Amerikanische Studenten bei Viessmann

Noch keine Klima-Ziele in den USA

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Allendorf (Eder) - "Die Menschheit verbraucht aktuell in einem Jahr so viel fossile Energie wie in einer Million Jahren eingelagert worden ist." Mit diesen Worten machte Dr. Martin Viessmann deutlich, dass es bei der Energiewende hin zur Nutzung erneuerbarer Energien dringenden Handlungsbedarf gibt.

Er richtete diesen Appell am Ende des ersten Viessmann-Nachhaltigkeitsseminars an zwanzig Studenten der University of Oshkosh (UWO) und zehn Studenten der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM). Zwischen der THM und der UWO im nordamerikanischen Wisconsin entwickelt sich eine von Dr. Viessmann initiierte Kooperation.

Erstmals kamen drei Professoren und 20 Studenten nach Allendorf (Eder), um gemeinsam mit ihren deutschen Gastgebern das Thema Nachhaltigkeit aus wissenschaftlicher Sicht zu betrachten und dabei mögliche Gemeinsamkeiten oder Unterschiede zwischen Deutschland und den USA herauszuarbeiten. Die Ergebnisse des einwöchigen Seminars präsentierten sie vor Viessmann Führungskräften in der Akademie am Unternehmensstammsitz des Heiztechnikherstellers.

Dabei stellten die Studenten fest, dass es in der Europäischen Union und in Deutschland im Unterschied zu den USA bereits klar definierte energie- und klimapolitische Ziele gibt, die zum Teil bereits in europäisches oder nationales Recht umgesetzt sind. Dazu ergänzte Dr. Viessmann, dass diese Ziele zwar formuliert seien, bisher aber nicht viel passiert sei: „Wir haben kein Technologieproblem, sondern ein Umsetzungsproblem.“

Die Studenten bewerteten daher das strategische Nachhaltigkeitsprojekt Effizienz Plus, das am Unternehmensstammsitz umgesetzt worden ist, umso positiver. Denn im Ergebnis wird damit der CO2-Ausstoß um 80 Prozent und der Einsatz fossiler Energieträger um fast 70 Prozent reduziert. Damit erreichen die Viessmann-Werke schon heute mit marktverfügbarer Technik die energie- und klimapolitischen Ziele der deutschen Regierung für das Jahr 2050.

Die amerikanischen Studenten berichteten, dass es in ihrer Heimat keine einheitlichen Regelungen gebe, sondern in einem Teil der Bundesstaaten erste Ansätze beispielsweise zu steuerlichen Anreizen. In den USA werde das Thema Nachhaltigkeit weniger von der Politik als von der Wissenschaft vorangetrieben.

Da auch aufgrund des neuen Booms zur Gewinnung des sogenannten Fracking-Gases die Energiepreise sehr niedrig seien, gebe es keine breite Bewegung in der Bevölkerung, auf erneuerbare Energien zu setzen. Daher sei es besonders wichtig, Erfahrungen zu sammeln, wie andere Länder, insbesondere Deutschland, die Energiewende gestalten.

Der Unternehmer kündigte an, dass die Zusammenarbeit mit den beiden Hochschulen in Hessen und Wisconsin auf jeden Fall fortgesetzt werden soll. Joachim Janssen, Verwaltungsratsmitglied bei Viessmann, erinnerte während der Abschlussveranstaltung an die ersten Kontakte mit Oshkosh. Die UWO habe sich sehr frühzeitig für eine nachhaltige Energieversorgung des eigenen Campus interessiert. Viessmann habe dazu beigetragen und vor zwei Jahren die erste Trockenfermentations-Biogasanlage auf dem nordamerikanischen Kontinent gebaut. Aus diesem ersten Kontakt habe sich mittlerweile eine gute Kooperation entwickelt. Das bestätigte auch Dekan Dr. John Koker, der mit seinen Professoren-Kollegen Dr. Franca Barricelli und Dr. Bruce Niendorf die amerikanischen Studenten begleitete.

Neben zahlreichen Referaten über Viessmann, das Nachhaltigkeitsengagement des Unternehmens und neue technologische Energieversorgungslösungen wie die Brennstoffzelle oder die thermische Verwertung von Biomasse in Form von Hackschnitzeln oder Biogas besuchten die Oshkosh-Studenten mit ihren deutschen Gastgebern auch den ebenfalls international aufgestellten Medizin-Produkte-Hersteller B.Braun in Melsungen.

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