Christian Leppin unterrichtet seit drei Jahren an der Ortenbergschule in den Klassen eins bis zehn

Die perfekte Kombination gefunden

Frankenberg - Die Möglichkeit, die „Großen“ im Sportunterricht und in der Arbeitslehre zu motivieren und die unmittelbaren Reaktionen der jüngsten Schüler auf gelungenen Unterricht - das macht für Christian Leppin seinen Beruf aus.

„Es passt einfach gut, weil alles unter einem Dach ist“, sagt Christian Leppin über seine Arbeit an der Ortenbergschule: Denn dort kann der 33-Jährige sowohl Grundschüler, als auch Haupt- und Realschüler unterrichten und somut seine beiden Studienabschlüsse nutzen.

Leppin, der von der Insel Usedom stammt und seit 24 Jahren in Frankenberg lebt, ist seit drei Jahren als Lehrer an der Ortenbergschule tätig. Dort hat er auch sein Referendariat absolviert. Eigentlich ist Leppin in der Burgwaldschule angestellt, für zwei Tage pro Woche ist er jedoch an die Grund-, Haupt- und Realschule abgeordnet.

Vom Trainer zum Lehrer

Die Entscheidung, Lehrer zu werden, fällte er erst nach einer kaufmännischen Ausbildung. Schon bald habe er festgestellt: „Das ist es nicht“. Den ganzen Tag vor dem Computer im Büro sitzen, das wollte er nicht 40 Jahre lang tun. Weil er als Fußballtrainer für Kinder und Jugendliche aktiv war und daran großen Spaß hatte, fragte ihn ein Freund, ob er sich nicht vorstellen könne, Lehrer zu werden.

Christian Leppin studierte daraufhin in Gießen Mathematik, Deutsch und Sport auf Grundschullehramt. Dann setzte er noch das Studium der Fächer Arbeitslehre und Sport für die Sekundarstufe I darauf. Anders als viele junge Kolleginnen - gerade an Grundschulen - hatte er das Glück, gleich nach dem Referendariat verbeamtet zu werden. Denn erstens sind Männer im Grundschullehramt sowohl aus pädagogischen als auch aus organisatorischen Gründen sehr gefragt, zweitens brachte er eine Fächerkombination für die Sekundarstufe mit, die gerade gebraucht wurde.

Um jeden Schüler kämpfen

Vor dem Referendariat unterrichtete er an der Hans-Viessmann-Schule EIBE-Klassen (Eingliederung in die Berufs- und Arbeitswelt), darauf folgte der Vorbereitungsdienst an der Ortenbergschule, dann der Wechsel zur Burgwaldschule. Durch seine Arbeit dort erlebt er unterschiedliche Schülergruppen und Strukturen: „An der Burgwaldschule gibt pro Klasse etwa 30 Schüler, von denen viele auch schon recht selbstständig sind. An der Ortenbergschule sind die fünften und sechsten Klassen mit etwa 18 Schülern bewusst klein gehalten“, nennt er Unterschiede.

Und während die Burgwaldschule keine Probleme habe, pro Jahrgang fünf Klassen zu füllen, müsse die Ortenbergschule um jeden Schüler für die weiterführenden Stufe kämpfen.

Das liege auch daran, dass viele Menschen ein falsches Bild von der Ortenbergschule hätten, sagt Leppin: Wenige Einzelfälle hätten dafür gesorgt, dass manche Menschen die Haupt- und Realschule mit „Bocklosigkeit“ und Verweigerung verbänden.

Er selbst habe das in seiner Zeit als Edertalschüler auch schon so wahrgenommen. „Dabei stimmt das nicht“, betont der 33-Jährige. „Unter den 570 Schülern sind vielleicht fünf, die Ärger machen. Und alle anderen müssen mit dem Ruf leben. Dabei sind unsere Schüler genau so wie alle anderen, wenn es auch manche mit einer schwierigen Vorgeschichte gibt.“ Er fände es schön, „wenn das Bild von der Ortenbergschule in den Köpfen der Frankenberger positiver wird.“ Oft werde vergessen, dass viele Kinder, die die ersten vier Jahre an der Ortenbergschule unterrichtet wurden, anschließend am Gymnasium tolle Leistungen brächten.

Christian Leppin ist froh, Schüler von der ersten bis zur zehnten Klasse unterrichten zu können: Während er bei den „Großen“ aufgrund seiner Fächer Arbeitslehre und Sport die Möglichkeit habe, sie zu motivieren und Spaß zu vermitteln, sei die Arbeit mit den Kleinen auch etwas Besonderes: „Die Grundschulkinder haben eine unheimliche Energie, aber dort bekommt man auch die schönsten Rückmeldungen“, berichtet er. Grundschüler zeigten immer unmittelbar Missfallen oder Wertschätzung - „und zwar minütlich, sogar sekündlich“, beschreibt Leppin. „Man weiß sofort, ob der Unterricht gelungen ist. Ich glaube nicht, dass es viele andere Jobs gibt, in denen man in so direktem Kontakt zu den ‚Abnehmern‘ steht“, schmunzelt er.

Anders als nach der kaufmännischen Ausbildung ist sich Leppin nach sechs Jahren im Beruf noch immer sicher, den richtigen gewählt zu haben: „Bis heute habe ich es keinen Tag bereut“. Geht es nach ihm, würde er - wie viele Kollegen vor ihm - bis zur Pension an den beiden Frankenberger Schulen bleiben; nicht nur, weil er dort die Kombination aus Schulformen findet, für die er studiert hat, sondern auch, weil er seinen Lebensmittelpunkt in der Region gewählt hat. Mit seiner Frau Maria baut er derzeit ein Haus in Haine aus und um.

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