Arbeiten am Frankenberger Bahnhof

Operation am offenen Herzen

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Eine Großbaustelle ist noch bis zum Jahresende das Bahnhofsumfeld. Im nächsten Jahr sollen die Arbeiten am historischen Gebäude beginnen.Fotos: Malte Glotz

Frankenberg - Am Bahnhof fließen Frankenbergs Hauptverkehrsadern zusammen: Bus und Bahn treffen aufeinander. Dort zu arbeiten, ohne einen Infarkt zu verursachen, ist eine Herausforderung.

Es ist nicht mehr schwer sich vorzustellen, wie der Frankenberger Bahnhof mitsamt Umfeld demnächst aussehen wird: Der virtuelle Rundflug durch eine schneeweiße Landschaft, der den Frankenbergern noch vor dem ersten Spatenstich präsentiert wurde, nimmt Formen an. „Wir sind auf Kurs“, sagt Bauamtsleiter Karsten Dittmar - und ein wenig Stolz über den Fortschritt ist ihm anzuhören. Hatte doch das Umkippen eines großen Baukrans (FZ berichtete) vor sechs Wochen durchaus für Verzögerungen gesorgt.

Davon ist derzeit nichts mehr zu spüren - vielmehr herrscht geschäftiges Treiben auf der Baustelle, die noch immer für Pendler und viele Schüler eine große Attraktion ist, die an der zur Friedrichstraße verlegten Bushaltestelle an- und abfahren. Von dort sind es nur ein paar Schritte bis zum - noch nicht freigegebenen - Vorzeigeobjekt des Bahnhofsumfeldes: die Freitreppe, die vom entstehenden Stadtbalkon bis auf die Gleisebene führt, ergänzt durch eine behindertengerechte Rampe.

Bereits nutzbar ist hingegen die Park-and-Ride-Anlage. Zwar stehen auf einigen der Parkplätze im hinteren Bereich des Bahnhofes noch Baugeräte, doch Karsten Dittmar bestätigt: „Man darf da bereits parken“ - und er schiebt hinterher, dass auch sicher kein Auto abgeschleppt werde. Ohnehin habe die Stadt versucht, in allen Bauphasen möglichst kulant mit dem Bürger umzugehen: „Wir haben Falschparker mit Zetteln auf die Situation hingewiesen“, erklärt er. Abgeschleppt werden musste niemand, da auch die Bürger und Pendler die Ausnahmesituation stets rasch eingesehen hätten. In einem Extremfall hätten eine Halterermittlung und ein Anruf beim Eigentümer für Klarheit gesorgt.

So kommt es, dass der Hochbau - beständiges Wetter vorausgesetzt - noch in diesem Jahr weitgehend abgeschlossen werden soll. „Ein Gewerk am Bahnhofsgebäude selbst haben wir vorgezogen“, erläutert der Bauamtsleiter: Bereits jetzt sind auf Keller-Niveau Bauarbeiter mit Abdichtungsarbeiten beschäftigt. Der Grund: Wenn der Vorplatz fertig ist, soll er ebenfalls noch in diesem Jahr gepflastert werden. „Und dann wollen wir natürlich nicht im nächsten Jahr das Pflaster wieder abnehmen, um das Gebäude abzudichten“, sagt Dittmar.

Denn möglichst rasch nach dem Winter, wenn für den Außenbereich kein schweres Gerät mehr nötig ist, sollen die Innenarbeiten am historischen Bahnhofsgebäude beginnen, das erstmals seit Jahrzehnten völlig frei steht: Innenausbau, Dach, Fenster und Außenputz stehen auf der Liste für die Baufirmen. Entstehen soll in dem Gebäude ein Familien- und Gesundheitszentrum mit Arztpraxen im Obergeschoss, großem Aufzug auch zum Transport von liegenden Patienten und einer Gastronomie auf Erdgeschoss-Ebene, die bei Bedarf in Richtung der Gleise auch einen Außenbetrieb anbieten kann.

Auch bei den Gleisen hat sich einiges getan. Für die Pendler ist dies vor allem auf dem rundum modernisierten Bahnsteig zwischen den Gleisen zwei und drei zu sehen, der ehedem marode und abschreckend wirkte und jetzt dem Design moderner Bahnhöfe entspricht. „Dieser Bauabschnitt liegt komplett in den Händen der Bahn“, erläutert Dittmar. Gleichwohl herrsche ein hoher Abstimmungsgrad - etwa wenn es darum gehe, wo die Baustelle an den Partner übergeben wird und wann welche Arbeiten stattfinden. „Diese Koordination nimmt manchmal mehr Zeit in Anspruch als alle anderen Sachen“, verrät der Bauamtsleiter und schmunzelt - doch dass sie funktioniert, zeigt sich daran, dass die Pendler durch spürbar weniger Schotter laufen müssen als noch vor Wochen. „Es gibt aber immer auch Menschen, die sich noch mehr Komfort wünschen“, merkt Dittmar an - und ergänzt: „Hier bitte ich erneut um das Verständnis der Bürger.“

Für diese soll bis zum Abschluss der Arbeiten noch am Komfort geschraubt werden: Das Hochbeet direkt neben den Gleisen nimmt bereits Form an, und auch auf dem Stadtbalkon entstehen Sitzgelegenheiten.

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