Frankenberg

„Notsanierung“ des Kulturdenkmals

- Frankenberg (rou). Die Bauarbeiten an der Liebfrauenkirche haben begonnen: Marienkapelle und Teile des Chorraums sind eingerüstet. Auf 2,5 Millionen Euro beziffert das Architekturbüro Berghöfer die Kosten für eine Komplettsanierung des „Kulturdenkmals von nationaler Bedeutung“. Die Kosten für die vor Tagen begonnenen Arbeiten im Zuge des erste Bauabschnitts belaufen sich auf und 160 000 Euro.

Das 500-jährige Bestehen des Rathauses ist gefeiert, die Sanierung des Frankenberger Wahrzeichens am Samstag offiziell abgeschlossen worden. Nun steht das zweite Frankenberger Baudenkmal von nationaler Bedeutung im Fokus der Frankenberger – und dem der Denkmalpflege. Im nächsten Jahr feiert die evangelische Kirchengemeinde das 725-jährige Bestehen der Liebfrauenkirche. Doch wie beim Rathaus werden auch die Arbeiten an der Kirche nicht bis zum Jubiläum beendet sein. Der Grund: Die Sanierung ist weitaus umfassender als die des Rathauses. Sieben sogenannte „Musterachsen“ hatten die Planer definiert und in den Flächen die Schäden im mittelalterlichen Mauerwerk dokumentiert. „Der Erhaltungszustand der Natursteinfassaden erfordert deren Instandsetzung“, betont Bernd Berghöfer aus Münchhausen, der gemeinsam mit Johann Heinrich Berghöfer für die Bauleitung verantwortlich ist. Zuletzt war die Liebfrauenkirche von 1978 bis 1988 saniert worden. Die Kosten beliefen sich auf rund fünf Millionen Mark. Die aktuelle Schadensdokumentation von Fachbauleiter und Restaurator Sven Raecke habe unterschiedliche Zerfallserscheinungen des Natursteinmaterials ergeben. Betroffen seien sowohl die Werksteine als auch die Bauzier der gesamten Fassade, erläutert der Architekt. Ausgehend von diesen Erhebungen wurde eine Hochrechnung erstellt. Das Ergebnis: Eine Komplettsanierung der 4700 Quadratmeter Außenfassade umfassenden Liebfrauenkirche würde rund 2,5 Millionen Euro kosten. Ein Bauzeitenplan für die Komplettsanierung liegt noch nicht. „Der Ablauf hängt maßgeblich von der Frage der Finanzierung ab“, erläutert Pfarrer Holland-Letz bei einem Ortstermin. Mit Vertretern des Landeskirchenamtes und des Bauausschusses des Kirchenkreises hat er gestern die Ausführung der ersten Arbeiten in Augenschein genommen und das weitere Vorgehen besprochen. Geklärt ist derzeit nur die Finanzierung eines 160 000 Euro teuren Leistungspaketes des ersten Bauabschnitts. Das Land beteiligt sich mit rund 50 000 Euro an den Arbeiten, die Evangelische Landeskirche von Kurhessen-Waldeck trägt die verbleibenden 110 000 Euro. Insgesamt fallen während der ersten Sanierungsphase Kosten von rund 400 000 Euro an. Der Bund beteiligt sich mit 100 000 Euro aus dem Sonderprogramm für Denkmalschutz an den Kosten. In Angriff genommen wurde vor Tagen laut Bezirksdenkmalpfleger Dr. Bernd Buchstab die „Notsicherung“ des hochwertigsten und wichtigsten Teils der Liebfrauenkirche: der Marienkapelle. Ihren Baubestand gelte es zu sichern, betont Holland-Letz. Die nach Plänen des Baumeisters Tyle von Frankenberg 1370 bis 1380 errichtete und mit reicher plastischer Bauzier ausgeführte Marienkapelle nimmt baukünstlerisch eine herausragende Stellung ein, betont Bernd Berghöfer. Deshalb wird zunächst der geschädigte Natursteinbestand der Bauornamentik und Bauskulptur an den Außenfassaden konserviert. Außerdem werden die Bildwerke gefestigt. Begonnen wurde auch mit den Arbeiten an den bleiverglasten Fenstern im Bereich der Marienkapelle und des Chors. Gefragt ist laut Pfarrer Holland-Letz auch die Gemeinde – analog zum Engagement der Frankenberger beim Rathaus. Ein nennenswerter Eigenanteil könnte „Rückenwind“ für die weitere finanzielle Unterstützung durch die Landeskirche sein.

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