Forensik-Beirat in Haina

"Passiert definitiv nicht wieder"

Im Mai und im Oktober rückte die Polizei nach Haina aus: Im Frühjahr war ein Forensikpatient ausgebrochen, im Herbst hatte eine Patientin mit Geschirr um sich geworfen. Archivfoto: Glotz

Haina (Kloster) - Seit Frühjahr ist es in der Klinik für forensische Psychiatrie zu insgesamt zwei Vorfällen gekommen: Im Mai brach ein Patient aus, im Oktober musste die Polizei bei einer Patientin Pfefferspray einsetzen.

In der Sitzung des Forensikbeirates informierte Dr. Silke Kielisch, stellvertretende Ärztliche Direktorin der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie, am Donnerstagabend noch einmal kurz über die beiden Vorfälle (die FZ berichtete jeweils). Wie schon im Frühjahr machte Vitos-Geschäftsführer Ralf Schulz keine Angaben, wie der Patient in Freiheit gelangt war, um ein Nachahmen zu vermeiden. Allerdings betonte er, dass die Klinik daraus Konsequenzen gezogen habe. Ein weiterer Ausbruch auf diese Weise „passiert definitiv nicht wieder“. Das bestätigte auch Dr. Silke Kielisch.

Der Patient war in der Nacht zum 16. Mai aus der Klinik für forensische Psychiatrie ausgebrochen. Seine Flucht endete nach nur 19 Stunden genau dort, wo sie begonnen hatte: in Haina. Nachdem der Mann einen großen Kreis durch den Wald gelaufen war, sprach er in Haina eine Joggerin an. Er hatte Hunger und war auf der Suche nach einer Einkaufsmöglichkeit. Die Frau hatte jedoch die Fahndung im Rundfunk verfolgt und alarmierte die Polizei, die ihn Minuten später festnahm und noch am selben Abend wieder in die Forensik brachte.

Den ganzen Tag lang hatte die Frankenberger Polizei nach dem Mann gefahndet. Dabei hatte sie Unterstützung von Beamten aus Korbach, Fritzlar und Kassel bekommen.

Ende Oktober riefen Mitarbeiter der Station G9.1 die Polizei zu Hilfe: Eine relativ große, starke Patientin hatte sich nach Angaben von Dr. Silke Kielisch über Kleinigkeiten erheblich aufgeregt und konnte sich nicht beruhigen. Sie warf mit Geschirr um sich und das Pflegeteam auf der Station konnte sie nicht überwältigen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Deshalb rief die Stationsärztin die Polizei zu Hilfe, die die Situation mit dem Einsatz von Pfefferspray beendete. Die Patientin beruhigte sich dann schnell: „Als das Geschirr alle war, war auch die Erregung abgeklungen“, sagte Kielisch. Bei dem Vorfall wurde niemand verletzt, für die Bevölkerung bestand zu keinem Zeitpunkt Gefahr.

Dass die Polizei hinzugerufen wird, sei eine „absolute Seltenheit“, betonte Dr. Kielisch. In den vergangenen 20 Jahren sei dies erst das zweite Mal gewesen, dass die Mitarbeiter in dieser Form Unterstützung von Beamten brauchten.

Über die Klinik für Forensik informierten sich einige Beiratsmitglieder im Anschluss bei einem Rundgang über die Stationen 6.1 und 7.7. In der ersten sind Patienten ohne kurz- oder mittelfristige Entlassungsperspektive untergebracht, in der zweiten werden Patienten behandelt, die vergleichsweise schnell wieder entlassen werden können. Sie bleiben höchstens zwei Jahre.

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