ist kein Patient ausgebrochen, hat sich also mit Gewalt einen Weg in die Freiheit verschafft. Zum Vergleich: 2013 waren es hessenweit acht Entweichungen und ein Ausbruch. Die Vitos Kliniken für forensische Psychiatrie in Haina (mit Gießen), Bad Emstal, Eltville, Hadamar, Riedstadt und Marburg betreiben insgesamt 768 Behandlungsplätze, die im vergangenen Jahr zu rund 92 Prozent ausgelastet waren.

„Wir erfüllen den gesetzlichen Auftrag der Sicherung und Therapie. Dafür arbeiten wir Ärzte mit Pflegekräften und Therapeuten täglich in einem Spannungsfeld. Die hessischen Kliniken für forensische Psychiatrie sollen die Patienten möglichst auf ein Leben in unserer Gesellschaft vorbereiten“, sagt Roland Freese, Ärztlicher Direktor der Vitos forensisch-psychiatrischen Ambulanz Hessen, die ihren Hauptsitz in Haina hat.

„Alle an der Behandlung Beteiligten sind sich ihrer hohen Verantwortung und der Tatsache bewusst, dass man menschliches Verhalten nur bis zu einem gewissen Grad prognostizieren kann.“ (r)

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