Stadt, Kaufleute und Hauseigentümer treiben Umbau der Frankenberger Fußgängerzone voran

In Pflaster und „Zukunft investieren“

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In der Fußgängerzone ist, trotz blauem Himmel, längst nicht alles eitel Sonnenschein. Die Stadt mit Bürgermeister Rüdiger Heß und die Kaufleute um Birgit Faupel und André Kreisz planen eine Sanierung im nächsten Jahr. Foto: Rouven Raatz

Frankenberg - Der Umbau der Bahnhofstraße ist abgeschlossen, die Sanierung der Bremer Straße und der Straße Auf der Nemphe noch Vision. Umso konkretere Vorstellungen haben Stadt, Kaufleute und Grundbesitzer, wie sich Neustädter Straße und Ritterstraße wandeln sollen. Bereits 2014 soll die Fußgängerzone neues Pflaster, Laternen und Grüninseln erhalten.

Innerstädtische Geschäftsquartiere, Business Improvement District, Stadtumbau: Seit Jahren werden verschiedene Modelle in Frankenberg diskutiert, wie die Neustädter Straße attraktiver gestaltet werden könnte - und wie sich dieses Projekt finanzieren ließe (FZ berichtete mehrfach ausführlich). Bereits Bürgermeister Christian Engelhardt setzte Impulse, sein Nachfolger Rüdiger Heß führte die Gespräche fort. Denn bei einem sind sich Stadt, Kaufleute und Anlieger einig. Mehr als 35 Jahre nach Eröffnung der Fußgängerzone besteht dringender Handlungsbedarf: das Pflaster zwischen Juwelier Lexa und Café Nostalgie gleicht einem Wellenteppich; die Ablaufrinnen haben sich zu Stolperfallen entwickelt. Und mit einer modernen Einkaufsmeile hat die Straße wenig zu tun; mal abgesehen von den Fachgeschäften.

Spätestens seit Fertigstellung der Bahnhofstraße ist dieser Handlungsbedarf auch den größten Kritikern der Stadtsanierung bewusst geworden. Der Abschnitt zwischen Bahnhof und Eingang in die Fußgängerzone hat nichts mehr mit einer Asphaltpiste zu tun. Der oft gebrauchte Begriff der Flaniermeile beschreibt hingegen treffend den neuen Zustand: breite Gehwege, blühende Inseln, Ruhebänke: In der Bahnhofstraße ist eine Großstadt-Atmosphäre zu vernehmen. Und so soll auch die Fußgängerzone aussehen.

In diversen Sitzungen, bislang stets hinter verschlossenen Türen, haben Kaufleute mit und ohne die Stadtväter die Zukunft dieser für den Frankenberger Einzelhandel wichtigsten Straße diskutiert. Zuletzt am Montagabend in einer Runde mit den Anliegern, die einen nicht unerheblichen Teil der Kosten einer Sanierung zahlen müssen. Das sehen das Kommunale Abgabengesetz (KAG) und die Straßenbeitragssatzung vor.

Sanierung bereits 2014

Konstruktiv und kritisch bezeichnet Bürgermeister Rüdiger Heß die Diskussion der 40 Anlieger, 20 Parlamentarier und der Stadträte im Konferenzraum der Frankenberger Bank. Von dem Abend sei ein Zeichen ausgegangen, erklärt er gegenüber der FZ. Ein Zeichen, das vor allem für die Stadtpolitik notwendig für jedes weiteres Handeln ist. „Für die Politik ist es wichtig zu wissen, dass die Anlieger den Ausbau wollen.“ Zumindest grundsätzlich. Konkrete Pläne liegen noch nicht vor.

Diese Gedanken soll sich in den nächsten Wochen Bauamtsleiter Karsten Dittmar machen. Doch bereits die Planung kostet Geld - das die Stadt zumindest im Haushalt 2013 nicht hat. Für den 4. Juli wird deshalb eine Sondersitzung der Stadtverordnetenversammlung anberaumt. Beratschlagt werden sollen überplanmäßige Ausgaben: für die Planung des Umbaus der Fußgängerzone und des Bahnhofsgeländes, erklärt Heß.

