Nordhessen zieht nicht: Neue Marke gefordert

Ein bei Touristen attraktiver Urlaubsort: Der Nationalpark Kellerwald mit dem Edersee. Foto: nh

Waldeck-Frankenberg. Ein Campingplatzbetreiber kritisiert das Marketing für den Tourismus im Landkreis. Er plädiert für eine übergeordnete Dachmarke Edersee.

Waldeck-Frankenberg. Die touristischen Orte in Waldeck-Frankenberg haben in diesem Jahr mehr Urlauber gezählt. Der Branche geht es allgemein gut. Aber: Die Übernachtungszahlen auf Campingplätzen gehen zurück, während sie deutschlandweit zunehmen.

Rudolf Müller, Vorsitzender der Campingwirtschaft Hessen und Betreiber des Campingplatzes Teichmann in Herzhausen, führt das auf mangelnde Qualität und schlechtes Marketing zurück. Er fordert eine prägnantere Marke zum Werben.

Jede Menge Potential

Die Hälfte der Campingplätze im Landkreis seien noch nicht einmal im Campingführer des ADAC genannt. Das zeuge davon, dass ihre Qualität nicht ausreiche, um neue Gäste anzulocken. Aus der Sicht von Rudolf Müller gibt es aber rund um Edersee, Diemelsee und Twistesee noch jede Menge Potential für attraktivere Unterkünfte. Während die Ansprüche von Feriengästen kontinuierlich wachsen, entwickeln sich laut Müller viele Campingplätze nicht weiter.

Herausragendes Jahr

Das Jahr 2015 mit vielen Urlaubern in Waldeck-Frankenberg sei ein herausragendes Jahr gewesen. „Es waren viele günstige Gegebenheiten“, sagt Müller. Ein zusätzliches langes Wochenende rund um den 1. Mai, gutes Wetter an den Feiertagswochenenden und ein toller Sommer haben dem Campingplatz in Herzhausen „das beste Jahr überhaupt“ beschert. Meist war der Platz ausgebucht. Müller wünscht sich daher, dass andere Campingplatzbetreiber der Region investieren, um das Geschäft zu beleben.

Vorbild Willingen

Vorbildlich in Sachen Tourismus seien die Betriebe in der Gemeinde Willingen. „Das sind Profis.“ Vor allem, was das Marketing betreffe. Rund um den Edersee könne man sich von den Upländern einiges abschauen.

Neue Marke gefordert

Die Voraussetzung sei eine prägnante Marke. Zurzeit wirbt die Region zum Beispiel mit den Namen „Waldecker Land“ und „Grimmheimat Nordhessen“. Der letztere ist eine Dachmarke, die Müller ein künstliches Konstrukt nennt. Stattdessen suchten Urlauber, die nach Waldeck-Frankenberg wollen, eher unter dem Stichwort „Edersee“.

„Würden Sie nach Nordhessen fahren“, fragt Rudolf Müller. „Oder in den Kellerwald?“ Touristen richteten sich bei der Suche nach ihrem Reiseziel nach Regionen. „Das Waldecker Land kennt kein Mensch“, sagt Müller. Das Sauerland hingegen und auch Bad Wildungen hätten sich als starke Marken etabliert. Nordhessen sei aber eine Region, die sich an politischen Grenzen orientiere. „Sogar Fulda gehört dazu.“ Und zur Marke Waldecker Land zählen zum Beispiel auch das Ederbergland und Haina. Seine Kritik richtet Müller damit an die Touristik-Service Waldeck-Ederbergland, die die Aufgabe hat, den Tourismus in Waldeck-Frankenberg zu fördern und zu koordinieren.

Camper werden stets befragt, wie sie auf den Platz aufmerksam geworden sind. 60 Prozent sind Mund-zu-Mund-Propaganda, erklärt Müller. Zehn Prozent der Besucher informieren sich über Campingführer und ähnliche Quellen. 30 Prozent suchen demnach im Internet unter dem Stichwort Edersee.

„Wir brauchen eine neue, eigenständige Tourismusorganisation“, meint Rudolf Müller. Unter der Dachmarke Edersee ließen sich die einzelnen Regionen von Willingen bis nach Bad Wildungen zusammenfassen.

Was der Geschäftsführer der Touristik-Service Waldeck-Ederbergland zu der Kritik sagt sowie einen Kommentar zum Thema lesen Sie in der Mittwochausgabe der Frankenberger HNA.

Quelle: HNA

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