Polizei: Tierabwehrspray unterliegt keiner waffenrechtlichen Bestimmung

Pfefferspray ist Kassenschlager: dm hat Lieferschwierigkeiten

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Darf legal als Tierabwehrspray verkauft werden: Das Abwehrspray der Firma Ballistol, das die Drogeriekette dm verkauft, ist in vielen Filialen in Nordhessen vergriffen.

Frankenberg Land. Bei der Drogerie-Kette dm im Frankenberger Land ist ein Tierabwehrspray nahezu ausverkauft. Die Nachfrage nach dem Pfefferspray ist so hoch, dass es Lieferengpässe gibt.

In vielen Filialen der Drogeriekette dm klafft im Regal mit den Produkten in Reisegröße eine Lücke. Eigentlich steht hier zwischen Mückenspray, Handdesinfektionsmitteln und Tampons seit Kurzem ein Tierabwehrspray. Doch das Produkt der Firma Ballistol mit der Bezeichnung „Pfeffer KO Fog“ ist ausverkauft. Der Name lässt erahnen, unter welchem Begriff Tierabwehrspray landläufig bekannt ist: Pfefferspray. Die Nachfrage ist hoch.

Wie die HNA auf telefonische Anfrage erfuhr, war das Spray am Mittwoch in den beiden dm-Filialen in Frankenberg und Battenfeld vergriffen, eine Mitarbeiterin der dm-Filiale in Gemünden wollte zu dem Produkt keine Auskunft geben, sie verwies auf die Unternehmenszentrale. Wahrscheinlich erst nächste Woche komme die nächste Lieferung, sagt eine Verkäuferin der Filiale in Battenfeld auf unsere Nachfrage. „Das letzte Spray haben wir heute verkauft.“

Die Nachfrage sei hoch, bestätigen auch andere dm-Märkte in Nordhessen. Besonders seitdem die Zeitung über das Angebot berichtet habe. Gekauft werde das Produkt von Menschen aller Altersgruppen, erfuhr die HNA beispielsweise bei dm-Märkten im Kreis Kassel.

Dm hat das Tierabwehrspray seit dem 9. Mai dieses Jahres im Onlineshop, sagte Geschäftsführer Sebastian Bayer. Seit dem 23. Juni sei es im Sortiment der bundesweit mehr als 1800 dm-Märkte. Die Einführung des Sprays erklärt Bayer so: „Es gab vermehrt Nachfragen von unseren Kundinnen, die ein Tierabwehrspray in gewohnter Einkaufsumgebung kaufen wollten.“ Die Resonanz auf das Spray sei sowohl in den Drogeriemärkten als auch auf Facebook überwiegend positiv. Vereinzelte Kritik nehme man ernst. Wie das konkret aussieht, sagte Bayer nicht.

Konkurrent Rossmann will das Produkt nicht ins Sortiment aufnehmen, sagte ein Sprecher dem „Tagesspiegel“. „Ein Pfefferspray ist im Grunde ein Menschenabwehrspray.“ Der Rossmann-Sprecher erklärte weiter: „Wir sind ein Drogeriemarkt. Bei uns gibt es keine Schlagstöcke, keine Pistolen und auch kein Pfefferspray, solche Produkte überlassen wir lieber dem Fachhandel.“

Offensichtlich gibt es bei dm inzwischen Lieferschwierigkeiten. Auf telefonische Nachfrage der HNA gaben Mitarbeiter einiger Märkte im Frankenberger Land und im Landkreis Kassel an, das Spray nicht mehr vorrätig zu haben. Die Nachfrage übersteige deutlich das Angebot.

Auch im Onlineshop ist das Spray vergriffen. Vorhanden ist allerdings, was beim Testkauf neben dem Tierabwehrspray stand: Ein Taschenalarm, der mit 120 Dezibel Angreifer - ob Tier oder Mensch - verschreckt.

Zur Legalität des Produktes sagt Polizeisprecher Matthias Mänz:

„Tierabwehrsprays unterliegen in der Regel keiner waffenrechtlichen Bestimmung und können daher frei erworben werden. Andere Pfeffersprays stellen einen verbotenen Gegenstand nach dem Waffengesetz dar. Es gibt jedoch Reizstoffsprühgeräte, die über ein BKA- oder PTB-Prüfzeichen verfügen und in Deutschland zugelassen sind. Die Polizei rät grundsätzlich zur Vorsicht im Umgang mit zugelassenen Sprays, da die Anwendung für ungeübte Nutzer ungewollte Folgen haben kann. Der Einsatz von Reizstoffen und Pfeffersprays gegen Menschen stellt in der Regel Straftaten wie Körperverletzungsdelikte dar und kann nur durch bestimmte rechtliche Ausnahmen, wie beispielsweise Notwehrsituationen, gerechtfertigt sein.“

Quelle: HNA

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