Vortrag über Überlastung

"Niemand ist ohne Ende belastbar"

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Was kann man sein lassen, um die Aktiven vor Überlastung zu schützen? Wie wird die Kirchengemeinde reagieren? Das war Thema eines Abends mit Pröpstin Annegret Puttkammer und ihrem Ehemann im Osterfelder „Lebenshaus“.Fotos: pr

Allendorf-Osterfeld - "Das Problem ist nicht, das wir zu wenig machen, sondern, dass wir zu viel machen": Annegret Puttkammer hat zahlreiche Kirchenmitarbeiter davor gewarnt, sich zu übernehmen.

Es ist schwer, etwas einfach auch mal sein zu lassen. Etwas nicht zu tun. Einen Termin nicht anzunehmen, eine Aufgabe abzulehnen, eine Veranstaltung nicht vorzubereiten - mal nicht dabeizusein. Aber es kann notwendig sein: Auch in der Evangelischen Kirche ist „Burnout“ ein Thema: Viele Haupt- und Ehrenamtliche muten sich mehr zu, als sie auf Dauer zu leisten vermögen. Wie man etwas „Sein lassen und viel gewinnen“ kann, erläuterten Pfarrerin Annegret Puttkammer, Pröpstin für Nord-Nassau, und ihr Mann Detlef Puttkammer bei einem Abend in Osterfeld.

„Es ist unglaublich harte Arbeit, bis man sich eingestehen kann, ich schaffe nicht alles, ich kann nicht alles“, sagte die Pröpstin: „Niemand ist ohne Ende belastbar, wir alle sind begrenzt.“ Dass die Leistungsgesellschaft jede scheinbare Schwäche abstraft, berge ein gewisses Risiko, das das Ehepaar nicht verschwieg: „Wir müssen leider damit leben, jemanden traurig zu machen und Menschen zu verletzen“, gestand Annegret Puttkammer vor den rund 100 Kirchenvorstehern, Pfarrern, Prädikanten und verantwortlichen Mitarbeitern in Kirchengemeinden ein.

„Wir haben mit dem Thema einen Nerv getroffen“, meinte angesichts der Resonanz Joachim Strauch, Leier des Osterfelder Lebenshauses. In vielen Kirchengemeinden stehe das Organisieren von Veranstaltungen im Vordergrund: „Ich habe immer wieder das Gefühl, wir gehen in der Fülle unter“, sagte Strauch in seiner Begrüßung. Dabei gehöre zu einem ausgewogenen Leben, auch mal etwas lassen zu können.

Das bestätigte Detlef Puttkammer, Pfarrer in Mittenaar-Ballersbach: Es gehe weniger um eine Balance zwischen Arbeit und Freizeit als vielmehr darum, „das Mobile des Lebens in eine gute Bewegung zu bringen“: Die Terminlast in den Kalendern sei vergleichbar mit dem fließenden Übergang zwischen Fülle und Völlerei. „Tun und Lassen müssen Raum haben, beides ist wichtig“, sagte der Pfarrer und betonte, er wolle keineswegs der Faulheit das Wort reden. Das Problem sei aber, dass die „große Mehrheit eher zu fleißig als zu faul“ sei.

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