Fragen und Antworten zu Kulturdenkmälern

Plötzlich Denkmal-Besitzer: Landesamt informiert Hauseigner

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Sieht alt aus, ist aber erst 1980 neu gebaut: Dennoch wurde dieses handwerklich vorbildlich rekonstruierte Fachwerkhaus Pferdemarkt 14 (links) in Frankenberg als Kulturdenkmal in das neue Denkmalbuch aufgenommen. 

Frankenberger Land. Für viele Hauseigentümer kam die Überraschung jetzt mit der Post aus Wiesbaden: Sie sind Eigentümer eines Kulturdenkmals.

Ihnen wurde damit offiziell nach § 10 Abs. 4 des Hessischen Denkmalschutzgesetzes von 1998 mitgeteilt, dass ihr Gebäude die „Voraussetzung für ein Kulturdenkmal erfüllt“, und deshalb „war es in das Denkmalbuch aufzunehmen“.

Die zuständige Gemeinde oder Stadt sei bereits zu dieser Eintragung „gehört worden“, hieß es, aber wenn die Kommune dies den Bürgern nicht mitgeteilt hatte, traf es manchen Hausbesitzer doch recht unerwartet und plötzlich. Entsprechend hoch waren auch die Nachfragen von betroffenen Bürgern bei der Unteren Denkmalschutzbehörde in der Kreisverwaltung Korbach.

Wir erklären, worum es bei den Kulturdenkmälern genau geht und welche Folgen das für die Besitzer hat:

? Warum erfolgt die Mitteilung zu diesem Zeitpunkt?

! Schon im Februar 2016 hat das Landesamt für Denkmalpflege Hessen in Frankenberg die neue Denkmaltopografie „Landkreis Waldeck-Frankenberg II“ vorgestellt. Es ist ein Werk mit rund 1500 in Wort, Bild und Plan erfassten Kulturdenkmälern aller Art, dargestellt auf über 800 Buchseiten (HNA berichtete). Rund zehn Jahre ist an diesem neuen Denkmalbuch von Historikern und Baufachleuten gearbeitet worden, und noch nie zuvor gab es eine solch komplette Zusammenschau.

? Welche Bedeutung hat diese Denkmaltopografie?

! Sie ist ab sofort rechtliche Grundlage für den gesetzlichen Schutz von erhaltenswerten Ortsbildern, Sachgesamtheiten oder Gebäuden, an denen aus „künstlerischen, wissenschaftlichen, geschichtlichen oder städtebaulichen Gründen ein öffentliches Interesse besteht“.

? Was wird neu unter Denkmalschutz gestellt?

! Zu Kulturdenkmälern gehören nicht nur augenfällige, prachtvolle alte Fachwerkhäuser oder Kirchen, die schon immer als pflege- und schützenswert im Bewusstsein der Bevölkerung verankert waren. Neu entdeckt worden sind bei der systematischen Untersuchung nun auch bisher kaum beachtete Objekte wie beispielsweise Bauten aus der Gründerzeit und des Historismus, Technik- und Verkehrsbauten, Bahnhöfe, Brücken oder historische Grenzsteine. Auch künstlerisch wertvolle Grabsteine gehören dazu.

? Wo findet man eine Begründung für sein denkmalgeschütztes Gebäude?

! Dem Schreiben an die Eigentümer von Kulturdenkmälern war eine Seite aus dem neuen Denkmaltopografie-Buch, auf dem das jeweilige Objekt beschrieben oder abgebildet ist, beigefügt. Das komplette Werk ist erhältlich beim Buchhandel (Konrad-Theiss-Verlag Darmstadt, 59,90 Euro), kann aber auch bei der Stadtbibliothek Frankenberg kostenlos eingesehen werden.

? Was bedeutet die Eintragung für den Eigentümer konkret?

! „Eigentümer, Besitzer und Unterhaltungspflichtige von Kulturdenkmälern sind verpflichtet, diese im Rahmen des Zumutbaren zu erhalten und pfleglich zu behandeln“, schreibt das Landesdenkmalamt. Das heißt, dass man zwingend eine Genehmigung der Unteren Denkmalschutzbehörde einholen muss, wenn man es „zerstören oder beseitigen, umsetzen, umgestalten oder instandsetzen oder mit Werbeanlagen versehen will.“

? Wo kann man sich beraten lassen?

! Kurz nachdem die Denkmal-Benachrichtigungen aus Wiesbaden im Landkreis eingetroffen waren, stand bei Walter Schumann im Fachdienst Bauen der Kreisverwaltung das Telefon nicht mehr still. „Viele Eigentümer fragten aufgeregt an, ob sie ihr altes Gebäude noch abreißen dürften, bevor das Gesetz gelte“, berichtete Schumann gegenüber der HNA. „Aber der Schutz gilt bereits jetzt.“ Er habe ihnen „mit viel Ruhe und Geduld“ versucht, erst einmal die Ängste zu nehmen. „Es ist ganz einfach Aufklärungsarbeit notwendig.“ Formell könne jeder selbstverständlich weiterhin Anträge stellen, über die dann im Rahmen des Gesetzes von Fall zu Fall entschieden werden müsse, sagt der Vertreter der Unteren Denkmalschutzbehörde.

? Und wann liegt die Liste für den Kreisteil Waldeck vor?

! Bis dahin können noch zwei Jahre vergehen. Gerechnet wird mit rund 2500 Objekten, für die sogar zwei dicke Bände der Denkmaltopografie notwendig sein werden.

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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