Grüsener Mühle ist 650 Jahre alt

Nutzungskonzepte für Mühle gesucht

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Viele Besucher kamen zur Feierstunde in die Grüsener Mühle und bestaunten die noch intakte gut gepflegte Technik.

Gemünden-Grüsen - Lange Familientraditionen und neue Visionen standen im Mittelpunkt beim Festakt zum 650-jährigen Mühlenjubiläum am Samstag in Grüsen.

„Die neue Brücke über den Mühlgraben könnte der Weg in die Zukunft sein“, sagte Mühlenbesitzerin Christa Erle vor rund 60 geladenen Gästen. Die traditionsreiche Mühle Metz in der Grüsener Dorfmitte wurde vor 650 Jahren erstmals urkundlich erwähnt. Seit 1821 befindet sie sich im Familienbesitz. Seit 4. Juli 1989 fließt kein Getreide und Mehl mehr durch die Anlage: Heinrich Metz hat den Betrieb mangels Rentabilität eingestellt.

Voll funktionsfähig

Die Besucher bestaunten die herausgeputzten Walzenstühle, Fördereinrichtungen, Waagen und Rohre auf fünf Stockwerken. Alles ist noch voll funktionstüchtig. Das heutige Mühlengebäude stammt aus dem Jahr 1936. 1961 erfolgte der Anbau mit einem größeren Getreidespeicher.

Christa Erle ist stolz auf die Ersterwähnungsurkunde. Nach einem Hinweis von Emanuel Seibel aus Römershausen hielt sie vor zwölf Jahren im Marburger Staatsarchiv die Original-Kaufurkunde vom 6. Juni 1363 zwischen Heinrich Hoppen und Lutz Mollner in ihren Händen. „Das war ein bewegender Moment“, sagte die traditionsbewusste Mühlenbesitzerin. Viele Generationen hätten in der Mühle gelebt, gearbeitet, Nöte, Ängste und Sorgen durchgestanden. „Treue und Beständigkeit waren bestimmende Werte“, sagte Erle.

Die Sehlener Hobby-Historikerin Liane Theiß blickte in die 650-jährige Geschichte der Mühle zurück. Vermutlich ist sie sogar noch einige Jahrhunderte älter, was archäologisch untersuchte Scherbenfunde aus dem Mühlengarten beweisen.

Die Mühle gehörte ab dem 16. Jahrhundert zum Hospital in Haina und wurde mit Lehensverträgen an verschiedene Müller überlassen. Traditionsreich waren die Familien Heigerer und Parthesius.

Im Jahr 1821 kam Justus Metz aus Gilsa nach Grüsen und übernahm die Mühle. Sein Sohn Eitel-Moritz löste rund 20 Jahre später die Grundlasten der Mühle mit 939 Talern, 28 Silberlingen und 10 Hellern vom Hospital Haina ab. In den nächsten Metz-Generationen folgten Konrad und zwei Mal Heinrich. Viele der Mühlen-Nachfahren waren am Samstag zum Jubiläum gekommen.

„Nie war sie so verwaist“

Christa Erle bedauerte, dass die Mühle heute nicht mehr gebraucht werde und seit Jahren leer stehe: „Nie war sie so verwaist wie in dieser Zeit“. Sie suche derzeit nach Nutzungskonzepten für die Zukunft. Alles sei offen, Ideen willkommen. Das Wasserrad neben dem Mühlengebäude produziert heute Strom.

Mitglieder des Gemündener Kulturvereins „Gleis 3“ sorgten für das leibliche Wohl der Gäste unter anderem mit Mühlradkräuterschnaps, Schoko-Minze-Sirup, Scharfgarbenbutter, Käse und Forellenfilets. Jörg Gunst unterhielt die Gäste musikalisch. Das Mühlenjubiläum soll auch öffentlich gefeiert werden: Am 1. September ist ein Tag der offenen Tür mit Mühlenführungen geplant. (sr)

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