Michael Mütze kehrt heim

Noch eine Stunde länger auf der Walz

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Michael Mütze

Frankenberg-Röddenau - Eigentlich sollten es drei Jahre werden, die Michael Mütze auf Wanderschaft verbringen wollte. Es wurden viereinhalb - und auf den letzten Kilometern ließ er sich noch einmal richtig viel Zeit.

Langsam werden die wartenden Röddenauer unruhig - da tut sich doch was: Sie stehen am Kreisel und beobachten die Autos, die von dort in Richtung Frankenberg fahren. Einige kommen rasch wieder zurück, andere bleiben wie vom Erdboden verschluckt. Dann plötzlich sind die ersten Zylinder und Hüte zu sehen, die zwischen Leitplanken und Wiese auf und ab wippen. Schließlich bleiben sie stehen. Die Röddenauer wissen: Michael Mütze ist bald zu Hause - aber er lässt sich Zeit.

Die Wanderschaft, zu der er am 13. Januar 2008 in Kassel aufbrach, sollte eigentlich nur drei Jahre und einen Tag dauern. Daraus wurden viereinhalb Jahre, die Mütze in Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland, in Japan, Australien, Neuseeland, Kuba und vielen anderen Ländern verbracht hat. Am Samstag endete die Walz im Spinnermarsch, vorneweg ein Altgeselle, der sein Charlottenburger-Tuch schwenkte, eine Flasche in der Hand. Mütze und seine Begleiter ließen sich viel Zeit, legten immer wieder eine Pause ein, sangen, tranken - genossen die Momente, die noch blieben, bevor der Röddenauer endlich seine Familie, seine Eltern wieder in den Arm schließen durfte. Der junge Mann hatte Tränen in den Augen, hinter ihm schoss ein kleines Feuerwerk in die Luft.

„Ich habe mich schon darauf gefreut“, sagte Michael Mütze nach der Begrüßung durch die Dorfbewohner, die mehr als vier Jahre gewartet haben. Und er schob hinterher: „Aber ein seltsames Gefühl ist es dennoch, wieder da zu sein.“ Am Abend dann wurde gefeiert, die Familie hatte die Grillhütte angemietet. Michael Mütze dürfte einiges zu erzählen gehabt haben.

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