Anklage wegen Körperverletzung im Amt

Paukenschlag im Prozess gegen Polizeibeamten

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Neuer Tatort: Hier soll sich nach Angaben des angeklagten Polizisten der Vorfall ereignet haben. Foto: Mark Adel

Frankenberg - Am Ende des vierten Verhandlungstages hat der wegen Körperverletzung im Amt angeklagte Polizist gestern angegeben, der Vorfall habe sich an einer anderen Stelle in Röddenau ereignet. "Ich habe mich in der Straße vertan", sagte er - und machte dabei keineswegs einen kleinlauten Eindruck. "Er ist sich sicher", sagte sein Verteidiger Heinrich Göbel.

Der 34-Jährige ist angeklagt, am Abend des 23. Oktober 2012 einen Jugendlichen mit einem Teleskopschlagstock geschlagen und verletzt zu haben. Der Angeklagte gibt an, in Notwehr einen „Abwehrschlag“ mit dem Handballen gesetzt zu haben. Weder der Polizist, der damals mit dem Angeklagten auf Streife war, noch Zeugen hatten in ihren Aussagen bislang die Stelle des Vorfalls bezweifelt.

Zu einem ersten Ortstermin war der Angeklagte nicht erschienen. Nun soll in der nächsten Woche ein neuer Termin am Tatort Licht ins Dunkel bringen. Die Kreuzung, an der sich nach den neuen Angaben des Angeklagten der Vorfall ereignet hat, befindet sich etwa 200 Meter vom in der Anklageschrift angegebenen Tatort entfernt. Er erinnere sich noch, wie sein Kollege den Streifenwagen in einem Zug gewendet habe, sagte der angeklagte Polizist gestern. Dies sei an der anderen Kreuzung gar nicht möglich. Er habe sich die Stelle nochmals angesehen.

Staatsanwältin Kerstin Brinkmeier machte ihrem Unmut Luft. „Verschaukeln kann ich mich ganz alleine, da brauche ich Sie nicht für“, sagte sie in Richtung des Angeklagten. „Von einem Polizeibeamten so eine Nummer, das ist ein starkes Stück.“ Als Zeuge sagte gestern ein 22-Jähriger aus, der am Tattag die Jugendgruppe, mit der das mutmaßliche Opfer unterwegs war, mit Alkohol versorgt hatte. Am nächsten Tag habe er das vermeintliche Opfer und andere Mitglieder der Gruppe wiedergetroffen. „Mir wurden mehrere Versionen gesagt, wie es passiert ist“, sagte der junge Mann aus.

Das vermeintliche Opfer habe er seit neun Monaten nicht mehr gesehen - eine Aussage, die Richterin Andrea Hülshorst anzweifelte: In einer Verhandlung vor wenigen Wochen, in der der Zeuge wegen Diebstahls und Einbruchs angeklagt war, hatte er angegeben, das mutmaßliche Opfer am Tag der Tat am 29. Juli 2014 gesehen zu haben.

Von Mark Adel

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