Röddenau

Pfarrer Jammer tritt in Ruhestand

- Röddenau (gi-). Pfarrer Heinrich Jammer, Seelsorger der evangelischen Kirchengemeinde Röddenau/Haine, wird am Sonntag um 13.30 Uhr in der fast 200 Jahre alten Röddenauer Sandsteinkirche in den Vorruhestand verabschiedet.

Das große alte Pfarrhaus in der Frankenberger Straße ist bereits geräumt: „Ab sofort bin ich ein ganz normaler Röddenauer und wohne fortan in unserem Haus in der Feldstraße 14“.

Heinrich Jammer ist kurioserweise ein katholischer Christ. Er wurde am 5. Juni 1947 in einem katholischen Krankenhaus in Marburg geboren. Da er ein schwächliches Baby war, drängte eine katholische Ordensschwester auf „sofortige Taufe“. Und so geschah es – die Familie Jammer aus Oberweimar bei Marburg hatte plötzlich einen kleinen katholischen Heinrich im Hause.

Eine weitere Taufe oder „Umtaufe“ fand nicht statt. Dieser Umstand hinderte den Heinrich nicht daran, später evangelischer Pfarrer zu werden.

Fernmeldetechniker

Sein Vater betrieb in Oberweimar eine Schuhmacherei und war außerdem Nebenerwerbslandwirt. Sohn Heinrich besuchte 13 Jahre die Volksschule, schloss dann eine Lehre als „Fernmeldetechniker“ ab und diente danach 18 Monate bei der Bundeswehr. „Eigentlich wollte ich schon immer Prediger werden, aus innerer Berufung heraus“, so Jammer gegenüber der FZ. Er sei damals Mitglied im Jugendbund der evangelischen St.-Chrischona-Gemeinschaft gewesen. Ein evangelischer Theologieprofessor gab ihm dann den entscheidenden Anstoß: „Wir brauchen engagierte Seiteneinsteiger in unserer Landeskirche.“ Heinrich Jammer machte sich auf den Weg!

Im Kasseler Institut der Landeskirche „büffelte“ er von 1969 bis 1973 erfolgreich für mittlere Reife und Abitur, um dann von 1974 bis 1980 an der Philipps-Universität Marburg evangelische Theologie zu studieren. Sein Vikariat absolvierte er in Jesberg und Cölbe. Jammer: „1983 war mein absolutes Volljahr“. Er bestand das zweite theologische Examen, heiratete seine Frau Uta, trat seine erste Pfarrstelle in Wollrode bei Guxhagen an und wurde außerdem Vater seiner Tochter Maria. – Tochter Karin wurde 1985 und Sohn Johannes 1986 geboren.

Nach Röddenau kam Familie Jammer im Jahr 1988: „Wir sind herzlich aufgenommen worden. Ich trat die Nachfolge von Pfarrer Friedrich-Karl Frischmeyer an“. Vor allem das riesige Pfarrhaus mit dem großen Garten hatte es der jungen Familie angetan: Einzug am 22. August 1988, vor fast genau 21 allzu schnell verflossenen, erfolgreichen Jahren.

Als Heinrich Jammer 1997 seinen 50. Geburtstag feierte, bereitete ihm seine Gemeinde ein fulminantes Fest; es wurde ihm unter anderem für seinen weißen Talar eine neue Stola geschenkt: „Das alles hat uns motiviert, für den Rest der Amtszeit in Röddenau zu bleiben und hier auch unseren Wohnsitz zu nehmen.“ Warum schlüpfte Jammer 1989 erstmals in einen „weißen Talar“? Er sei Mitglied der Michaelbruderschaft“, wie auch der verstorbene Bischof Christian Zippert: „Dort gehört der weiße Talar zur normalen liturgischen Gewandung“.

Mehr Herzblut

Würde er noch mal Pfarrer werden? „Aber klar, sogar noch mal als Seiteneinsteiger ...“ Letztlich auch deshalb, „... weil Menschen Menschen brauchen. Und da wollte und will ich helfen“. Aber nun sei er Röddenauer, „... im kirchlichen Bereich werde ich aber Vorsitzender des Kirchenkreisbauausschusses bleiben“. Darum sei er gebeten worden. Ehefrau Uta will vorläufig auch weiterhin den von ihr gegründeten kirchlichen Singkreis leiten.

Muss sich in der evangelischen Kirche was ändern? – Pfarrer Jammer: „Ja, die Taufen, Hochzeiten und Konfirmationen sollten mit mehr Herzblut gewichtet werden. Denn bei diesen herausragenden Feiern sind die Menschen offen für die christliche Botschaft. Und sie bleiben möglicherweise künftig aufgeschlossen und ansprechbar für die Kirche.“

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