Neuseeländerin betreibt Ahnenforschung in Haina

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Besuch in Haina (Kloster), ehemaliges Lazarett von links: Kannan Subramaniam, sein Sohn Sachia Subramaniam, Angela Subramaniam, Wilhelm Helbig, Leo Engels.

Haina-Kloster. Eine Frau aus Neuseeland wandelt auf den Spuren der Vergangenheit. Sie hat entdeckt, dass ihr Vater im Zweiten Weltkrieg als Gefangener in Haina-Kloster war.

Vor zwei Jahren hat die Neuseeländerin Angela Subramaniam einen kleinen Schatz entdeckt: Tagebücher, Briefe und Dokumente, die die Geschichte ihres vor fünf Jahren verstorbenen Vaters James Ian Bradley Walker erzählen, der im Zweiten Weltkrieg als Soldat bei der Luftwaffe gedient hat. Seitdem ist sie auf Spurensuche, und versucht den Weg ihres Vaters zu rekonstruieren. Jetzt führte sie dieser Weg nach Haina, wo ihr Vater im Kriegsgefangenen-Lazarett untergebracht war.

„Je mehr ich aus den Unterlagen erfahre, desto mehr bin ich fasziniert“, erklärt Subramaniam. Der Weg ihres Vaters führte diesen zunächst von Neuseeland nach England, dann nach Belgien, wo er notlandete. 1942 oder 1943 kam er als Gefangener nach Haina. Das Klostergebäude, das heute als Psychatrie dient, wurde zu dieser Zeit von den Nationalsozialisten als „Landesheilanstalt“ für geistig Behinderte genutzt. Ein Teil des Gebäudes diente als Lazarett für Kriegsgefangene.

Flucht über den Zaun

Einmal brach Walker, gemeinsam mit einem schottischen Freund, aus dem Lager aus. Das weiß seine Tochter noch aus Erzählungen des Vaters. Die beiden warteten, bis sie von der Wache unbeobachtet waren. Dann versteckten sie sich in einem Busch, und kletterten über einen Zaun. Acht Tage lang waren sie auf der Flucht. Am Ende meldeten sie sich freiwillig bei einer Polizeistation in Korbach, denn der schottische Freund kam wegen seiner Kriegsverletzung nicht mehr weiter. Als Strafe für die Flucht wurden die beiden zusammen mit den anderen Patienten eingesperrt.

Während der Flucht versteckten sie sich in einer Ziegelei - in welcher, kann nicht genau bestimmt werden. „Es gab damals mehrere Ziegeleien hier in der Umgebung“, sagt Wilhelm Helbig, Schatzmeister der Klosterfreunde Haina, der Subramaniam bei der Ahnenforschung unterstützt.

Von Marc Hörcher 

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Quelle: HNA

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