Nach 17 Jahren als Schulleiter in den Ruhestand

Ortenbergschule verabschiedet Rektor Erhard Wagner

„Tschüss, mach‘s gut, nimm‘ den Hut“, sangen die Mädchen und Jungen der ersten vier Klassen der Ortenbergschule.

Frankenberg - Eine Bademütze von den Kollegen Schulleitern, emporsteigende Luftballons mit Wünschen von Lehrern, ein Bekenntnis von Schülern, dass sie ihn in ihr Herz geschlossen hätten: Erhard Wagner ist nach 17 Jahren als Rektor der Ortenbergschule so in seinen Ruhestand verabschiedet worden, wie ihn Lehrer, Schüler und Wegbegleiter kennen und schätzen: humorvoll, persönlich und sehr kreativ.

Erhard Wagner gab gleich zu Beginn Entwarnung: „Seien sie sicher: Heute ist nicht mein letzter Tag. Ich hatte nicht vor zu sterben. Sie müssen noch eine Weile mit mir rechnen“, rief er den geladenen Gästen in der Aula der Ortenbergschule zu und versuchte so die aufkommende Wehmut etwas zu nehmen.

Und doch markiere der 31. Januar das Ende einer Ära, stellte der Leitende Schulamtsdirektor Rainer Walenzik klar. Denn von seinen fast 43 Lebensarbeitsjahren wirkte Wagner 32,5 Jahre als Schulleiter: zunächst in Rosenthal, seit 1996 an der Ortenbergschule. Mit Erhard Wagner werde eine Lehrer- und Schulleiterpersönlichkeit verabschiedet, „ohne den sich viele unter uns die Schullandschaft im Kreis kaum noch vorstellen können“. Über all die Jahre habe er seine Begeisterung nie verloren.

Pädagogische Begeisterung

Von Amtsmüdigkeit sei jedenfalls nichts zu spüren, von Resignation ganz zu schweigen. „Da war eine pädagogische Frische und Begeisterung für seine Schule vorhanden, so als wollte er gerade noch einmal durchstarten“, berichtete Walenzik von einem Treffen Anfang Januar. Er skizzierte die von Wagner und dem Schulleitungteam vorangetriebene Schulentwicklung. „Sein pädagogischer Ansatz ist, den einzelnen Schüler so zu fördern, dass er im Rahmen seiner Möglichkeiten an die obere Grenze gelangt, vor allem im Hinblick auf seine Berufs- und Ausbildungsfähigkeit.“ Er sei immer bereit gewesen, die Schule für Neues zu öffnen. „Seine Rolle im Team ist die des Impulsgebers.“ Dabei sei Wagner sicher ein Schulleiter mit Ecken und Kanten. Er habe Spielräume ausgelotet und im pädagogischen Sinne genutzt.

Wagner habe sich nie hinter Formalien versteckt, sagte Harald Vogler von der Kegelbergschule, der auch im Namen der anderen Frankenberger Schulleiter herausstellte, dass Wagners Handeln immer am Wohle der Schüler ausgerichtet gewesen sei. In Anlehnung an das Jubiläumsmotto „Zeit“ der Ortenbergschule, die dieses Jahr ihr 100-Jähriges feiert, wünschte Vogler seinem Kollegen, „dass sich das Zeitbudget in positiver Richtung verändern“ wird. Da er die Zeit vermehrt im Schwimmbad verbringen will, überreichte er eine Dauerkarte und eine Bademütze.

Lernen aus eigenem Antrieb

„Mehr als einen kleinen Grenzverkehr“ gebe es zwischen der Ortenberg- und der Edertalschule, verwies Schulleiter Stefan Hermes auf die zahlreichen Kooperationen und Hilfen zur gegenseitigen Unterstützung.

Seinen großen „Respekt vor der bildungspolitischen Arbeit“ zollte Landrat Dr. Reinhard Kubat dem scheidenden Schulleiter. Auch dies habe zu der besonderen Atmosphäre geführt, die an der Schule herrsche. „Die Betrachtung muss vom Kind ausgehen“, erinnerte Kubat an die Grundüberzeugung des Pädagogen Johann Comenius (1592-1670), dem Namensgeber des europäischen Bildungsprogramms, das seit vielen Jahren auch an der einstigen Frankenberger Stadtschule verfolgt wird. „Lernen muss und soll aus eigenem Antrieb heraus erfolgen.“

Frankenberg und die Ortenbergschule habe Erhard Wagner viel zu verdanken, sagte Bürgermeister Rüdiger Heß. Mit Ehrgeiz, Einsatz und Impulsen habe er die Schule weiterentwickelt.

Sogar ins Herz geschlossen

Für die musikalische Unterhaltung sorgte das Schulorchester mit Bläsern der fünften bis zehnten Klasse. Für die Schulgemeinde dankte Elternbeiratsvorsitzender Thorsten Siemon für die gute Zusammenarbeit. Vertreter der Klassen 9c und 9d verabschiedeten sich mit persönlichen Worten, Charakterisierungen und Kurzgeschichten von und über Erhard Wagner von ihrem Lehrer. „Sie sind der beste Schulleiter, den man sich wünschen kann“, sagte Schulsprecherin Lisa Bitici. Der Name Erhard Wagner stehe unter anderem für Verlässlichkeit und ein offenes Ohr auch in der größten Hektik. „Über all die Jahre haben wir sie sogar etwas ins Herz geschlossen.“

Mit einem lustigen Quiz „Wer wird Pensionär“ und einem „Wagner ABC“ verabschiedete sich das Kollegium mit der künftigen kommissarischen Schulleiterin Cornelia Schönbrodt an der Spitze von Erhard Wagner. Sie beschrieb jeweils mit mindestens 26 Wörtern die Persönlichkeit, die Eigenschaften des Schulleiters und das Profil der Schule und arbeitete dabei die große Schnittmenge heraus. Vor dem Gebäude schickten die Lehrer dann Ballons in die Luft.

Erhard Wagner verzichtete zu seinem Abschied auf eine lange Reden - und reduzierte seine Ansprache auf den Verweis auf die wesentliche Überzeugung, die sein Handeln bestimmt haben. „Die Kinder lagen mir am Herzen“, er habe stets versucht sie darauf vorzubereiten, „dass sie ein selbstbestimmtes Leben führen können“. (rou)

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