Pflanzenschutz: Landwirt setzt bewusst auch auf Chemie

+
Landwirt aus Überzeugung: Der 34-jährige Tobias Canisius mit seinen Töchtern Luise (links) und Sofia vor seinem Traktor und einer noch neuen Pflanzenschutzspritze auf seinem Hofgut in Nordenbeck. Er führt den Hof in achter Generation fort. Seit 600 Jahren wird dort Landwirtschaft betrieben, seit 1780 von seiner Familie und seit 1974 als reiner Ackerbaubetrieb.

Nordenbeck. In einer Serie stellen wir Landwirte und deren Alltag vor - diesmal Tobias Canisius zum Thema Pflanzenschutz.

Nagelneu ist die Spritze, teuer war sie, und moderne Technik mit GPS soll dafür sorgen, dass Pflanzenschutzmittel genau dort landen, wo sie hin sollen. Tobias Canisius hat in eine Maschine investiert, die helfen soll, dass sein Getreide möglichst hohe Erträge bringt.

Der 34-jährige Landwirt betreibt auf 450 Hektar Fläche Ackerbau und ist damit einer der größten Getreideanbauer des Landkreises. Insekten, Pilze, Unkräuter beschädigen immer mal wieder Gerste, Weizen und Raps. Für Canisius gibt es deshalb keine Alternative zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, der zurzeit wegen der Zulassung des Unkrautvernichters Glyphosat politisch diskutiert wird. „Kopfschüttelnd“ verfolgt Canisius die Diskussionen. Er ist überzeugt davon, dass die Mittel, die er mit der Spritze auf seine Felder bringt, gesundheitlich unbedenklich sind.

Als konventioneller Bauer vertraut er auf den technischen Fortschritt und darauf, dass der Pflanzenschutz gesundheitlich unbedenklich ist. „Ich habe drei Kinder, sie sind alle gestillt worden. Ich sehe kein Risiko“, sagt Tobias Canisius über den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel. Zum Beispiel Glyphosat werde vor der Aussaat auf Felder ausgebracht, um Unkräuter zu vernichten. Das Mittel, das auch als Gift bezeichnet werden kann, werde ganz gezielt in stark verdünnter Form eingesetzt.

Er habe kein Interesse daran, viel Chemie anzuwenden, schließlich seien die Stoffe teuer. Noch mehr würde es ihn kosten, ganz darauf zu verzichten. Die ökologische Landwirtschaft erlaubt keine chemischen Pflanzenschutzmittel. Sie ist aufwändiger zu betreiben, und bei der Ernte würden rund 50 Prozent weniger Erträge erzielt. Würden alle großen Betriebe auf Bio umstellen, wäre der Markt überschwemmt, ist Canisius sicher. Denn die Nachfrage nach teurem Bio-Getreide sei begrenzt. Er müsse wirtschaftlich arbeiten und habe eine Familie zu ernähren, betont er.

Er setze auf den so genannten integrierten Pflanzenschutz. Das heißt, er hält eine Fruchtfolge ein, wodurch Krankheiten der Pflanzen von vornherein seltener würden. „Monokultur gibt es bei uns deshalb nie.“ Außerdem würden Faktoren wie Standort, angemessene Bodenbearbeitung und Sortenwahl berücksichtigt. Von der Aussaat bis zur Ernte seien manchmal bis zu fünf Fahrten mit der Spritze übers Feld nötig. „Wir behandeln nur, wenn eine Gefahr für die Pflanze droht.“ Zudem achte er als gewissenhafter Landwirt auf Temperatur, Wind und Luftfeuchtigkeit, um den bestmöglichen Zeitpunkt zu finden, damit das Pflanzenschutzmittel gezielt gespritzt wird.

Der Pflanzenschutz beschäftigt die Bauern permanent. Es gibt Weiterbildungen, Beratung und Versuchshöfe, wo der Einsatz getestet wird. An Geld im Landeshaushalt für solche Zwecke dürfe nicht gespart werden, betont Tobias Canisius. Sein Ziel werde immer sein: „So wenig Pflanzenschutzmittel wie möglich.“

Argumente der Kreisbauernverbände und einen Kommentar zum Thema Glyphosat lesen Sie in der Printausgabe der Frankenberger HNA von Mittwoch.

Quelle: HNA

Mehr zum Thema

Kommentare