Frankenberger Sperrstunde wird verlängert

Die Party endet künftig schon um 3 Uhr

+

Frankenberg - Die Diskussion war laut und vielschichtig, die Entscheidung hat länger gebraucht, als erwartet – jetzt liegt sie vor: Die Sperrstunde in Frankenberg und seinen Stadtteilen beginnt künftig um 3 Uhr in der Nacht.

Schockiert zeigt sich Benjamin Battefeld, Betreiber der Diskotheken Bonkers und Utopia, von einer Entscheidung, die lange auf sich hat warten lassen: Die Sperrstunde in Frankenberg wird verlängert. Statt bis um 5 Uhr darf ohne Ausnahmegenehmigung künftig nur noch bis um 3 Uhr gefeiert werden. Das hat Bürgermeister Rüdiger Heß gestern entschieden. In Kraft tritt die Verordnung am 1. April.

Überrascht ist Battefeld weniger darüber, dass die Sperrstunden-Verlängerung kommt, als darüber, wie plötzlich sie aus seiner Sicht kommt: „Der Landrat hat für Freitag noch zu einer Gesprächsrunde nach Korbach geladen“, sagt er und fügt an: „Und ich war informiert, dass das Thema noch einmal in die Stadtverordnetenversammlung kommt“. Doch das Parlament hat in Sachen Sperrstunde nichts zu entscheiden – das muss der Bürgermeister als Ordnungsbehörde ganz allein. Nach mehr als viermonatiger Diskussion hat er das getan – mit nicht wirklich überraschendem Ergebnis. Das orientiert sich an der Situation in Korbach und Willingen.

Keine leichte Entscheidung

Leicht gemacht haben will es sich der Rathauschef allerdings nicht: „Es gibt viele Entscheidungen, die trifft man nicht zu 100 Prozent aus vollem Herzen“, gesteht er ein. Auch deshalb sei die Verlängerung der Sperrstunde vorerst auf ein Jahr begrenzt: „Danach wollen wir im Präventionsrat erneut beraten und schauen, was es gebracht hat“, kündigt Heß an. Er hofft auf einen ähnlichen Rückgang der Körperverletzungen nach 3 Uhr wie in der Kreisstadt. Die Zahlen der Polizei (FZ berichtete) hätten für ihn auch den maßgeblichen Ausschlag gegeben, sich für eine Sperrzeit-Verlängerung zu entscheiden.

Den Automatismus, dass eine Verbesserung der Situation nach einem Jahr zur Beibehaltung der Sperrzeit ab 3 Uhr und eine Verschlechterung zur Verschärfung der Zeiten führen würde, sieht Heß nicht: „Wenn wir an einen Punkt kommen, an dem man bis 5 Uhr friedlich feiern kann, dann kann man die Entscheidung auch wieder zurücknehmen“, erklärt er. Es gehe nicht darum, „das Feiern zu vermiesen“, sondern darum, die öffentliche Ordnung zu bewahren. Als zweiten Schritt möchte Rüdiger Heß daher das Thema Prävention angehen. Das „Vorglühen“ daheim oder aus dem Kofferraum müsse zurückgefahren, die Jugend für die Problematik des Alkohol-Missbrauchs sensibilisiert werden.

Betreiber sieht schwarz

Für Disco-Betreiber Benjamin Battefeld sind das hohle Worte: „Da entscheidet einer, der von der Thematik gar keine Ahnung hat“, sagt er resigniert. Er geht davon aus, dass die Entscheidung der Verwaltung dem Familienunternehmen die wirtschaftliche Grundlage nimmt. „Wir werden in den nächsten Wochen sehen, wie die Leute reagieren. Das wissen die sicher selbst noch nicht“, mutmaßt er – und gibt zu bedenken: „Man kann die Menschen nicht umerziehen.“ Bevor die Kunden auf frühere Öffnungszeiten oder andere Angebote reagierten, würden sie eher woanders hinfahren, mutmaßt er – und viele Kommentare zur Entscheidung im Internet sprechen eine ähnliche Sprache.

Ohnehin kritisiert Battefeld als Hauptbetroffener die Kommunikationspolitik der Stadtverwaltung: „Faktisch kann ich seit November nicht mehr richtig planen, weil ich nicht weiß, wann eine Entscheidung kommt und wie sie ausfällt“, sagt er mit Blick auf die vergangenen Monate. Jetzt habe er noch zwei große Namen im Programm – „die habe ich einfach mal auf Verdacht gebucht“. Dass sich ihr Engagement trotz der verlängerten Sperrzeiten lohnt, hofft er – bezweifelt es aber. „Ganz ehrlich sehe ich für unsere Zukunft schwarz“, gibt der Unternehmer unumwunden zu. Ein Aus der Diskotheken würde auch für gut 60 meist geringfügig Beschäftigte den Verlust ihres Einkommens bedeuten.

Kommentare