Kirchengrenzgang in Allendorf

Pilgerer feiern Gottesdienst im Grünen

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Mehr 100 Wanderer aller Altersgruppen nahmen am Kirchgrenzgang teil. Das geschmückte Pilgerkreuz trugen die Allendorfer Vorkonfirmanden an der Spitze des langen Zuges. Fotos: Erwin Strieder

Allendorf (Eder) - Die Pilgerwanderung führte vom neuen Gotteshaus in Allendorf zunächst zum Kirchenstumpf des wüst gewordenen mittelalterlichen Dorfes Bennighausen und schließlich nach Osterfeld zum Lebenshaus mit seiner Kapelle.

Bei sonnigem Wetter verzeichnete die evangelische Kirchengemeinde im Festjahr vor dem großen 50-jährigen Bestehen der neuen Kirche im Februar 2015 am Sonntag „Rogate“ (übersetzt: „Betet!“) eine ausgezeichnete Beteiligung am erstmaligen „Kirchgrenzgang“.

Nach einer Einstimmung mit Liedern im Pfarrgarten des 50-jährigen Gotteshauses rief Gemeindediakon Joachim Strauch zum Mitmachen auf bei einem „Leibgebet“ auf, bei dem nicht gesprochen wurde. Bewegungen des Rumpfes und der Arme sollten anstelle der Worte die Gedanken der Betenden ausdrücken. Mehr als 100 Pilger machten sich dann auf den Weg durch die Feldgemarkung zunächst bis zum Heideköpfchen. Die Jagdhornbläser kündigten aus einiger Entfernung das Herannahen der Wandergruppe an, hier und auch an allen sonstigen Stationen der Tour.

Am Heideköpfchen spielten einige Aktive der Kirchengemeinde eine Konservation frei nach den „Marburger Religionsgesprächen“ des Jahres 1529. Die Akteure stellten fiktive Menschen unserer Region dar, die sich über Neuerungen und Reformansätze im christlichen Leben des frühen 16. Jahrhunderts unterhielten. Später gab es ein zweites Spiel dieser Art zum „Augsburger Religionsfrieden“ von 1555, bei dem das Gebot der Toleranz als Teil des Glaubens in einer Konversation thematisiert wurde.

Beim alten Kirchenstumpf des mittelalterlichen Dörfchens Bennighausen informierte Heimatforscher Walter Sellmann über das seit 500 Jahren wüste Dorf und seine Kirche, die stattliche Ausmaße hatte für ein so kleines Dorf. Sellmann wies auch auf die unmittelbar am Kirchenstumpf vorbeilaufende frühere Landesgrenze zwischen dem Großherzogtum Hessen-Darmstadt und dem Kurfürstentum „Hessen Cassel“ hin, die hier gleichzeitig die Grenze der Gemarkung Allendorf zu Haine und Röddenau ist.

(ied)

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