Gemünden: Bewohner nehmen an Studie über „Alltagskompetenzen“ teil

PISA für Erwachsene in Gemünden

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- Gemünden (gl). In rund 300 Städten und Gemeinden Deutschlands sind noch bis März Interviewer unterwegs, um Menschen für die internationale Studie PIAAC zu befragen – ein „PISA für Erwachsene“. Zufällig traf es auch Gemünden.

Was die Welt von Deutschland denkt, das hängt auch von Gemünden ab; zumindest zu einem ganz kleinen Teil. Mehr als 30 Einwohner der Wohrastadt waren und sind im Zeitraum August 2011 bis März 2012 Teilnehmer einer Studie. PIAAC lautet der offizielle, internationale Name. Alternativ wäre etwa „PISA für Erwachsene“ angebracht, denn das Ziel dieser beiden Studien ist gleich: Kompetenzen von Menschen international vergleichbar untersuchen. Der größte Unterschied: Bei PISA geht es um Schüler, bei PIAAC um Erwachsene im Alter von 16 bis 65 Jahren.Projektleiterin und in Deutschland für die Studie verantwortlich ist Professorin Beatrice Rammstedt vom „GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften“ in Mannheim. Wer sie fragt, warum ausgerechnet Gemünden Teil der Studie ist, erhält zunächst einmal eine ernüchternde Antwort:„Es wurde zufällig ausgewählt.“ Allerdings wurde auf eine gleiche Verteilung von Städten und ländlichen Regionen geachtet, erläutert sie – alles aus Gründen der Repräsentativität. Das Ergebnis, das erst in 22 Monaten bekannt gegeben werden soll, muss schließlich für ganz Deutschland gelten. Dann kann es mit den Ergebnissen anderer Länder verglichen werden.

„Es geht darum, international vergleichbar Kompetenzen zu untersuchen“, sagt Rammstedt. PIAAC sei „eine politisch einschlägige Studie, da sich daraus politische Weichenstellungen ergeben können“ – ganz wie bei den Ergebnissen der PISA-Studie sei es nicht unwahrscheinlich, dass die Politik ihre Schlüsse aus dem Abschneiden Deutschlands ziehe.Spannender aber findet die Professorin der Psychologie einige andere Fragen: Wie kommt es, dass einige Menschen höhere Kompetenzen haben als andere? Liegt es an der Sozialisierung? Der Bildung? Dem Bundesland, in dem man lebt? Oder hat es etwas mit beruflicher wie privater Weiterbildung zu tun? Die Studie soll auch zeigen helfen, wie Kompetenzen über die gesamte Lebensspanne erhalten oder aufgebaut werden können. „Wir wollen schauen, von was Kompetenzen abhängig sind: Beruf, Leben, Kontakte. Oder ist das eine stabile Sache? Schließlich: Was kann Politik tun, um eine Stabilität der Kompetenzen zu erreichen oder sogar eine Steigerung bis ins Alter?“, erläutert Rammstedt.

Die Gemündener, die an der Studie teilnehmen, bekommen für ihre Hilfsbereitschaft eine Belohnung von 50 Euro. Dafür müssen sie dem Interviewer des Marktforschungsunternehmens TNS Infratest nicht nur einen persönlichen Fragebogen beantworten, sondern auch – am Computer oder manuell – Aufgaben erledigen. Die unterscheiden sich gründlich von einem gewöhnlichen Intelligenztest: „Die Aufgaben sind sehr alltagsnah. Es sind Aufgaben, mit denen jeder ständig konfrontiert ist“, erklärt die Professorin. Es geht etwa darum, eine Packungsbeilage zu verstehen, auszurechnen, wie viel Prozent vom Originalpreis bei Sonderangeboten gespart werden können, oder Probleme mithilfe neuer Technologien zu lösen. Nach der ersten Präsentation der Daten soll die Studie regelmäßig wiederholt werden, ganz wie PISA. Gemündener müssen dann wahrscheinlich nicht noch einmal teilnehmen: Wieder werden Städte und Gemeinden zufällig ermittelt.

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