Paketbote kassierte 2237 Euro in bar und verspielte alles

Frankenberger Land. Wegen Unterschlagung ist ein Mitarbeiter eines Paketdienstes zu einer Haftstrafe von einem halben Jahr - ausgesetzt auf Bewährung - verurteilt worden. Er hatte die für ein abgeliefertes Paket vom Kunden bar gezahlten 2237 Euro behalten - und dann verspielt.

Der 29-Jährige zeigte sich vor dem Frankenberger Amtsgericht geständig. Durch die langen Arbeitszeiten beim Paket-Dienst-Unternehmen - mit Anfahrzeiten von 5.30 bis 21 Uhr - sei er sozial vereinsamt und spielsüchtig geworden, erläuterte er. Durch die Spielsucht hätten sich Schulden angehäuft.

An dem Nachmittag im November 2015 habe er kein Geld mehr im Portemonnaie gehabt und deshalb von dem eingenommenen Betrag zunächst Zigaretten und Getränke gekauft. Er sei dann in eine Spielothek gegangen, um das Geld zurückzugewinnen. Stattdessen habe er alles verloren.

„Ich habe es dem Arbeitgeber gleich mitgeteilt“, sagte er vor Gericht. Er war fristlos entlassen worden, sein noch ausstehendes Gehalt von 420 Euro hatte der Arbeitgeber einbehalten.

„Schade, dass es erst diesen Krach geben musste, bevor ich mir Hilfe holte“, erläuterte er. Er bearbeite nun mit Hilfe seine Spielsucht und habe auch einen ersten Termin bei der Schuldnerberatung gemacht. 12.000 Euro haben sich angehäuft. Die zahle er mit monatlich 150 Euro zurück. Glücklicherweise habe er eine Festanstellung als Kurierdienst-Fahrer in einer anderen Firma.

„Anderen kann ich gut helfen, mir selbst nicht“, sagte er und schilderte, dass er sein Leben lang die Mutter bei der Versorgung eines behinderten älteren Bruders unterstütze.

Richterin Andrea Hülshorst hielt dem 29-Jährigen sein Geständnis und seine Anstrengungen, die Schulden zurückzuzahlen, zugute. Wegen des hohen Betrags, den er unterschlagen hatte, und wegen eines ähnlichen Deliktes im November 2014 hielt sie eine Haftstrafe aber für notwendig.

Sie setzte die Strafe auf drei Jahre zur Bewährung aus und machte dem Angeklagten zur Auflage, in dieser Zeit neben drei weiteren Terminen bei der Schuldnerberatung auch regelmäßig einen Bewährungshelfer aufzusuchen. „Denn es ist schwer aus dem Spielsucht- und Schuldensumpf herauszukommen“, machte sie deutlich.

Dem Paketdienst muss der 29-Jährige die noch verbleibenden 1816 Euro in monatlichen Raten von 100 Euro zurückzahlen. Sie habe die Rate extra gering gehalten - die Staatsanwaltschaft hatte 200 Euro gefordert -, um dem jungen Mann die Chance zu geben, sein Leben wieder zu ordnen. Der Angeklagte nahm das Urteil an.

Das sagt der Paketdienst: Trotz des immer beliebter werdenden Online-Einkaufs mit Kreditkarte oder anderen Zahlungsarten werden auch weiterhin Waren per Nachnahme ausgeliefert, sagt der Pressesprecher des Paket-Dienstes, dessen Mitarbeiter jetzt vor dem Frankenberger Amtsgericht stand. Vor allem Versandhäuser böten diese Zahlungsart ihren Kunden an. Barzahlung werde von vielen Kunden ausdrücklich gewünscht.

Meist handele sich bei den Lieferungen um Bekleidungsstücke. Da kämen so hohe Summen wie die 2237 Euro, die der Angeklagte behalten und verspielt hatte, nur selten zusammen. In diesem Fall könnte ein elektronisches Gerät ausgeliefert worden sein.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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