Polizeibeamter muss sich vor Gericht verantworten

Schlagstock-Prozess: Mutmaßliches Opfer bat seine Mutter um Hilfe

Frankenberger Land. In der Berufungsverhandlung  in Marburg, in der ein Polizeibeamter gegen seine Verurteilung kämpft, hat die Mutter des mutmaßlichen Opfers ausgesagt.

Der Beamte der Polizei Frankenberg war in erster Instanz zu einen Jahr auf Bewährung verurteilt worden, weil er bei einem Einsatz im Oktober 2012 in Röddenau einen wehrlosen Jugendlichen mit einem Schlagstock verletzt haben soll. Der Jugendliche soll zuvor mit Freunden randaliert haben.

Die Mutter des damals 16-Jährigen berichtete, dass sie am besagten Abend von ihrem jüngeren Sohn, der auch mit am Tatort gewesen war, angerufen worden sei. „Er sagte, dass ich herkommen sollte. Man hätte seinen Bruder zusammengeschlagen.“ Sie habe ihren jüngeren Sohn vom Ort des Geschehens abgeholt und sei zur Polizei nach Frankenberg gefahren. Dort habe sie ihren älteren Sohn am Kopf blutend und eingeschüchtert in Handschellen vorgefunden.

„Als er mich sah, sagte er: Mama, mach etwas, hilf mir!“, sagte die Mutter. „Ich habe die Polizisten gefragt, ob es nötig war, dass er so aussieht.“ Welche Antwort sie bekommen habe, wisse sie nicht mehr. Es sei auf der Wache aber nicht von einem Schlagstockeinsatz gesprochen worden - weder von der Polizei, noch von ihrem Sohn. „Erst nachdem die Wunde im Krankenhaus versorgt worden war und wir nach Hause fuhren, erzählt mir unser Sohn, dass er vor den Polizisten weggelaufen sei. Dann habe ihm jemand die Beine weggezogen und er habe einen Schlag am Kopf gespürt. Er sagte, dass er mit einem Stock geschlagen worden sei.“

Richter Oehm hatte offenbar Zweifel an der Aussage der Mutter - zumindest erinnerte er sie an die Aussage des älteren Sohnes. „Der hatte uns erzählt, dass er sich mit seinem Bruder und einer Freundin am nächsten Tag getroffen habe und erst dort zu dem Ergebnis gekommen sei, dass die Wunde von einem Schlag mit einem Schlagstock kommen müsse.“

Der Anwalt des Polizisten sagte. „Es ist schwer nachvollziehbar, dass jemand, der angeblich mit einem Schlagstock getroffen wurde, davon im Krankenhaus nichts erzählt. Da hätte ich als Opfer doch Angst, dass da noch viel mehr kaputt gegangen ist.“ Die Mutter berichtete, dass ihr Sohn generell schweigsam sei. Beim Gespräch mit dem eigenen Anwalt sei er sich aber sicher gewesen, dass es sich um einen Schlagstock gehandelt habe, mit dem er verletzt worden sei. Daraufhin habe man sich entschlossen, Anzeige gegen den Polizisten zu erstatten.

Die Mutter räumte aber auch ein, dass ihr Sohn im Gespräch mit dem Anwalt nichts von der Randale, an der er und andere Jugendlichen beteiligt waren und die Auslöser für den Polizei-Einsatz war, erzählt habe. „Das ist aber der Punkt. Wenn es tatsächlich einen Schlagstock-Einsatz gegeben hat, muss auch geklärt werden, ob dieser eine Reaktion auf den Widerstand des Sohnes war, der sich mit Gewalt einer Festnahme entziehen wollte - oder ob er damals wirklich wehrlos gewesen ist“, sagte der Richter.

Die Verhandlung wird am 11. Mai fortgesetzt.  

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Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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