Postkarte von 1909 aus Rennertehausen auf Ebay entdeckt

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Er ist beeindruckt: Walter Sellmann mit der gut erhaltenen Postkarte aus dem Jahr 1909, die Motive aus Rennertehausen zeigt.

Rennertehausen. Was wollte Otto an einem Donnerstag im Sommer 1909 in Rennertehausen? War er auf Wanderschaft, kaufte er Vieh, besuchte er Verwandte? Eine kolorierte Postkarte ist beim Online-Auktionshaus Ebay aufgetaucht - und die bislang älteste bekannte Ansichtskarte aus dem Dorf.

Jener Otto schreibt an eine Therese Bollmann in Frankfurt-Bornheim: „Von Birkenbringhausen soeben hier eingetroffen und trinke auf dein Wohl ein Glas Bier. Es tut mir nur so leid, daß du nicht bei mir sein kannst. D.O. 9.8.1909, 5.30 Uhr.“ Dann folgt noch: „Sende mit dem Bemerken, daß uns die Tour bis jetzt nach hier gut bekommen ist. Witterung ist günstig. Dein Otto.“ Abgestempelt wurde die Postkarte in Rennertehausen.

Fred Balouschek hat das Dokument ersteigert und Heimatforscher Walter Sellmann zur Ansicht gegeben. Der pensionierte Lehrer ist beeindruckt und kann nur mutmaßen, wie es damals zu dem Schreiben kam. „Vermutlich hat der Verfasser, also Otto, sich im Gasthaus Raabe aufgehalten und dort auch die Karte geschrieben“, sagt Sellmann.

Die Postkarte aus dem Jahr 1909 zeigt Motive aus Rennertehausen.

Die kolorierte Postkarte mit dem Titel „Gruß aus Rennertehausen“ stammt von der Firma Gilbert aus Frankenberg und war dort 1906 gedruckt worden - möglicherweise im Auftrag des Gasthofs Raabe. Das Haus in der Hauptstraße 42 steht noch. Zu sehen sind eine Totalansicht, das Lehrerwohnhaus, heute Mühlenstraße 8, mit Lehrer Heinrich Lenz, Ehefrau Helene und zwei Töchtern, der Gasthof Raabe sowie die Kirche. Besonders auffällig: Die Nordseite ist noch nicht verschiefert, das schmucke Fachwerk ist zu sehen. „Die Bilddokumente zeigen in hoher Qualität Motive aus Rennertehausen, die wir in dieser Darstellung bisher noch nicht kannten“, sagt Walter Sellmann.

Otto und eventuell seine Begleiter sind vermutlich von Birkenbringhausen nach Rennertehausen gelaufen, vermutet Sellmann weiter. Das würde den Verweis auf Birkenbringhausen erklären. Doch auch die Bahnlinie von Frankenberg nach Winterberg war 1908 eröffnet worden. Solche Fragen sind allerdings nach mehr als 100 Jahren wohl nicht mehr zu klären. Walter Sellmann ist dennoch tief beeindruckt von der gut erhaltenen Karte und den kleinen Geheimnissen, die ihr Text birgt. (da)

Quelle: HNA

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