Gemünden und Wohra wollen Kassen zusammenlegen

Partner über die Kreisgrenze hinweg

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Gemeinsame Kasse? Wohratals Bürgermeister Peter Hartmann und sein Gemündener Amtskollege Frank Gleim (rechts) wollen die die Kreisgrenze übergreifende Interkommunale Zusammenarbeit im Bereich des Kassen- und Finanzwesens prüfen.

Gemünden/Wohratal - Näher rücken, Grenzen überwinden: Das wollen Gemünden und Wohratal. Die Stadt und die Gemeinde wollen ihre Finanzverwaltungen zusammenlegen. Magistrat und Gemeindevorstand haben bereits grünes Licht gegeben.

Gut fünf Kilometer liegen zwischen Gemünden und Wohra – aber auch eine Kreisgrenze und die Grenze eines Regierungsbezirkes. Für die Bürger bestehen diese nur auf dem Papier: Gemündener fahren nach Halsdorf zum Arzt, Hertingshäuser kaufen in Gemünden ein, Wohraer nutzen das warme Freibad in der Bunstruth regelmäßig. Das Vereinsleben befruchtet sich gegenseitig, und Wohratals Bürgermeister Peter Hartmann hat als Mitglied der Bürgergarde gar schon einmal das Rathaus Gemündens erobert und auf Frank Gleims Stuhl Platz genommen.

Dieses Miteinander soll künftig auch auf offizieller Ebene etabliert werden. In einigen Bereichen funktioniert das schon, etwa wenn sich die Bauhöfe Geräte leihen, wenn bei Starkregen auch Gemündener Wasserwärter den Wohrastau hinter der Gemeindegrenze überwachen. Doch Peter Hartmann und Frank Gleim streben eine noch tiefere Zusammenarbeit an. Eine, die durchaus empfindliche Bereiche der Kommunen berührt: die Finanzen.

„In beiden Kommunen haben Magistrat und Gemeindevorstand bereits zugestimmt“, berichtet Gemündens Bürgermeister Frank Gleim freudig: Die höchsten politischen Gremien wollen diese Art der interkommunalen Zusammenarbeit offenbar und beauftragen die beiden Kommunen, Spielräume und Potenziale auszuloten. Weder Gleim noch Hartmann können allerdings bislang beziffern, wie viel Einsparpotenzial es gibt. „Doch noch werden derartige Projekte auch gefördert“, betont Amtskollege Gleim. Mit insgesamt bis zu 50000 Euro können die Kommunen rechnen, wenn sie nachweislich jährlich mindestens 15 Prozent Kosten einsparen.

„Hier geht es mittelfristig um Sach-, aber auch um Personalkosten“, sagt Peter Hartmann – betont aber zugleich, dass keinesfalls umgehend Personal abgebaut werden solle. Vielmehr gehe es um die bessere Verteilung von vorhandenem Fachwissen: „Wir halten hier die Kompetenz vor und fünf Kilometer weiter noch mal“, sagt Gleim. Zugleich sei die Personaldecke so dünn, dass etwa eine längere Krankheit an entscheidender Stelle dazu führen kann, dass die Haushalte nicht rechtzeitig fertiggestellt werden. „Hier könnten wir Abhilfe schaffen“, sagt der Gemündener Bürgermeister.

Neue Software im Wohratal

Die Idee kam dem Rathauschef von Wohratal nach eigenen Worten, als dort der Entschluss fiel, die alte Finanzsoftware zu erneuern. Erster Ansprechpartner sei die Nachbarkommune Rauschenberg gewesen, eben weil beide Kommunen im Landkreis Marburg-Biedenkopf liegen. Die Antwort sei zurückhaltend gewesen, also habe er sich an die vielfältigen Verbindungen in die Bunstruth erinnert, sagt Hartmann. Praktisch, dass Gemünden das System nutzt, auf das auch Wohratal umrüsten möchte.

Der Zeitplan der beiden Rathauschefs ist stramm: „Wir wollen das nicht auf die lange Bank schieben“, sagt Hartmann. Er wünsche sich eine schnellstmögliche Prüfung durch die Verwaltungen, um dann bereits – bei Zustimmung der Parlamente – ab dem 1. Januar 2015 zusammenarbeiten zu können. Wenn das zu knapp würde, könne er sich aber auch einen Start ein Jahr später vorstellen.

Und der Plan umfasst große Bereiche der Verwaltungen: von der Stadtkasse mit Bürgerkontakt über das Eintreiben von Steuern bis zum Erstellen der Haushaltspläne – im Fall Gemündens also von der Ebene der Sachbearbeiter bis hin zum Büroleiter. Ähnlich sieht es in Hartmanns deutlich kleinerer Verwaltung aus. „Wir haben natürlich schon Gespräche geführt“, sagt er – die Kollegen stünden voll hinter der Idee.

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