Paddeln wie ein Indianer

HNA-Volontär Marc Hörcher ruderte mit Frankenberger Kanu-Club auf dem Edersee

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Zu zweit im Vierer-Kanadier: HNA-Volontär Marc Hörcher (links) lässt sich von Christoph Böttner das Paddeln auf dem Edersee erklären. Der Hintermann ist neben dem Paddeln auch fürs Steuern zuständig.

Vöhl/Frankenberg. Wie fühlt es sich eigentlich an, mit einem Kanadier und mit einem Kajak über den Edersee zu paddeln? HNA-Volontär Marc Hörcher, der zuvor noch nie in einem Kanu saß, hat es in unserer Serie "Mittendrin" ausprobiert.

Ich halte das Doppelpaddel in beiden Händen. Mit festem Griff, aber ohne zu verkrampfen. Tauche das Blatt des Paddels rechts ins Wasser, senkrecht zur Achse des Boots. Die beiden Blätter des Paddels sind zueinander verdreht. So bietet das Blatt, das ich links in die Höhe halte, weniger Angriffsfläche für den Wind.

Heute ist es allerdings windstill. Und angenehm sonnig. Der Bootstyp des Kajaks wurde erstmals von den Inuits benutzt. So kalt wie in der Arktis ist das Wasser aber heute zum Glück nicht: Die Wassertemperatur im Edersee beträgt 25 Grad. Deswegen darf ich bei meiner allerersten Fahrt in einem Kajak auch ausnahmsweise auf eine Schwimmweste verzichten - nachdem ich meinem Lehrer Manfred Ries vom Frankenberger Kanu-Club versichert habe, dass ich schwimmen kann.

Ich drehe das Doppelpaddel in der Hand - „funktioniert wie das Gasgeben beim Motorrad“ - hat mir Ries vorher erklärt. An Land habe ich schon ein paar Trockenübungen mit dem Paddel gemacht. Jetzt tauche ich das linke Blatt des Paddels ins Wasser. Ries, der hinten im Boot sitzt, ist der Steuermann. Er bestimmt die Fahrtrichtung, indem er sein Paddel wie eine Schiffsschraube ins Wasser hält. Dass diese Aufgabe gar nicht so einfach ist, wie sie aussieht, werde ich später noch merken.

Noch ein Paddel-Zug. Noch einer. Noch einer. Und noch einer. Allmählich stellt sich Routine ein. Puh, das geht ganz schön in die Arme. Macht aber trotzdem Spaß. Die Sonne scheint mir ins Gesicht. Vor mir liegt das blau-grüne Wasser. Was könnte es Schöneres geben?

Bereiten das Boot vor: Manfred Ries (links) und Dieter Irle vom Frankenberger Kanu-Club.

Bei der Fahrt im Kanadier erfordern die Paddel-Bewegungen nicht so viel Muskelkraft wie beim Kajak. Anstelle eines Doppelpaddels habe ich ein Stechpaddel in beiden Händen. Weil ich Rechtshändler bin, halte ich es rechts aus dem Boot. Mein Lehrer ist Christoph Böttner. Er sitzt hinten, hält sein Paddel zur linken Seite ins Wasser. Das Boot ist nach oben offen. Wieder sitze ich vorne. Urspünglich wurde dieser Bootstyp von den Trappern und Indianern benutzt, um auf den Flüssen in Nordamerika entlangzuschippern. Ich wandele also sozusagen auf den Spuren der amerikanischen Ureinwohner, wenn ich mich über den See bewege.

Von Marc Hörcher 

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Quelle: HNA

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