Langjähriger Leiter der Theater-AG der Edertalschule

Paul Möllers geht mit gutem Gefühl

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Paul Möllers ist eine Institution in Frankenberg: 28 Jahre lang führte er Regie bei den Produktionen der Theater-AG der Edertalschule. Jedes Jahr im Mai zeigten sie im alten Lokschuppen ein neues, überraschendes Stück.Foto: Patricia Kutsch

Frankenberg - Paul Möllers ist das Gesicht der Theater-AG der Edertalschule, dabei kam er nur zufällig zum darstellenden Spiel. Nach 28 Jahren gibt er die Regie ab und geht mit dem Ende des Schuljahres in den Ruhestand. Doch ganz ohne Theater kann er nicht.

„Zum Theater kam ich wie die Jungfrau zum Kinde“, sagt Paul Möllers. Bis vor 28 Jahren hatte er mit Schauspiel nichts zu tun. Zwar hatte der Marburger Germanistik studiert und auch Theaterstücke gesehen, „mein Schwerpunkt war es aber nicht“.

Das änderte sich, als sein Vorgänger als Leiter der Theater-AG, Manfred Berger, 1986 einen Nachfolger suchte. „Ich habe spontan zugesagt und dann gemerkt, dass ich eigentlich keine Ahnung habe“, gibt Möllers freimütig zu. Damals war er gerade zwei Jahre an der Edertalschule, hatte zuvor vier Jahre an der Korbacher Berufsschule unterrichtet - und begann dann, viele Fortbildungen zu besuchen, während er mit den Schülern an „Hexenjagd“ von Arthur Miller arbeitete.

Der Marburger ist nicht nur bei der Theater-AG geblieben, sondern auch bei den Fortbildungen. Die besucht er nicht mehr selbst, sondern bildet mittlerweile Lehrer aus - „das werde ich auch über den Ruhestand hinaus noch ein paar Jährchen weitermachen“. Erhalten bleiben will er auch dem Organisationsteam der hessischen Kinder- und Jugendtheaterwoche in Marburg. „Ich gehe also nicht gleich auf null.“

Diesen Aufgaben kann er sich in seinem Ruhestand beruhigt widmen, denn mit Thorsten Jech hat er einen Nachfolger für die Leitung der Theater-AG an der Edertalschule gefunden. „Ich hätte es fürchterlich gefunden, wenn die AG eingeschlafen wäre“, sagt Möllers. Viele erfahrene Darsteller und Techniker gehören mittlerweile zum Team - die durch die jährlichen Aufführungen ihre Erfahrungen an Neulinge weitergeben. Schliefe die AG ein, würde der Erfahrungsschatz verloren gehen.

„Die Erleichterung ist größer als die Wehmut“, sagt Möllers kurz vor seiner Pensionierung. Mit 62 Jahren geht er zum frühestmöglichen Zeitpunkt in Rente. „Ich habe lange genug gearbeitet, es war wunderschön, aber anstrengend.“ Die Theaterarbeit mit den Schülern werde ihm trotzdem fehlen: „Diese Art des Unterrichts hat eine ganz andere Qualität, wir arbeiten viel intensiver zusammen - und es gibt keine Noten.“

Möllers war es wichtig, dass die AG jedes Jahr ein Stück vorführt - 28 Jahre gab es keine Unterbrechungen. „Es ist notwendig, dass man auf ein Ziel hinarbeitet“, erklärt Möllers. „Sonst proben die Schüler nicht konzentriert und ernsthaft.“ Wer sich am Anfang des Schuljahres für die Theatergruppe entschieden habe, wusste genau, dass im Mai auch ein Stück aufgeführt wird. „Dann werden auch Entscheidungen schneller getroffen.“ Beispielsweise für das Stück, das aufgeführt wird. Das hat Möllers nie einfach vorgegeben, sondern mit den Schülern gemeinsam ausgewählt.

Eine Lieblingsaufführung hat Möllers rückblickend nicht: „Das ist wie bei Kindern: Man liebt sie alle.“ Gern denkt er aber an das „Kaspar-Hauser-Projekt“ zurück. Es war das erste Stück, dass die AG 1994 im Lokschuppen aufführte und dabei einen riesigen Raum mit Ölgeruch, Eisenträgern und nackten Mauern bespielte. „Wir haben das Ambiente genutzt, um die Verlorenheit von Kaspar Hauser zu präsentieren.“

Nie spielen wollte Möllers Agatha Christie. „Das erfordert eine realistische Spielweise, die mit einem Schülertheater nicht umsetzbar ist.“ Realistische Spielweise sei Sache ausgebildeter Schauspieler. „Die Schüler können dafür sehr schön typisieren und körperlich spielen.“ Beispielsweise könne eine 18-Jährige den überspitzen Typ Oma spielen - aber niemals eine realistische Oma.

Mit dem Beginn der Sommerferien freut Möllers sich auf seinen Umzug innerhalb von Marburg. „Da wartet viel körperliche Arbeit auf mich.“ Außerdem beschweren seine vier Enkel im Alter von drei bis sieben Jahren sich, dass Opa so wenig Zeit für sie habe - das will er nun ändern. „Außerdem haben meine Frau und ich ein Wunschbuch angelegt und gesammelt, wohin wir gerne fahren würden.“ Eine Weltreise ist nicht dabei, weil Möllers sich in einem „Blechkasten“ nicht wohlfühlt. „Ein Radweg in Deutschland ist auf der Liste und ein Opernbesuch in Lissabon“, verrät der Lehrer. Von den ehemaligen Theatermitgliedern hat er zudem einen Ruhesessel bekommen, in dem er morgens ausgiebig Zeitung lesen möchte. (pk)

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