Nordhessischer Verkehrsverbund hat Architekten-Wettbewerb finanziert

Pläne für Bahnhof schon in Schublade

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Nordhessische Planer haben sich Gedanken über die Umgestaltung des Frankenberger Bahnhofsvorplatzes gemacht. Das Konzept sieht den Abriss der Nebengebäude vor. Foto: rou/Oppermann

Frankenberg - Die Pläne zur Umgestaltung des Frankenberger Bahnhofs sind weiter fortgeschritten als öffentlich bekannt: Heimlich, still und leise haben die Stadt und die Bahn einen Architekten-Wettbewerb initiiert. Der Siegerentwurf liegt den Stadtverordneten am Donnerstag zur Zustimmung vor.

Ein durch Pflasterbänder gegliederter steinerner Platz vor dem „Kulturdenkmal“ Bahnhof, Heckenelemente und schmalkronige Bäume, Rasenplateaus mit langgestreckten Sitzplätzen, eine großzügige Treppenanlage zur fußläufigen Anbindung an die Marburger Straße/Friedrichstraße, eine klare Trennung von zentralem Omnibusbahnhof und Parkflächen für Autos, Taxis, Fahrräder: Diese beeindruckende Vision vom Frankenberger Bahnhof, der aktuell noch Schandfleck statt Schmuckstück ist, hat die Arbeitsgemeinschaft Oppermann aus Vellmar und PLF aus Kassel entwickelt. Das großstädtische Flair der im vergangenen Jahr umgestalteten Bahnhofstraße soll auch direkt vor dem Bahnhof zu vernehmen sein.

Hoffnung auf Fördergeld

Mit diesem Vorentwurf haben die Planer jedenfalls einen mehrstufigen Wettbewerb gewonnen, der vom Nordhessischen Verkehrsverbund, der Kurhessenbahn und der Stadt Frankenberg initiiert worden ist. Die Kosten hat bislang der NVV übernommen. Für die Stadt wirkte Bauamtsleiter Karsten Dittmar bei dem Verfahren mit.

Doch jetzt sind die Frankenberger am Zug: Bürgermeister Rüdiger Heß legt den Parlamentariern am nächsten Dienstag in der Sitzung der Ausschüsse und in der Sondersitzung am Donnerstag ab 19.30 Uhr in der Ederberglandhalle den Vorentwurf der Planer vor. Die Stadtverordneten sollen den Magistrat dann legitimieren, die Arbeitsgemeinschaft mit den weiteren Schritten zu beauftragen. Das Ziel: Schon im August sollen die Unterlagen, darunter Förderanträge, erneut im Parlament beraten werden. Bis dahin sollen auch die Kosten für die Umgestaltung berechnet sein. Da der Bahnhof im Sanierungsgebiet liegt, müsste, eine Förderung vorausgesetzt, Frankenberg nur für 33 Prozent der Kosten der Umgestaltung des Vorplatzes aufkommen. Die verbleibenden Drittel würden sich Land und Bund teilen. Baubeginn: 2014.

Dass der Bahnhof im Zuge der Stadtsanierung umgestaltet werden soll, ist seit fast fünf Jahren ausgemachte Sache. Doch dass es nun so schnell geht, das verwundert vor allem die breite Öffentlichkeit. Denn noch vor zwei Wochen hieß es vom Bürgermeister, die Sitzung am 4. Juli sei lediglich deshalb notwendig, um Geld für die Planung der Umgestaltung freizugeben. Bislang war nur bekannt geworden, dass Heß und Dr. Reinhard Kubat gemeinsame Sache machen und die Zukunft planen - schließlich steht die vom Landrat befürwortete Reaktivierung der Bahnstrecke von Frankenberg nach Korbach bevor. Und das Einfallstor aus dem Süden nach Waldeck-Frankenberg ist alles andere als werbewirksam.

Die Frankenberger Stadtverordneten sind vom Architekten-Wettbewerb und von den Detailplänen jedoch vorab informiert worden - in einer nichtöffentlichen Runde im alten Rathaus. Der Grund für die „geheime Kommandosache“ liegt nach FZ-Informationen an den sich, dem Vernehmen nach, noch in diesem Jahr ändernden Besitzverhältnissen. Derzeit befindet sich das Empfangsgebäude im Eigentum einer Fondsgesellschaft. Die will alle Bahnhöfe an einen Investor verkaufen: im Paket. Und zwar schon in wenigen Wochen. Und aus dieser Bahnhofs-Sammlung soll das Frankenberger Empfangsgebäude herausgelöst werden.

Wie? Für wieviel Geld? Darüber schweigt sich Bürgermeister Heß öffentlich noch aus. Auch in den Sitzungsunterlagen für nächste Woche ist nicht vermerkt, wie tief die Stadt oder eine Gesellschaft, an der sich die Stadt beteiligt, in die Tasche greifen würde. In der Tischvorlage heißt es nur: „In beiden Flächenbereichen verhandelt der Magistrat über den Kauf.“

Wer kauft das Gebäude?

Klar ist lediglich, dass die eher abbruchreifen als sanierungsbedürftigen Nebengebäude der DB Netz AG gehören. Und mit der dürften die Verhandlungen deutlich einfacher sein als mit der Fondsgesellschaft. Zumindest geht aus den Vorentwürfen der Planer hervor, dass sämtliche Nebengebäude abgerissen werden sollen. Ziel ist, ein Quartier mit hoher Aufenthaltsqualität zu schaffen. Deshalb soll der Platz, so die Pläne der nordhessischen Zeichner, nur von Linienbussen befahren werden dürfen. Geplant ist ein zentraler Omnibusbahnhof mit sechs Haltestellen, ein Warteplatz für vier Busse, vier Taxistellplätze und zwei AST-Haltestellen sowie insgesamt 60 Park&Ride-Parkplätze für Autos.

Keine Angaben macht der Magistrat in den Sitzungsunterlagen über die künftige Nutzung des Empfangsgebäudes - sollte es die Stadt denn tatsächlich kaufen. Die Namen von zwei potenziellen Mietern machen jedoch in Frankenberg die Runde: die Musikschule und die kreiseigene Beschäftigungsgesellschaft Delta, die im Bahnhof eine gastronomische Einrichtung betreiben könnte.

Von Rouven Raatz

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