Auf grobe Rahmendaten hat er sich mit dem Vorsitzenden des Kaufmännischen Vereins, André Kreisz, bereits verständigt: „Wir haben einen Wunschkatalog. Allerdings muss der auch realisierbar sein“, sagt der Kaufmann und verweist auf diverse KVF-Sitzungen zu diesem Thema. „Wir sind auf jeden Fall der Meinung, dass der Umbau jetzt zeitnah realisiert werden soll.“

Kreisz vertritt schon seit geraumer Zeit die Auffassung, dass die Fußgängerzone zeitnah saniert werden sollte - wenigstens parallel zum Bau der neuen Einkaufsgalerie. „Wir müssen jetzt handeln, wenn wir die Fußgängerzone als Erweiterung der bereits sanierten Flächen in der Bahnhofstraße in ihrer Attraktivität steigern wollen.“ Seit Jahren lägen den Kaufleuten Kundenbeschwerden vor, „die den Pflasterbelag als - vorsichtig formuliert - nicht fußgängerfreundlich bezeichnen“.

Seiner Meinung nach wäre es unklug, nach der gelungenen Sanierung des Bahnhofstraßenareals die Fußgängerzone noch länger stiefmütterlich zu behandeln. „Gegen die schleichende Zunahme der Leerstände müssen konkrete Investitionen gesetzt werden“, sagt Kreisz: „Keine Schönheitsoperationen, sondern Investitionen in die Zukunft, die auch Signalwirkung für potenzielle Mietinteressenten bieten.“ Kreisz bezeichnet das Projekt als existenziell für die Einkaufsstadt.

Vorbehaltlich der Zustimmung der Stadtverordneten soll die Fußgängerzone bereits im nächsten Jahr neu gestaltet werden: neuen Straßenbelag bekommen und eine neue Beleuchtung. Und der Abschnitt vom Thonet-Brunnen bis zum Haus Lapp in der Ritterstraße soll grüner werden. Die Kosten des Umbaus soll das Stadtbauamt in den nächsten Wochen ermitteln und den Anliegern vorstellen. Da es aber bereits positive Signale der Betroffenen gebe, sieht der Bürgermeister keine Probleme und kündigt an, dass auch die Stadt ihren Beitrag leisten werde. Aus der Stadtverordnetenversammlung und dem Magistrat gebe es ebenfalls ein positives Echo angesichts der Sanierungspläne.

In die Planung eingestiegen ist unterdessen die Energie-Gesellschaft Frankenberg. Nach aktuellem Stand ist kein Tiefbau in der Neustädter Straße erforderlich. Wasserleitungen und Kanalisation sind so weit intakt, dass keine Gräben aufgerissen werden müssen. Vor allem diese Arbeiten hatten in der Bahnhofstraße für viel Dreck und eine lange Bauphase gesorgt.

Frische Erscheinung

Beratend zur Seite steht der Stadt und dem Kaufmännischen Verein Markus Pfeffer, Stadtmarketingmanager aus Gießen. Er hatte bereits in einer Runde vor Kaufleuten referiert und stellte auch am Montagabend den Anliegern das Gießener Modell vor. „Die Frankenberger Fußgängerzone braucht Aktionen, sie braucht eine frische Erscheinung und sie braucht auch ein aktives Leerstands-Management.“ Ein handgeschriebener Zettel mit Kontaktdaten zur Vermietung in einem leeren Schaufenster reiche dazu nicht aus.

Vor allem seit Montagabend sind sich Heß und Kreisz sicher: „Durch gemeinsames Handeln wird die Fußgängerzone ein modernes Gesicht bekommen und sichert neben dem bereits aktiven Aktionsmanagement die Attraktivität der Einkaufsstadt Frankenberg insgesamt.“

Von Rouven Raatz

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