"Kunst privat" bei Neuschäfer Elektronik

Original und Plagiat

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Die Gastgeber der einzigen „Kunst privat“-Ausstellung im Landkreis, Wilfried Neuschäfer und Filomena Rios, mit dem Künstler Gerhard Roese (v.l.) aus Darmstadt.

Frankenberg - Das Erfinden und das Nachahmen verbinden die Kunst und das Unternehmertum. Zum hessenweiten Aktionstag "Kunst privat" waren Original und Plagiat Thema bei Neuschäfer Elektronik.

Dass ein produzierendes Unternehmen zu einem Rundgang durch den Firmenkomplex einlädt, ist eine Seltenheit. Mindestens ebenso selten sind Unternehmen, die Ihre Flure mit Jazz beschallen und mit Kunst behängen. Wenn beides Zusammentrifft - dann ist wahrscheinlich „Kunst privat“.

Seit Jahren öffnet die Aktion des hessischen Wirtschaftministerium sonst meist verschlossene Türen - und ermöglicht einen Blick in die Sammlungen heimischer Unternehmen. Als einzige Firma aus dem Landkreis hat sich in diesem Jahr „Neuschäfer Elektronik“ an der Veranstaltung beteiligt. An zwei Tagen waren zusammen mehr als 500 Besucher angemeldet.

„Wir haben generell immer Kunstobjekte und Musik im Betrieb“, erklärt Geschäftsführer und Gründer Wilfried Neuschäfer. Der Bereich, in dem Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter aufeinander stoßen, solle lebendig gestaltet sein. Für „Kunst privat“ hat Neuschäfer die Sammlung noch erweitert. Einige Werke sollen auch nach der Ausstellung dauerhaft im Betrieb bleiben.

Die Idee zur Teilnahme entstand während eines Besuches der heimischen CDU, erinnert sich Neuschäfer. Die Landtagsabgeordnete Claudia Ravensburg habe wegen der vielen Werke an den Wänden dazu angeregt, mitzumachen. Sie stellte die Kontakte her - und Neuschäfer sowie seine Partnerin Filomena Rios organisierten den besuch von Künstlern.

Patrick Perreira aus Filderstadt etwa stellte großformatige Malereien aus Acryl aus - teilweise mit Lackfarbe versiegelt. Große Gesichter schauten auf die Besucher hinab, teil popart-bunt und stark, teils farbarm und verletzlich. Auch einige Mitarbeiter des Unternehmens hatten kleinere Stücke beigesteuert. Aus dem Jahr 1998 hatte Wilfreid Neuschäfer zudem alst „Copy-Art“ aus den Unternehmensarchiven geholt: Damals hatte eine Gruppe Kunststudenten in dem damals noch deutlich kleineren Unternehmen mit Hilfe von klassischen Druckern vielschichtige Schwarz-Weiß-Kunst geschaffen, die immer wieder das Thema der Produktion - Microchips und Microverbindungen - aufgriffen.

Hauptgast aber war der Darmstädter Bildhauer Gerhard Roese. Seine Werke vollendeten den Anspruch an die Ausstellung unter dem für ein Elektronik-Unternehmen stets aktuellen Titel „Original und Plagiat“. Mit völlig fremden Augen hat Roese sich an Originale des bekannten Bauhaus-Produktdesigner Wilhelm Wagenfeld gewagt. Er nahm die Perspektive eines Außerirdischen ein, der Fotografien von Wagenfelds Alltagsgegenständen -Kaffekanne, Eierbecher, Tintenfass - betrachtet und sie, ohne sie zu verstehen, in dreidimensionale Objekte zurückversetzt.

„Ich bilde die gesehenen Objekte 100 Prozent richtig ab - und doch vollkommen falsch“, sagt Roese über seine Aluminium-Objekte.

Die Ausstellung ist noch am Sonntag, 21. Juni, zu sehen. Anmeldung unter www.kunstprivat.info im Internet.

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